Bern

Kommentar: Im Tram gegen die Zersiedelung

Von Marc Lettau. Aktualisiert am 21.09.2011 3 Kommentare

Das Tram Region Bern ist der konkrete Versuch, die immer wieder beklagte Zersiedelung zu bremsen, schreibt der «Bund» in einem Kommentar.

Eine Zahl nennen Freunde des Trams Region Bern gern: Die Buslinie 10 von Ostermundigen über Bern nach Köniz und Schliern transportiert jährlich 15 Millionen Menschen. Sie befördert mehr Menschen als alle Postauto-Linien im ganzen Kanton Bern zusammen. Aber die Linie 10 stosse an Kapazitätsgrenzen: Nur die Umstellung aufs Tram schaffe Linderung und Perspektive.

Braucht es also ein 550 Millionen Franken teures Infrastrukturprojekt, um etwas rascher und weniger eingepfercht von A nach B zu gelangen? Über diese – rhetorische – Frage dürften in der nahenden, demokratischen Entscheidfindung etliche stolpern. Denn: Wer urteilen will, ob die unvorstellbar grosse Summe zur Aufwertung des öffentlichen Verkehrs nötig ist, orientiert sich gerne an der vorstellbaren Welt der eigenen Erfahrung.

Das Projekt Tram Region Bern zielt allerdings gar nicht darauf ab, Bernerinnen und Berner, Pendlerinnen und Pendler mit ein paar Minuten Zeitgewinn zu beglücken. Es ist vielmehr der konkrete Versuch, die immer wieder beklagte Zersiedelung zu bremsen. Soll der Druck auf die grüne Wiese abnehmen, brauchts nach innen gelenktes Wachstum – in Gebieten, die durch den öffentlichen Verkehr ausgezeichnet erschlossen sind.

Dafür gibts Applaus – solange es Theorie bleibt. Jetzt aber liegt Konkretes vor: Pläne für ein Verkehrssystem, das den Verkehr auffängt, den Verdichtung unweigerlich nach sich zieht. Wer also erkennt, dass Stadt und Region dem raumplanerischen Credo des «inneren Wachstums» längst schon nachleben, kann das Tram Region Bern nicht verhindern wollen.

Noch ist aber unklar, über welches Tram die Menschen in Bern, Köniz und Ostermundigen debattieren werden: Über das Tram, das im Nordquartier Alleebäume verdrängt und in Schliern Kulturland kostet? Über das Tram, mit dem gemeinsam die Vision des inneren Wachstums verfolgt wird? Viel Zeit für bedächtiges Nachdenken bleibt nicht. Sagen nicht alle drei Gemeinden Ja, gibts keinen tauglichen Plan B. Insbesondere die in Aussicht gestellten Bundesmittel flössen ganz rasch und simpel – in den ÖV anderer Städte. (Der Bund)

Erstellt: 21.09.2011, 06:48 Uhr

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3 Kommentare

Tobias E. Muff

22.09.2011, 10:43 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Ein vorsichtiger, weiser Kommentar im "Bund". Das schlimmste ist der sinnlose Zeitdruck des Bundes, der das Denken verbietet, und dass die Nachteile meist unter den Teppich gekehrt werden. Jeder Mobilitätszuwachs führt zu neuen Problemen, bei der Strasse sowieso, das ist bekannt, aber auch im ÖV.
Das neuerliche Wachstum ist falsch, hilft kaum gegen Zersiedelung & ist ohnehin nicht ewig zu halten.
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Hans Meier

21.09.2011, 15:39 Uhr
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Solange das Tram kein eigenes Trassee kriegt, sehe ich den Vorteil des Trames nicht.
Im Stau stehen kann auch ein Tram sehr gut, wenn die Geleise auf der Strasse geführt werden.
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