Kommentar: Blitznachrüstung weckt Misstrauen

Mit ihrer Flucht nach vorn will die BKW ihr AKW über die Runden bringen und noch möglichst lange betreiben. Mühleberg steht jedoch erst am Anfang einer Kaskade von Sicherheitsprüfungen

Ist die Nachrüstung nur ein Trick, um einer vorläufigen Abschaltung des Werks durch die Atomaufsicht Ensi zuvor zu kommen? Das AKW Mühleberg in Nachtstimmung. (Markus Forte/Ex-Press)

Ist die Nachrüstung nur ein Trick, um einer vorläufigen Abschaltung des Werks durch die Atomaufsicht Ensi zuvor zu kommen? Das AKW Mühleberg in Nachtstimmung. (Markus Forte/Ex-Press)

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Mit einem Paukenschlag trat die BKW am Mittwoch an die Öffentlichkeit: Sie wird ihr Atomkraftwerk Mühleberg sofort herunterfahren – fünf Wochen vor der regulären Sommerrevision. Die zusätzliche Zeit braucht sie, um eine neue Kühlwasserversorgung für den Notfall zu bauen. Denn ein Gutachten der ETH hat bestätigt, was AKW-Gegner schon länger kritisierten: dass die Notwasserversorgung bei einer schweren Überflutung verstopfen könnte.

Dass die BKW nun rasch handelt, ist zu begrüssen. Sie betont, sie tue dies freiwillig, um ihre eigenen hohen Sicherheitsansprüche zu erfüllen. Nicht belegbar, aber naheliegend ist jedoch auch die Vermutung, dass die BKW damit einer vorläufigen Abschaltung des Werks durch die Atomaufsicht Ensi zuvorkommen wollte. Denn just heute muss die BKW ihren Prüfbericht an das Ensi abliefern, ob Mühleberg ein schweres Hochwasser überstünde, wie es alle zehntausend Jahre vorkommt. Die Anforderung mag hoch erscheinen, sie entspricht aber der offiziellen Sicherheitsphilosophie: Weil der Schaden einer AKW-Katastrophe unvorstellbar gross ist, muss die Wahrscheinlichkeit, dass sie eintritt, sehr klein sein. Was passieren kann, wenn sich die Experten verschätzen, hat Fukushima gezeigt.

Mit ihrer Flucht nach vorn will die BKW ihr AKW über die Runden bringen und noch möglichst lange betreiben. Mühleberg steht jedoch erst am Anfang einer Kaskade von Sicherheitsprüfungen. Bereits Ende August muss die BKW zum Beispiel Lösungen für das noch schwierigere Problem vorlegen, wie sie den Reaktor ohne Wasser aus der Aare kühlen kann.

Dass die BKW ihr fast vierzigjähriges AKW schon nach der ersten dieser Prüfungen in einer Blitzaktion nachrüsten muss, weckt Misstrauen. Die Sicherheit muss jetzt ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Verluste ernsthaft geprüft werden – auch wenn dies die sofortige Abschaltung bedeuten sollte. Gefordert sind in erster Linie die Atomaufsicht und das Bundesverwaltungsgericht, das demnächst über die Betriebsbewilligung entscheidet. (Der Bund)

Erstellt: 30.06.2011, 07:41 Uhr

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