Bern

Kommentar: Aufholjagd bleibt schwierig

Von Hans Galli. Aktualisiert am 01.07.2011 1 Kommentar

Regierungsrat Andreas Rickenbacher will mit der bernischen Wirtschaft einen Spitzenplatz bei Cleantech erobern.

Nur wer sich hohe Ziele setzt, erreicht etwas, lautet eine Sportlerweisheit. Daran sollte man auch beim Rückblick auf die bernische Wirtschaftsgeschichte denken. Im Jahre 1971 hat das Stimmvolk das Gesetz zur Förderung der Wirtschaft angenommen. Schon damals ging es darum, den Rückstand Berns beim Bruttoinlandprodukt pro Kopf auf das schweizerische Mittel wettzumachen. Seither wurden immer wieder neue Förderprogramme und Strategien erarbeitet und umgesetzt, aber der Rückstand ist gleich geblieben.

Das Fazit ist zwar ernüchternd, es ist jedoch noch kein Beweis für ein Versagen der bernischen Wirtschaftspolitik. Wohlwollend kann man sagen, dass Bern zwar nicht aufgeholt hat, aber ohne Wirtschaftsförderung wäre der Abstand vielleicht gewachsen. Angesichts der Erfahrung aus den vergangenen vierzig Jahren wäre es allerdings eine Überraschung, wenn die Aufholjagd mit der neuen Wirtschaftsstrategie besser gelingen sollte. Die Ausrichtung auf erneuerbare Energien und Umwelttechnologien ist zwar richtig, aber sie ist auch nicht mehr originell: Nach dem von Bundesrat und Nationalrat beschlossenen Atomausstieg wird Cleantech für die Schweizer Wirtschaft ohnehin zu einem dominierenden Thema. Falls die Energiepreise wie erwartet stark steigen, werden Wirtschaft und Haushalte automatisch sparsamer mit dem kostbaren Gut umgehen.

Weit umstrittener als die Cleantech-Strategie dürften die von Rickenbacher geforderten flankierenden Massnahmen sein: Der Steuereinzug am Arbeitsort statt am Wohnort wird es sehr schwer haben. Auch der angestrebte stärkere Einfluss des Kantons auf die Zonenplanungen der Gemeinden sowie die Forderung nach Gemeindefusionen werden auf massiven Widerstand stossen.

Bei allem Bedauern über den Rückstand Berns auf das schweizerische Mittel darf nicht vergessen werden, dass die bernische Wirtschaft im internationalen Vergleich gut dasteht. (Der Bund)

Erstellt: 01.07.2011, 07:24 Uhr

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1 Kommentar

Philippe Calle

12.08.2011, 12:45 Uhr
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Bern ist ja sowieso eine Beamten-Stadt. Wenn der grösste Teil der Arbeitsplätze vom Bund bestimmt wird, ist es schwer noch dazu einen wirtschaftlichen Schwung zu verlangen. Und da die Berner auch seit Jahren stetig eine rot-grüne Koalition als Stadtregierung wählen, ist es auch nicht gerade ein Zeichen von Dynamismus, Weitsichtigkeit und wirtschaftlichen Fortschrittswillen. Antworten



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