Kaffee und Reparaturen

Elektronik, Bücher, Kleider – reparieren lässt sich fast alles. Hilfe erhält man am «Repair Café». Ein Besuch in der Turnhalle im Progr.

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Vorsichtig zieht Marc Dick das Klebeband am Buchrücken ab. Das rote Kinderbüchlein sieht zerfleddert aus. Zu Teilen hat es Dick wohl selbst so zugerichtet, es ist eines aus seiner eigenen Kindheit. Für sein eigenes Baby will er es wieder auffrischen. Saskia Müller hat einen alten Bamix-Stabmixer mitgebracht, er dreht nicht mehr richtig. «Wir haben den schon so lange, ich wollte ihn nicht wegwerfen», sagt sie. Reparieren statt wegwerfen – darum sind die beiden am Samstagnachmittag in die Turnhalle im Progr gekommen wo die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) hat zum ersten Berner «Repair Café» geladen hat.

Auf der Bühne legt ein DJ Musik aus den 80ern auf, ansonsten gibt sich der Konzertsaal der Turnhalle mit den Tischen entlang den Wänden eher wie ein Markt, ein Reparatur-Bazar. Zwischen Nähmaschine und Lötkolben steht Sara Stalder. Oft seien es nur kleine Defekte, die ein Produkt unbrauchbar machten, sagt die SKS-Geschäftsleiterin. «Wir wollen den Leuten zeigen, dass man sie meistens leicht reparieren könnte, auch wenn die Anbieter oft sagen, das sei nicht möglich.» Man wolle, statt immer nur anzuprangern, Gegensteuer geben zur Wegwerfgesellschaft.

Eine holländische Idee

Die Idee kommt aus Holland. In Amsterdam hat auch Roger Flury die Repair Cafés entdeckt, ganz zufällig sei er in eine solche Veranstaltung geraten, erzählt er – und sich darauf gleich hinter einen Tisch gesetzt und begonnen, beim Reparieren zu helfen. Das Konzept brachte der pensionierte Elektromonteur und -techniker nach Hause nach Thun. Er richtete eine Webseite ein, fand Gleichgesinnte und versuchte, mit der Stadt in Kontakt zu kommen, was aber nicht sofort klappte.

Dann kontaktierte ihn die SKS, die bei den Recherchen für ihr eigenes Projekt auf den Pionier stiess. Freiwillige wie Flury sind das Fundament der Idee der Repair Cafés. Wer etwas flicken will, bekommt Unterstützung von den ehrenamtlichen Experten. Möglichst viel sollen dabei die Besucher selber machen können. Das Repair Café kostet nichts – nur allfällig nötige Ersatzteile werden verrechnet.

Es ist viel Idealismus zu spüren hinter den Reparaturtischen. Auch Beat Müller ist einer der Helfer. Er arbeitet im Tonstudio der Hochschule der Künste und ist dort auch für den Unterhalt des Equipments verantwortlich. «Es ist verrückt, wie billig elektronische Geräte heute verkauft werden», sagt er. Mit seinem Engagement versucht er, die Leute zu sensibilisieren. «Die Produktion all dieser Elektronik braucht sehr viele Ressourcen.» Darum will er die Leute dazu anhalten, ihr Konsumverhalten anzupassen, etwas reparieren lassen, statt einfach etwas Neues zu kaufen. «Das ist das Einzige, was wir als Konsumenten tun können gegen den Ressourcen-Verschleiss», sagt er.

Vom Anstoss zum Selbstläufer

Die ersten zwei Veranstaltungen werden als Anstoss vom der SKS organisiert, später sollen sie zum Selbstläufer werden. Dazu setzt die SKS auf die freiwilligen Helfer. Sie sollen einen Verein gründen und das Repair Café künftig in Eigenregie durchführen. Die Räumlichkeiten in der Turnhalle stehen zur Verfügung. Spricht man mit Flury und Müller ist klar: Sie wollen sich Bern auch weiterhin engagieren. Und wenn sich weitere Freiwillige finden, soll es Repair Cafés bald in der ganzen Schweiz geben – in Basel und Zürich haben sie sich schon etabliert. (DerBund.ch/Newsnet)

(Erstellt: 26.04.2014, 15:04 Uhr)

Infobox

Nächstes Repair Café: Samstag, 24. Mai, Turnhalle im Progr.
Weitere Informatoinen: www.repair-cafe.ch

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