Bern
Im Westen viel Gutes
Von Marc Schiess. Aktualisiert am 28.04.2012
Die Preisträger
Der Schweizer Medienpreis der Fondation Reinhardt von Graffenried, dotiert mit jeweils 20'000 Franken, geht dieses Jahr an folgende Lokaljournalisten:
Print: Claude Ansermoz («24 Heures», «La Tribune de Genève»)
Online: Nina Fargahi (NZZ-Online-Blog Migration)
Radio: Sabine Lüthy (DRS 3)
TV: Joel Boissard (Couleurs Locales, TSR 1)
Der mit 20'000 Franken dotierte Hauptpreis Swiss Press Photo 2011 geht an:
Mark Henley (Swiss Info, «L’Hebdo»)
Die Gewinner der fünf Swiss-Press-Photo-Unterkategorien (2000 Franken):
Alltag/Umwelt: Oliver Vogelsang («La Tribune de Genève»)
Porträt: Adrian Moser («Der Bund»)
Sport: Georges Cabrera («La Tribune de Genève»)
Kunst/Kultur: Simon Tanner («Tages-Anzeiger»)
Ausland: Olivier Vogelsang («La Tribune de Genève»)
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Doch, die Organisatoren haben nicht zu viel versprochen: Derart viel «Persönlichkeiten aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien» drängen sich an der zweiten Verleihung des Schweizer Medienpreises ins Stadttheater Bern, dass es für einen schweizweit bekannten Berner SVP-Nationalrat nur noch auf dem spärlich besetzten dritten Rang, dem «Flohboden», Platz hat.
Umrahmt von einer musikalisch und choreografisch bis ins Detail durchgeplanten Show stehen dann aber jene im Mittelpunkt, die für «engagierten, ehrlichen und exzellenten Journalismus» ausgezeichnet werden. Dies die Worte von Guido Albisetti, Stiftungsratspräsident der Fondation Reinhardt von Graffenried. Deren Zweck besteht darin, «das lokale schweizerische Medienschaffen und dessen Pressefotografie zu fördern und wertzuschätzen». Zu diesem Zweck sichtete und bewertete die Jury insgesamt 394 Arbeiten – eine davon die «Giacometti-Affäre» von Claude Ansermoz. Der Genfer Journalist deckte einen speziellen Fall von Kunstbetrug auf. Ausgestellt war im renommierten Musée Rath in Genf eine gefälschte Skulptur von Alberto Giacometti. Ansermoz beliess es nicht bei der Enthüllung, sondern zeigte gemäss der Jury auch auf, was danach passierte: «Denn was mit so einer Fälschung geschehen soll und wie man auf diese Enthüllung richtig reagiert, da waren sich Besitzer, Museum und Justizbehörden alles andere als einig.» Ansermoz erhält für sein Werk den Preis in der Kategorie «Print».
DRS 3 deckt den Röstigraben ab
«C’est quoi, les Welsch?», fragte Radiojournalistin Sabine Lüthy auf DRS 3 und setzte sich intensiv mit der französischsprachigen Schweiz auseinander. Ihr Clichées hinterfragender Beitrag wird ebenso ausgezeichnet wie der NZZ-Blog zum Thema Migration von Nina Fargahi. In Text, Bild, Ton und Video ermöglicht sie einen respektvollen Einblick in das Leben von Menschen im Wyde-Quartier in der aargauischen Gemeinde Birr, fernab der Medienlogik von Sensation und Skandal, wie das Berner Jury-Mitglied Nick Lüthi festhält.
Ebenso zurückhaltend porträtierte Joel Boissard für Télé Suisse Romande den Protokollchef der Stadt und des Kantons Genf. Der stets diskret im Hintergrund wirkende Dominique Louis wurde vom Preisträger Boissard «überdurchschnittlich oft mit der Kamera zur richtigen Zeit am richtigen Ort» gefilmt, wie es in der Laudatio charmant hiess.
Frank für Lebenswerk gewürdigt
Ebenfalls überdurchschnittlich oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort war der Fotograf Robert Frank, dessen «ausserordentliches Werk die Fotografie des 20. Jahrhunderts massgeblich beeinflusst hat», wie die Jury des Swiss Press Photo Award befand. Der in New York lebende 88-Jährige ist nach René Burri der zweite Fotograf, der den Swiss Press Photo Lifetime Achievement Award erhält.
Den Swiss Press Photo Award 2011 gewinnt mit Mark Henley ein Fotograf, der für die «als schlecht fotografierbar geltenden Sujets Wirtschaft und Banken eine adäquate Optik gefunden hat». Seine Bildserie hat er gemäss Juryverdikt mit «emotionaler und dramatischer Ästhetik» versehen. In der Kategorie Porträt wird mit Adrian Moser ein «Bund»-Fotograf prämiert.
www.swisspressphoto.ch, www.dermedienpreis.ch (Der Bund)
Erstellt: 28.04.2012, 08:33 Uhr
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