Kommentar: Rückschlag für die bernische Wirtschaft
Von Hans Galli. Aktualisiert am 29.06.2011 3 Kommentare
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Der Wandel gehört zur Wirtschaft, sonst gäbe es keinen Fortschritt. Deshalb würde man den Beteuerungen der Novartis-Spitze gerne glauben, die Zusammenlegung von Pharmabetrieben helfe, die Kosten des Gesundheitswesens zu senken. Unklar ist jedoch, ob Patienten und Prämienzahler auch profitieren werden oder nur Aktionäre und Manager.
Für den Kanton Bern bedeutet die Schliessung des aus der Firma Wander hervorgegangenen Betriebes einen Rückschlag. Dieser wiegt besonders schwer, weil im vergangenen Herbst schon der Roche-Konzern das Ende seiner Burgdorfer Tochter Disetronic angekündigt hatte. Zusammen werden innert kurzer Zeit im Kanton Bern 500 Arbeitsstellen in der Pharmabranche verschwinden. Bern kann aus heutiger Sicht froh sein, dass das Zentrallaboratorium (ZLB) des Blutspendedienstes im Jahr 2000 an den australischen CSL-Konzern verkauft wurde und nicht an Novartis: (NOVN 49.92 0.89%) CSL Behring befindet sich auf Wachstumskurs und will in Bern weiterhin investieren. Wenn Novartis das Rennen gemacht hätte, wäre vom ehemaligen ZLB in Bern wohl nicht mehr viel zu sehen.
Schmerzlich sind die Schliessungen in Bern und Burgdorf auch für den bernischen Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher. In seiner Wachstumsstrategie aus dem Jahr 2007 hatte er neben Informationstechnologie auch Medizintechnik, pharmazeutische Industrie und Biotechnologie als innovative Branchen bezeichnet, in welchen der Kanton Bern eine gute Ausgangslage habe. Was den Pharmabereich angeht, konnte diese gute Ausgangslage offensichtlich nicht voll genutzt werden.
Am Mittwoch wird Rickenbacher die Wirtschaftsstrategie 2025 vorstellen. Sie trägt den Titel «Mit Cleantech die Berner Wirtschaft stärken». Der kantonale Volkswirtschaftsdirektor liegt damit angesichts der Diskussionen um Klimaschutz und Atomausstieg im Trend. Wie im Pharmabereich werden die Einflussmöglichkeiten der Wirtschaftspolitik auch bei den «sauberen Technologien» begrenzt bleiben. (Der Bund)
Erstellt: 29.06.2011, 06:59 Uhr
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