Bern
Junger Hauptstädter tritt gegen ergraute Oberländer an
Von Reto Wissmann. Aktualisiert am 11.05.2011
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«Wenn ich mich entschieden habe, dann ziehe ich es auch durch.» An Selbstvertrauen fehlt es Christian Wasserfallen bestimmt nicht. Bereits Anfang März hatte der 29-jährige Nationalrat sein Interesse an einer Ständeratskandidatur kundgetan. Gestern wurde er nun von der Geschäftsleitung der FDP Kanton Bern offiziell ins Rennen geschickt. Dazwischen fanden heftige interne Diskussionen über seine Kandidatur statt. Eigentlich hätte die Parteileitung gerne eine junge, urbane Frau nominiert, wie FDP-Präsident Peter Flück bestätigt. Wasserfallen hat seinen Anspruch aber offenbar so vehement durchgesetzt, dass sich Wunschkandidatin Corinne Schmidhauser schliesslich zurückzog.
Dass sie Wasserfallen den Vorzug lässt, begründet die Grossrätin, FDP-Vizepräsidentin und ehemalige Skirennfahrerin so: «Wir sollten unsere Kräfte auf den Wahlkampf im Oktober konzentrieren und nicht auf eine parteiinterne Ausmarchung an der Delegiertenversammlung.» Die ganze Partei müsse geschlossen hinter der Ständeratskandidatur stehen. Schmidhauser war bereits im November, als die FDP für die Sommaruga-Ersatzwahl in den Ständerat nominierte, von einem Teil der Partei als Alternative zu Nationalrätin Christa Markwalder aufgebaut worden. Auch damals zog sie den Kürzeren. Markwalder wurde nominiert, blieb jedoch im Februar weit hinter SVP-Kandidat Adrian Amstutz zurück und nahm sich beim zweiten Wahlgang aus dem Rennen.
Vertreter des «Wirtschaftsmotors»
Eine solche Niederlage soll sich im Oktober nicht wiederholen. «Wir erheben ganz klar Anspruch auf einen Ständeratssitz», sagt Wasserfallen kämpferisch. Er wolle den Sitz, den die FDP 2003 an die SP verloren habe, zurückerobern. Bei den Gesamterneuerungswahlen würden die Karten neu gemischt, da habe auch er als Vertreter einer 10-Prozent-Partei reale Chancen – sogar wenn mit Adrian Amstutz (SVP) und Werner Luginbühl (BDP) bereits zwei bisherige Bürgerliche antreten. Die FDP wolle bewusst einen Gegenpol zu den beiden älteren Herren aus dem Oberland setzen. «Für den Kanton ist es wichtig, dass auch die Stadt Bern als Wirtschaftsmotor im Ständerat vertreten ist», sagt Wasserfallen.
Joder fürchtet Zersplitterung
Die anderen bürgerlichen Parteien nehmen Wasserfallens Kandidatur verhalten zur Kenntnis. Die Ständeratsersatzwahl im Februar habe klar gezeigt, wie die Kräfte im bürgerlichen Lager verteilt seien, sagt SVP-Präsident Rudolf Joder. «Mit der FDP-Kandidatur werden die bürgerlichen Kräfte nun wieder zersplittert.» Und BDP-Interimspräsident Samuel Leuenberger sagt: «Mit Wasserfallens Nomination ist die Konkurrenz für unseren Kandidaten grösser geworden.» Man müsse nun alles daran setzen, den Sitz von Werner Luginbühl zu verteidigen. Ob sich die drei bürgerlichen Parteien in einem zweiten Wahlgang auf einen oder allenfalls zwei Kandidaten werden einigen können, ist noch unklar. Wasserfallen jedenfalls zeigte bei der Ständeratsersatzwahl keine Berührungsängste. Als die FDP aus dem Rennen war, rief er öffentlich zur Unterstützung des SVP-Kandidaten Adrian Amstutz auf, während die Parteileitung ausdrücklich auf eine Wahlempfehlung verzichtete.
Am 8. Juni wird die ausserordentliche Delegiertenversammlung der FDP über Wasserfallens Kandidatur befinden. Möglich ist, dass einzelne Sektionen bis dahin weitere Namen ins Spiel bringen. Bei der SP fällt der Entscheid, wer in den Ständeratswahlkampf steigt, morgen Donnerstag. Die Grünen haben bereits Nationalrat Alec von Graffenried nominiert. Ausserdem haben CVP, EVP und EDU Kandidaturen angemeldet. (Der Bund)
Erstellt: 11.05.2011, 07:18 Uhr
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