Bern

Kommentar: Eine Frage des Willens

Von Sarah Nowotny. Aktualisiert am 09.06.2010 4 Kommentare

Der Bau des neuen Atomkraftwerks in Mühleberg steht auch nach dem gestrigen Tag nicht unmittelbar bevor.

Der Grosse Rat hat bloss die rot-grüne Regierung beauftragt, sich – gegen ihren Willen – im Namen des Kantons beim Bund für Mühleberg auszusprechen. Dies überrascht nicht. Schon 2006 hatte sich das Parlament für Atomenergie ausgesprochen und die Regierung gezwungen, ihre Energiestrategie anzupassen. Dennoch ist der gestrige Tag wichtig, begann doch auf dem politischen Parkett die heisse Phase im Ringen um ein AKW im Kanton Bern.

Die Diskussion im Parlament lässt indes im Hinblick auf kommende Debatten nichts Gutes vermuten, denn es fand keine echte Konfrontation statt, Argumente wurden nicht aufgenommen. Stattdessen zählten Atomenergie-Gegner und -Befürworter Studien und Zeitungsartikel auf, um ihre jeweiligen Thesen zu untermauern. So erwähnten die Befürworter, dass sich Umweltschützer gegen jedes neue Wasserkraftwerk wehrten. Die Gegner wiederum zitierten eine neue nationale Studie, an der sich auch Energie Wasser Bern (EWB) beteiligt hat. Es brauche in der Schweiz in Zukunft nur erneuerbare Energien und effiziente Energienutzung, steht darin.

Beide Argumentationslinien klingen für Laien überzeugend, dies müssten eigentlich auch die Ideologen im Rat anerkennen. Tatsächlich kann der künftige Strombedarf mit AKW gedeckt werden – sofern Kosten und Bauzeit nicht aus dem Ruder laufen, wie es bei verschiedenen Projekten weltweit zurzeit der Fall ist. Mit grossen Anstrengungen könnte die drohende Stromlücke aber auch mit erneuerbaren Energien gefüllt werden, mit dem Import von Windstrom etwa: An den nordeuropäischen Küsten ist dieser heute schon fast rund um die Uhr verfügbar. Welche Variante gewählt wird, um unseren Strombedarf künftig zu decken, ist nun eine Frage des politischen Willens. So oder so werden die Beschlüsse für Mensch, Natur und Landschaft spürbar sein. (Der Bund)

Erstellt: 09.06.2010, 07:31 Uhr

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4 Kommentare

Hans Weber

09.06.2010, 10:16 Uhr
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Gratuliere Erwin Burn. Im Gegensatz zu Ihnen politisieren SVP und BDP geschlossen an der Basis vorbei. Die FPD-Klientel ist zu stark verbandelt mit der Stromindustrie und hat evtl. eine Basis die hinter AKWs steht, aber dass reicht nicht. Freue mich auf die Abstimmung, auch wenn nicht bindend. Sonst: Kaiseraugst! Antworten


Benedikt Jorns

09.06.2010, 14:52 Uhr
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Anteil erneuerbare Energie Schweiz 17%, Österreich 23%. Starke Förderung und Fehlen von KKW-Konkurrenz brachte Österreich etwa ein Plus von 6%, in den letzten 10 Jahren nur noch +1%. Das wurde „erkauft“ mit über 30%-Anteil der fossilen Energie bei Stromproduktion, grosser, stark wachsender Stromimport, hoher Strompreis. Wir brauchen alle drei: Energieeffizienz, erneuerbare Energie und Kernenergie. Antworten



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