Bern

Keine Angst vor einem neuen AKW

Von Simon Wälti. Aktualisiert am 12.01.2011 1 Kommentar

Es sei besser, ein neues AKW zu bauen als ein Gas- oder Kohlekraftwerk, findet Gemeindepräsident Kurt Herren (SVP). Opposition gibt es wenig in Mühleberg – die lokale SP will sich nicht die Finger verbrennen.

«Die Steuern sind nur eine schöne Nebenerscheinung», sagt Mühlebergs Gemeindepräsident Kurt Herren. (Valérie Chételat)

«Die Steuern sind nur eine schöne Nebenerscheinung», sagt Mühlebergs Gemeindepräsident Kurt Herren. (Valérie Chételat)

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11 Uhr – Komplizierte Steuerteilung: Auch die umliegende Gemeinden wollen profitieren.
14 Uhr – Bern, die wichtigste Nachbargemeinde, ist antinuklear

Eines ärgert Gemeindepräsident Kurt Herren (SVP). Wenn es heisst, Mühleberg sei nur «wäge de Stütz» für ein neues AKW. «Das stimmt einfach nicht», erklärt Herren, der bis zu seiner Pensionierung 2001 Swissair-Pilot war. Rund 1,2 bis 1,5 Millionen Franken von der BKW kann Mühleberg jedes Jahr unter dem Posten «Steuerteilungen juristische Personen» verbuchen. Eine hübsche Summe bei einem Budget, das Ausgaben von gesamthaft 12,6 Millionen Franken aufweist. «Die Steuern sind eine schöne Nebenerscheinung», sagt Herren dazu. Mühleberg konnte die Steueranlage in den letzten Jahren dank der BKW mehrmals senken: Heute liegt sie noch bei 1,25 Einheiten.

Herren weist aber auch darauf hin, dass Mühleberg erst seit 2001 in den Genuss der Steuerteilungen kommt und dass die Gemeinde wegen der guten Finanzlage auch gegen eine halbe Million Franken in den Disparitätenabbau des Kantons einzahlt. Zudem wird die Abrechnung nicht sofort erstellt, fünf Jahre beträgt die Verzögerung. Für 2010 steht noch die Steuerteilung von 2005 aus. Die positive Seite: Es gibt noch Geld, wenn Mühleberg längst abgeschaltet ist.

Vertrauen in die Sicherheit

Die Haltung des Gemeinderats sei klar, hält Herren fest. Man sei überzeugt, dass es grosse Kraftwerke brauche, um die Stromversorgung zu garantieren. Alternativenergien reichten nicht aus. «Es ist besser, ein Kernkraftwerk als ein Gas- oder Kohlekraftwerk zu bauen.» Die CO2-Bilanz spreche für die Kernkraft. Zudem sei die Sicherheit des Betriebs garantiert, sagt der ausgebildete Maschineningenieur. «Dass Mühleberg ein Schrottreaktor sein soll, ist Blödsinn.» Er sei schon oft im Werk gewesen und habe sich vom guten Zustand überzeugen können. Zudem werde es dauernd modernisiert und revidiert. «Ich kenne auch die Leute, die dort arbeiten, und habe Vertrauen zu ihnen.» Rund 50 bis 60 Angestellte des AKW leben in der Gemeinde Mühleberg, die knapp 2700 Einwohner zählt. Angst hat Herren nicht: «Das Arsenal an Atomwaffen macht mir Angst oder alte Reaktoren auf dem Meeresgrund, aber nicht die AKW in der Schweiz.»

«Wenig Opposition in Mühleberg»

Bei einer Umfrage, die 2009 im Auftrag der BKW durchgeführt wurde, resultierte in Mühleberg eine satte Mehrheit für den Bau eines neuen AKW. 65 Prozent gaben eine positive oder eher positive Stellungnahme ab. «Es gibt wenig Opposition gegen ein neues Werk in Mühleberg, die Leute haben eher Bedenken wegen der langen Bauzeit und der damit verbundenen Immissionen.»

Tatsächlich ist es sehr still in Mühleberg. Während die kantonale SP das Projekt an vorderster Front bekämpft, beschäftigt sich die SP Mühleberg nicht näher mit dem Thema. Man habe es vor anderthalb Jahren diskutiert, sagt Andreas Remund, Präsident der lokalen SP. «Es ist ein grosses Spannungsfeld, und wir lassen Stimmfreigabe zu.» Als Ortspartei in einer kleinen Gemeinde wie Mühleberg befinde man sich in einer schwierigen Situation. «Wie ernst würden wir bei einem Nein im Dorf noch genommen?» Man wolle sich auch zu anderen politischen Themen äussern. Remund sagt zudem, es handle sich um eine nicht verbindliche Konsultativabstimmung.

«Mehrheit ist politisch neutral»

Auch bei der IG Salzweid will man sich nicht zum Fenster hinauslehnen. «Die Mehrheit ist politisch neutral, und wir machen als Organisation nicht im Abstimmungskampf mit», sagt Christian Minder. Wobei sich einige Mitglieder privat gegen die Atomkraft engagierten. Die IG wehrte sich gegen die geplanten Standorte für den Logistikplatz und die Arbeitersiedlung. Landwirt Minder wohnt in Frauenkappelen gleich neben dem Feld, auf welches die Arbeitersiedlung zu stehen kommen soll. Ob man zu einem späteren Zeitpunkt im Baubewilligungsverfahren Einsprache machen werde, lässt Minder offen.

Klar gegen ein neues AKW Stellung nimmt die Ökogruppe Laupen, von deren etwa 50 Mitgliedern einige aus Mühleberg stammen. Thomas Koch von der Ökogruppe hat eine einfache Erklärung dafür, weshalb die AKW-Diskussion in der Standortgemeinde selber kaum geführt wird. «Kritik ist eine heikle Sache und wird quasi als Nestbeschmutzung aufgefasst.» SP-Mitglied Koch, Grossratspräsident 2005/2006 und früher selber in der Gemeinde Mühleberg wohnhaft, will kein Mühleberg II. «Ein neues AKW mit vierfacher Leistung ist Verhältnisblödsinn.»

Wie die Abstimmung am 13. Februar auch ausfällt, eine Grossbaustelle erhält Mühleberg vielleicht schon im Sommer. Die BLS plant den Ausbau der Strecke Rosshäusern–Mauss auf Doppelspur mit Kosten von 190 Millionen Franken. Dafür braucht es auch einen neuen, 2,1 Kilometer langen Tunnel. (Der Bund)

Erstellt: 12.01.2011, 08:16 Uhr

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1 Kommentar

Markus Alder

12.01.2011, 21:08 Uhr
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Offensichtlich sind Kernkraftwerke ganz angenehme Nachbarn. Auch in Deutschland und Frankreich haben die Standortgemeinden fast ausschliesslich positive Erfahrungen gemacht. Die hartgesottenen Kernenergie- Gegner wohnen meist in nobleren Quartieren der grossen Städte und arbeiten bei der Öffentlichen Hand. Sie kümmern sich wenig bis gar nicht um die Anliegen der einfachen Menschen. Antworten



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