«Kaum tragen sie die Maske, sind sie in ihrem Element»

Der Gründer der Firma Airxess in Bern bemalt Masken für Eishockey-Goalies. Er ist überzeugt: Die Masken mit seinen Motiven machen die Goalies zu besseren Spielern.

Luchs, Wappen oder Krieger: Alec Voggel malt alles auf die Masken.

Luchs, Wappen oder Krieger: Alec Voggel malt alles auf die Masken. Bild: Valérie Chételat

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Die Kundenliste der Firma Airxess liest sich wie das Who’s who der Schweizer Eishockey-Szene: Da ist zum Beispiel Thomas Bäumle, Goalie der SCL Tigers, oder aber der Keeper des EHC Biel, Reto Berra. Auch Daniel Manzato, der bei HC Lugano im Tor steht, geht im Laden im Berner Tiefenauquartier ein und aus. Der bekannteste Kunde ist aber Jonas Hiller, der seit 2007 Goalie des kalifornischen Teams Anheim Ducks ist.

Für Firmengründer und Geschäftsführer Alec Voggel ist das nichts Besonderes: «Wir sind halt das einzige Geschäft in der Schweiz, das auf die Bemalung von Hockey-Goaliemasken spezialisiert ist», sagt er und zuckt mit den Schultern. «Und wir machen es mit grosser Leidenschaft.»

Von der Rennstrecke zum Eisfeld

Der gebürtige Basler hat nicht immer Goaliemasken bemalt: Bevor Voggel 1993 die Firma Airxess gründete, arbeitete der gelernte Automechaniker unter anderem bei einer Versicherung und in einem Beleuchtungsplanungsbüro. Der Junior-Chef dieser Firma sei ein begeisterter Autorennfahrer gewesen. Voggel hatte ihn an den Wochenenden jeweils als Mechaniker an die Rennen begleitet. Nachdem Voggel dem Rennpiloten einmal den Helm bemalt hatte, schenkte dieser ihm ein Airbrush-Set. «Mit diesem Geschenk hat er sich dann selber ein Ei gelegt», sagt der 44-Jährige schmunzelnd. Denn kurz darauf kündigte er und machte sich selbstständig.

Das Meisterstück für den Top-Hexer

Voggels Arbeit ist so vielfältig wie die Wünsche seiner Kunden. Ob eine blutige Kriegerfigur, das Familienwappen, ein fauchender Luchs, ein Adler, eine verschneite Berglandschaft oder aber das Porträt der Freundin des Goalies - er hat alles schon gemacht. Es komme auch vor, dass die Kunden keine genaue Vorstellung hätten, wie ihre Masken bemalt werden sollen.

Bei Leuten, deren Geschmack er gut kenne, mache er selber einen Vorschlag oder überrasche sie gar mit einem Motiv. Kenne er einen Kunden nicht, führe er zuerst ein Interview, um herauszufinden, was ihm gefallen könnte. Bemale er eine Maske eines Topgoalies, gelte es, einige Vorschriften des Klubs zu beachten. Aber: «Ich reize die Grenzen gerne ein wenig aus.» So habe er auf der Maske von Lars Weibel, der 2009/2010 bei den Kölner Haien spielte, das Logo des Klubs einmal spiegelverkehrt gemalt. «Und prompt kam ein Telefon.»

Als sein «absolutes Meisterstück» bezeichnet Voggel jene Maske, die er vor drei Jahren für Jonas Hiller angefertigt hat. Auf dieser verewigte er das gesamte Team Hillers, den Spielern malte er zudem einen Schnauz auf. Die Maske sei verschiedentlich im amerikanischen und kanadischen Fernsehen gezeigt worden. «Das war natürlich tolle Werbung.» Schade sei aber gewesen, dass Hiller darin alle Spiele verloren habe. «Am Schluss machte man uns für die Niederlagen verantwortlich», sagt er und lacht laut. Die Maske wurde später für einen guten Zweck versteigert und brachte satte 17 000 Dollar ein. «Wäre es eine Sieger-Maske gewesen, hätte sie wohl mehr eingebracht.»

Verwandlung unter der Maske

Voggel ist aber überzeugt, dass ein Eishockey-Goalie grundsätzlich besser spielt, wenn er eine Maske trägt, in der er sich richtig wohlfühlt. In seinem Laden erlebe er oft junge Goalies, die kaum ein Wort über die Lippen brächten und etwas verloren herumstünden. «Kaum tragen sie die Maske, sind sie in ihrem Element.» Sie seien viel kommunikativer, bewegten sich plötzlich schneller und dynamischer. Für ihn sei es jeweils unglaublich schön, solche Momente erleben zu dürfen. Obwohl ihn der Sport sehr interessiere, spiele er nur selten Eishockey. «Mit meinen beiden Buben zieht es mich manchmal aufs Eis», sagt der dreifache Vater.

Für mehr reicht die Zeit sowieso nicht, verbringt er doch bis zu 13 Stunden pro Tag im Laden. Es komme oft vor, dass er von 9 bis 18 Uhr arbeite, um dann ab 22 Uhr erneut mit der Arbeit zu beginnen. «Die Zeit dazwischen gehört meiner Familie, die ist mir heilig.» Schlafen ist für ihn hingegen ein Fremdwort, pro Nacht seien es zwischen zwei bis vier Stunden. Ihm werde immer wieder gesagt, er sei ein Workaholic. Er sehe es selber nicht so. Ihm mache seine Arbeit halt grosse Freude. Und: «Der Ehrgeiz, das letzte Werk zu übertreffen, treibt mich immer weiter an.» (Der Bund)

Erstellt: 07.01.2013, 14:21 Uhr

Eine von Voggels Masken. (Bild: Valérie Chételat)

Airxess

Die Firma Airxess hat in diesem Jahr ein Jubiläum zu feiern: Airxess wurde 1993 von Alec Voggel in Sissach gegründet. 2004 verlegte er Geschäft und Firmensitz nach Bern. In den ersten Jahren bemalte Voggel unter anderem Rennhelme, Snowboards, ganze Einrichtungen für Diskotheken und Autos. Zudem gestaltete er Flyer und Poster.

Vor sechs Jahren hat die mittlerweile vierköpfige Firma Airxess begonnen, sich ganz auf die Herstellung und das Bemalen von Eishockey-Goaliemasken zu konzentrieren. Gut 50 Prozent der Schweizer Goalies der Topligen lassen ihre Masken bei Airxess anfertigen und bemalen. Weitere 20 Prozent wünschen nur das Design allein. Seit kurzem bietet die Firma auch massgeschneiderte Masken für Kinder ab 7 Jahren an. Diese werden vom EHC-Biel-Spieler Marco Streit, welcher seit einem Jahr bei Airxess als Freelancer arbeitet, angefertigt. Die massgeschneiderten Masken kosten zwischen 800 und 1700 Franken, eine Bemalung nochmals 200 bis 1700 Franken dazu. Wer eine Maske bestellt, muss sich rund drei bis vier Monate gedulden.

Weitere Infos: www.airxess.ch

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