Bern

«Kein Polizist bleibt länger in der Reitschule als notwendig»

Von Adrian M. Moser. Aktualisiert am 27.09.2011 23 Kommentare

Manuel Willi, Chef der Regionalpolizei Bern, rechtfertigt den Einsatz vom letzten Donnerstag.

Der Innenhof der Reitschule - hier eskalierte am vergangenen Donnerstag die Situation zwischen Zivilpolizisten und Reitschülern.

Der Innenhof der Reitschule - hier eskalierte am vergangenen Donnerstag die Situation zwischen Zivilpolizisten und Reitschülern.
Bild: Franziska Scheidegger

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Der Polizeieinsatz bei der Reitschule

Der Polizeieinsatz bei der Reitschule
In der Reitschule sind am Donnerstagabend zwei Zivilfahnder der Kantonspolizei festgehalten und verprügelt worden. Die Reitschule widerspricht der Darstellungen vehement.

Manuel Willi, Chef der Regionalpolizei Bern

Im Communiqué der Polizei zu den Vorfällen vom vergangenen Donnerstag ist die Rede davon, dass 30 bis 40 Personen die Polizei massiv bedrängt haben sollen und dass aus der Menge heraus auf die Polizisten eingetreten worden sei. Das Video, das ein Gast gedreht hat, zeigt weder das eine noch das andere. Im Gegenteil: Es sind die Polizisten, die Gewalt anwenden, für die es keinen ersichtlichen Grund gibt. Wie kann es sein, dass die Polizei Unwahrheiten verbreitet?
Unser Communiqué enthält keine Unwahrheiten. Das Video zeigt nur den zweiten Teil der Situation. Der Angriff auf die Polizei ist nicht zu sehen. Was es aber zeigt, ist, dass die Fahnder aktiv an der Arbeit gehindert wurden.

Die Polizei musste die Reitschule auch nicht fluchtartig verlassen, wie sie geschrieben hat. Die Polizisten waren nie eingesperrt.
Doch, das war ganz klar der Fall. Die angeforderte Unterstützung kam nicht mehr durch das Tor hinein.Das Tor war von aussen nach innen verschlossen, umgekehrt nicht.Kein Polizist bleibt länger in der Reitschule als notwendig. Unsere Leute wurden aktiv am Verlassen der Reitschule gehindert. Ausserdem sind Aussagen gefallen wie: «Jetzt haben wir euch, lebendig kommt ihr hier nicht mehr raus.»

Sie bleiben also dabei: Das Communi- qué vom Freitag entspricht den Tatsachen.
So haben es meine Leute geschildert. Ich habe keinen Hinweis darauf, dass daran etwas nicht stimmen sollte.

War der Einsatz am Donnerstagabend verhältnismässig?
Bisher sehe ich keinen Grund, zu einem anderen Schluss zu kommen. Wenn sich jemand ungerecht behandelt fühlt, empfehle ich dieser Person, Anzeige zu erstatten.

Auf dem Video der Reitschule ist zu sehen, wie ein Polizist einer Frau ins Gesicht langt und wie ein anderer einen scheinbar Unbeteiligten grob gegen die Wand stösst. Ausserdem ist zu sehen, wie ein Polizist den Mann würgt, der verhaftet werden sollte und bereits gefesselt ist. Was rechtfertigt dieses Vorgehen?
Das Video zeigt nur eine Perspektive. Die Füsse des Gefesselten sind verdeckt. Wenn er die Polizisten tritt, ist das nicht zu sehen. Für die Beamten ist das eine sehr unangenehme Situation. Die Szene, in der sie bedrängt und angegriffen werden, zeigt das Video wie gesagt nicht.

Warum konnte die Polizei den verdächtigen Mann nicht draussen verhaften?
Die beiden Polizisten haben das versucht. Der Verdächtige hat sich der Kontrolle entzogen und ist geflüchtet.Die Reitschüler werfen der Polizei vor, den Mann mit Absicht in die Reitschule getrieben zu haben, um die Auseinandersetzung zu provozieren.Das war sicher nicht der Fall. Der Mann hätte viele Richtungen offen gehabt, er hätte nicht in die Reitschule flüchten müssen. Aber sie ist halt ein geeignetes Rückzugsgebiet, weil man weiss, dass es für die Polizei schwierig ist, dort zu intervenieren.

Die Verstärkung sei verdächtig schnell da gewesen, insbesondere die zehn Uniformierten, monieren die Reitschüler. Hatte sich die Polizei also auf mehr als eine einfache Verhaftung eingestellt?
Nein. Die Uniformierten standen bereit für einen Einsatz auf dem Bundesplatz. Zwei der Beamten in Zivil kamen von einer anderen Patrouille, die anderen aus dem Büro an der Hodlerstrasse.

Die Reitschüler beklagen sich über vermehrte Provokationen und Ausfälligkeiten durch die Polizei.
Die Frage ist: Was ist eine Provokation? Für die Reitschüler ist es schon eine Provokation, wenn sich ein Polizist in der Nähe der Reitschule zeigt.

Einer der Polizisten habe dem Verhafteten auf dem Posten einen Zweikampf angeboten. «Du Weichei, wenn du alleine bist, traust du dich nicht mehr!», soll er gesagt haben.
Das kann ich mir nicht vorstellen.

Und wenn es doch so wäre?
Dann wäre es nicht tolerierbar. (Der Bund)

Erstellt: 27.09.2011, 06:45 Uhr

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23 Kommentare

Peter Weber

27.09.2011, 14:18 Uhr
Melden 47 Empfehlung

Gewisse Gruppierungen innerhalb der Kantonspolizei sind ausser Kontrolle geraten und bilden ein Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung und den Ruf der Polizei. Die Polizeiführung sollte sich deshalb gut überlegen, ob sie weiterhin Straftäter in den eigenen Reihen schützen will. Faule Ausreden schaffen dabei kein Vertrauen. Antworten


Thomas Walter

27.09.2011, 08:54 Uhr
Melden 37 Empfehlung

Eisklat der Öffentlichkeit ins Gesicht lügen. Und so jemand wird mit meinen Steuergelder bezahlt. Eine Frechheit! Antworten



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