Bern

Ja, hier kann man auch essen

Von Martin Zimmermann. Aktualisiert am 09.09.2012

Ein Augenschein der bisher unbekannten kulinarischen Seite der Café-Bar Diagonal, sonst eher für ihr Getränkesortiment und als Parlamentarier-Treffpunkt bekannt.

Im Diagonal kehren Parlamentarier und sogar Bundesräte ein.

Im Diagonal kehren Parlamentarier und sogar Bundesräte ein.
Bild: GoogleEarth

Die Rechnung, bitte

Karte: Kleine, von Salaten, Sandwiches und Burgern dominierte Speisekarte sowie ein Tagesmenü.
Preise: Moderat. Tagesmenü für Fr. 18.50; Teller Pasta für Fr. 19.50. Diagonalburger für Fr. 18.50.
Kundschaft: Innenstadt-Flaneure, Politiker und Bundeshauskorrespondenten, Touristen.
Öffnungszeiten: Montags und samstags 7 bis 20 Uhr; dienstags bis freitags bis 23.30 Uhr, sonntags 10 Uhr bis 18 Uhr.
Adresse: Café-Bar Diagonal, Amthausgasse 18, 3011 Bern, Telefon: 031 311'06'16.

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«Was? Im Diagonal kann man essen?» Diese Frage hörte der Autor im Vorfeld seines Besuchs in der Café-Bar oft. Tatsächlich ist das Etablissement in Bundeshaus-Nähe eher für sein grosses Getränkesortiment, insbesondere Alkoholika, bekannt als für kulinarische Höhenflüge. Höchste Zeit also, die für viele bislang unbekannte Seite des Diagonal auszuleuchten.

Treffpunkt der Bundesparlamentarier

Beim Personal des politischen Zentrums der Eidgenossenschaft hat sich das Diagonal übrigens längst zum Geheimtipp gemausert: Beamte und Parlamentarier kehren hier oft ein; gelegentlich sogar Bundesräte. Insbesondere für die sozialdemokratischen Bundesparlamentarier hat sich die Café-Bar zum Treffpunkt für informelle Gespräche entwickelt, wie Fraktionspräsidentin Ursula Wyss vor einigen Monaten auf dem Onlineportal des Schweizer Fernsehens sagte. An diesem Donnerstagmittag sucht man die Polit-Prominenz freilich vergebens. Ein bekanntes Gesicht sticht aus der Menge heraus, ein Bundeshauskorrespondent der Fernseh-«Tagesschau» sucht einen freien Platz im vollen Lokal, letztlich mit Erfolg – der Ansturm auf das Diagonal zwang Besitzerin Caroline Jacobi schon vor Jahren dazu, die Beiz umzubauen.

Die ungebrochene Popularität der mit dem «Atu Prix», dem bernischen Kulturpreis für Architektur, Technik und Umwelt, prämierten Café-Bar wirkt sich diesen Mittag leider negativ auf den Service aus: Obwohl der Blickkontakt mit dem Personal zeitig hergestellt wird, dauert es beinahe zehn Minuten, bis die Kellnerin endlich den Weg an den Tisch der Testesser findet. Dafür geht es nun besonders zackig vorwärts: Innert weniger Augenblicke werden die Getränke (hausgemachter Eistee mit Minzenblättern, Fr. 4.50) und die kleine Speisekarte des Cafés gebracht. Die Begleitung schwelgt angesichts des kräuterhaltigen Tees in wohligen Erinnerungen an längst vergangene Schullager.

Rindsgeschnetzeltes und Ravioli

Gross ist die Auswahl des diagonalen Menus nicht. Der Fokus liegt auf schneller Küche wie Salate, Sandwiches oder Burger (Diagonalburger mit Cole-Slaw-Salat für Fr. 18.50). «Gluschtig» macht das Dargebotene aber allemal. Die Wahl fällt schliesslich auf das Tagesmenü, Rindsgeschnetzeltes Stroganoff mit Nudeln und Zucchetti, ein grüner Salat inklusive (Fr. 18.50), und auf die runden Ravioli mit einer Zitronen-Minze-Ricotta-Füllung an Salbeibutter (Fr. 19.50). Die Wartezeit wird durch eine breite Palette von nationalen und internationalen Printtiteln im Zeitungsständer verkürzt – angesichts der weltläufigen Stammgäste des Diagonal reichen ein paar Illustrierte und die Gratispresse eben nicht mehr aus.

Zurück zum Essen: Das Rindsgeschnetzelte ist so zart und die Sauce so «chüschtig», wie man es von einem Stroganoff erwarten darf. Die Ravioli überzeugen derweil durch die exotische Kombination Salbei/Minze/Zitrone. Dem Ganzen fehlt zur Krönung nur noch das sprichwörtliche Sahnehäubchen respektive das Salzkörnchen: Beide Speisen dürften noch eine Messerspitze mehr von der kristallinen Würze vertragen. Auf dem Nachbartisch ist aber lediglich ein Zuckerstreuer zu finden. Keine Wünsche offen lassen hingegen der Salat an einem rassigen süsssauren Dressing und das Dessert: ein leckeres Pistazien-Muffin. (Der Bund)

Erstellt: 09.09.2012, 10:10 Uhr

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