Kein Platz mehr für Esel und Alpaka
Von Lisa Stalder. Aktualisiert am 09.06.2011 4 Kommentare
Beliebte Eisfüchse bei den Patenschaften
1995 eingeführt, ist das Patensystem des Berner Tierparks Dählhölzli zu einem bedeutenden Zustupf geworden. Ab 100 Franken kann man eine Patenschaft übernehmen. Für diesen Preis ist beispielweise die Zwergmaus, der Steinkauz oder die Ringelnatter zu haben. Etwas tiefer muss für den Luchs (700 Fr.), den Elch (1000 Fr. ) oder den Braunbären (3000 Fr.) in die Tasche gegriffen werden. Die Preise seien eine «Mischrechnung» aus Aufwand, Futterpreise und Grösse des Tiers, sagt Marc Rosset, Kurator des Tierparks Dählhölzli. Allerdings fliesse das Geld in einen einzigen Topf und komme somit allen Tieren zugute. Damit werde vorwiegend Futter gekauft oder auch mal ein Gehege aufgewertet . Zurzeit verzeichnet der Tierpark insgesamt 1164 Patenschaften. Am beliebtesten sei der Eisfuchs (122), dicht gefolgt vom Waschbären (117) und der Wildkatze (87). Tiere, die einen «Jööh»-Effekt auslösten, seien besonders beliebt, Schlangen und Ameisen kommen allerdings weniger gut an. Wer eine Patenschaft eingeht, erhält eine Urkunde, die Tierpark-Zeitschrift «Uhu» sowie zwei bis vier Gratiseintritte. Für Patenschaften ab 300 Franken gibt es gar ein Jahresabonnement.
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Am Patentag im Berner Tierpark Dählhölzli erfahren die Sponsorinnen und Sponsoren eines Tiers jeweils viel Neues und Witziges über ihren Schützling. Zum Beispiel, dass Alpakadame Donna an heissen Tagen am liebsten im Dalmazibach sitzt, dass Pinguine einander ein Leben lang treu sind, oder dass Meerschweinchen von zu viel Fruchtzucker hyperaktiv werden. Gestern wurde einigen Patinnen und Paten aber auch bewusst, dass sie sich womöglich ein neues Patentier aussuchen müssen.
Denn wie auf der Führung durch den Kinderzoo zu erfahren war, stehen in diesem Teil des Tierparks grosse Veränderungen an. Geplant ist ein grösseres Gehege für Lewitzer-Pferde, die von einem Berliner Gestüt nach Bern kommen werden. Und damit die Neuzuzüger genügend Platz haben, müssen andere Tiere weichen. Als erste die beiden Esel: «Diese Ära geht in Kürze zu Ende», sagte Tierpflegerin Therese Engel sichtlich bewegt. Das betagte Eselpaar – Grittli und Aschi sind beide 27-jährig – werde bereits nächste Woche aus ihrem Gehege ausziehen müssen. Für die Eseldame konnte ein neues Plätzchen gefunden werden; sie wird ihren Lebensabend im Pferdealtersheim in Le Roselet im Jura verbringen. Der Hengst müsse hingegen euthanasiert werden, sagte Engel. Für ihn sei dies die beste Lösung, er würde sich kaum noch an ein neues Gehege gewöhnen.
Alpakas haben neue Plätze
Die Esel sind nicht die Einzigen, die den Kinderzoo verlassen müssen: Laut Engel sollen mittelfristig auch die Alpakas, die Sumpfbiber, die Meerschweinchen und die Ponys umplatziert werden. Dies, weil man sich entschieden habe, insbesondere auf jene Tiere zu verzichten, die in Europa nicht heimisch sind, sagte Marc Rosset, Kurator des Tierparks Dählhölzli. Dazu gehörten eben auch die Sumpfbiber und die Alpakas. Einige der Alpakas würden jenem Züchter in der Ostschweiz abgegeben, der schon seit Jahren mit dem Tierpark zusammenarbeite. «Er hat jeweils unsere Jungtiere genommen, dies im Austausch für neue Muttertiere.» Die drei Junghengste, die derzeit im Gehege leben, werden gemäss Rosset an einen anderen Zoo abgegeben. Die Spiegelschafe und die Zwergziegen werden hingegen auch weiterhin im Kinderzoo wohnen. Die Zukunft der beiden Minipigs ist indes noch nicht geklärt. Vorerst bleiben aber auch sie.
Tierpark-Direktor Bernd Schildger bestätigte die Pläne gestern auf Anfrage. Das Motto des Tierparks sei «Mehr Platz für weniger Tiere». Im Kinderzoo herrsche derzeit aber ein ziemliches Gedränge. Und: «Nur die wenigsten der Tiere können auch tatsächlich berührt und gestreichelt werden, was nicht der Sinn eines Kinderzoos ist.» Der Tierpark habe daher bereits vor drei Jahren damit begonnen, nach neuen Ideen zu suchen. Da bei Kindern das Pony-Reiten sehr geschätzt werde, sei beschlossen worden, Lewitzer-Pferde anzuschaffen. Die Kleinpferde seien auch dazu geeignet, eine Kutsche zu ziehen; deshalb werde ein solches Gefährt auch angeschafft, so Schildger.
Die ersten beiden Pferde werden voraussichtlich bereits in diesem Jahr in den Kinderzoo einziehen. Dies sei aber nur möglich, wenn sie ein passendes Gehege erhalten – eines mit einem permanent zugänglichen Auslauf, «und zwar Tag und Nacht». So werde es in den Vorgaben der Tierverordnung verlangt. Wann die anderen Tiere umplatziert würden und wie das weitere Vorgehen aussehe, könne er zurzeit noch nicht sagen. «Es wird aber nicht von heute auf morgen geschehen», sagte Schildger.
Auf dem Rundgang durch den Kinderzoo wurden diese Neuigkeiten mit einigem Entsetzen aufgenommen. Eine ältere Frau fand, es dürfe nicht sein, dass die beiden Esel nach so langer Zeit einfach «ausgemustert» würden. Dass Aschi aber eingeschläfert werden müsse, sei eine Tragödie. «Wenn ich könnte, würde ich ihn zu mir nehmen.» Sie werde eine Petition zur Rettung der Esel starten, kündete eine andere an. (Der Bund)
Erstellt: 09.06.2011, 09:42 Uhr
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4 Kommentare
Es ist schockierend ! Da verbringen die 2 Esel ihr langes Leben gemeinsam im Dählhölzli und sollen nun wegen Sachzwängen als erste Tiere bereits nächste Woche "entsorgt" werden. Weitere Tiere sollen das gleiche Schicksal erleiden ! Das ist eines seriösen Tierparks nicht würdig ! Ich schätze Direktor Bernd Schildger sehr, fordere ihn nun aber dringend auf, den Esel Hengst um keinen Preis zu töten. Antworten
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