Keine Polizeistunde, 24 Stunden ÖV und ein Jugendzentrum

Nach dem ersten runden Tisch zum Berner Nachtleben scheinen alle Beteiligte zufrieden. Drei Vorschläge stehen nun im Vordergrund.

Zum Berner Nachtleben wird derzeit ein Konzept ausgearbeitet.

Zum Berner Nachtleben wird derzeit ein Konzept ausgearbeitet. Bild: Manu Friederich

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Wen man auch fragt, alle sind zufrieden. Es sei gut gewesen, habe man sich zusammengesetzt, sagen die Akteure nach dem ersten runden Tisch über das Berner Nachtleben. Wirklich konkrete Vorschläge, wie in Bern Rahmenbedingungen für ein gleichzeitig hauptstadtwürdiges und für die Stadtbewohner erträgliches Nachtleben geschaffen werden sollen, gab es am Montag verständlicherweise noch wenige.

Ende September dürfte das anders sein. Dann sollen am nächsten runden Tisch die Massnahmen diskutiert werden, die der Gemeinderat in seinem Nachtleben-Konzept verbriefen will. Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) sagt auf Anfrage, er halte es für einen «vielversprechenden Weg», die Punkte des Konzepts am runden Tisch zu diskutieren, «bevor das Konzept in den breiten öffentlichen Diskurs geht».

Doch auch am ersten runden Tisch vom Montag gab es Forderungen, die eine nähere Betrachtung verdienen:

• Ein Jugendzentrum im Zentrum

In einem Punkt bestand Konsens: Für minderjährige Jugendliche fehlt es im Stadtzentrum an Ausgangsmöglichkeiten. «Es braucht einen Jugendraum in der Innenstadt», sagt Christian Pauli, Präsident des Vereins Bekult – auch, um den Vorplatz der Reitschule zu entlasten, wo am Wochenende Hundertschaften von Minderjährigen weilten. «Die Bedürfnisse der 14- bis 18-Jährigen sind schlecht abgedeckt», sagt auch Alexander Tschäppät – das habe der runde Tisch klar zutage gefördert. Aber einen geeigneten, zentralen Ort für einen Jugendraum zu finden, sei «nicht ganz einfach». Bekanntlich gelte: «Je zentraler, desto teurer.»

• ÖV die ganze Nacht hindurch

Auch ein Anliegen von Thomas Berger, dem Präsidenten des Vereins Pro Nachtleben und Mitglied der Jungfreisinnigen, wurde am Montag diskutiert: Die ÖV-Lücke zwischen dem letzten Nachtbus und dem ersten Bus oder Tram sei zu schliessen. Er möchte, dass «ernsthaft geprüft wird, was ein durchgehender Betrieb kosten und was er bringen würde», sagt Berger. «Wenn die Leute nach dem Ausgang nach Hause gehen, haben wir sie nicht in der Stadt», sagt auch Tschäppät. Doch auch ein durchgehender öffentlicher Verkehr sei eine Kostenfrage.

• Aufhebung der Polizeistunde

Den radikalsten Vorschlag machte am Montag Christian Pauli: Er schlägt eine Abschaffung der Polizeistunde vor – versuchsweise zumindest. Das heisst: Die Clubs dürften selber bestimmen, wie lange sie geöffnet sind. Mit einer Aufhebung der Polizeistunde wäre die «aberwitzige Bürokratie» Vergangenheit, mit der sich Clubbetreiber heute herumschlagen müssten, um eine Überzeitbewilligung zu erhalten, sagt Pauli. Ausserdem würden nicht mehr alle Ausgänger gleichzeitig – um halb vier, wenn die Clubs mit Bewilligung schliessen – auf die Strasse strömen.

Pauli schlägt vor, die Polizeistunde als Pilotversuch aufzuheben – für zwei Jahre beispielsweise. «Dann würde man sehen, ob der Markt das Angebot nicht von alleine regelt.» Alexander Tschäppät kann die Polizeistunde nicht aufheben – dafür wäre der Kanton zuständig. Ob eine Aufhebung oder Lockerung der Polizeistunde zu einer Entspannung beitragen könnte, sei schwer abzuschätzen, sagt er. «Aber man sollte darüber reden. Man sollte das prüfen.» (Der Bund)

(Erstellt: 04.07.2012, 07:00 Uhr)

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