Bern

«Ich war nie ein Diplomat und habe nicht vor, einer zu werden»

Von Dölf Barben. Aktualisiert am 07.03.2011 8 Kommentare

Adrian Amstutz zeigt sich erleichtert und befriedigt über seinen Sieg. Für ihn ist es aber bloss ein wichtiger Zwischenschritt. Korrigieren möchte er das Bild, das von ihm vermittelt wird – vor allem in den Städten.

Der frisch gewählte Ständerat Adrian Amstutz. (Adrian Moser)

Der frisch gewählte Ständerat Adrian Amstutz. (Adrian Moser)

SVP-Kandidat Adrian Amstutz betrat das Rathaus gestern eine Viertelstunde vor seiner Kontrahentin Ursula Wyss (SP) – zu einem Zeitpunkt, als das Schlussresultat noch nicht bekannt war. Wahrscheinlich waren die beiden über den Ausgang bereits informiert; Amstutz’ Gesichtsausdruck jedenfalls sagte alles, und als das Ergebnis bekannt gegeben wurde, war der 57-Jährige im Nu umringt von Journalisten, die ihm Mikrofone und Aufnahmegeräte entgegenstreckten:

Herr Amstutz, es war eine sehr knappe Wahl. In einem Kanton, der als bürgerlich gilt, kann man aber nicht von einem Glanzresultat sprechen.

Die SVP hat allein gegen alle anderen gekämpft. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache würde ich das Resultat als hervorragend bezeichnen, auch wenn es knapp ist. Mit dem Sieg habe ich nicht gerechnet. Schliesslich hatten sowohl FDP wie auch BDP mit ihrer Stimmfreigabe in Kauf genommen, dass eine linke Politikerin gewinnt. Die Wählerschaft hat das aber offenbar nicht goutiert – und das tut gut. Ich werte das als positives Zeichen, auch für den Herbst.

Was war an diesem Wochenende entscheidend?

Mir war klar, dass die Stimmen in der Agglomeration Bern entscheidend sein können. Das Glück hat nun auf meine Seite ausgeschlagen. Dafür bin ich dankbar.

Sie haben kein Fest organisiert?

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Heute handelt es sich um ein relativ kurzes Vergnügen, denn es geht gleich weiter. Aber natürlich bin ich zufrieden. Es ist ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zur Gesamterneuerungswahl. Darauf müssen wir uns nun vorbereiten, denn es wird kein Spaziergang sein. Die Karten werden neu verteilt. Dabei hoffe ich, dass mich all jene, die mich jetzt unterstützt haben, auch im Herbst wieder unterstützen werden. Und wenn es schliesslich gelingen sollte, haben wir immer noch Zeit genug zu feiern.

Der Stadt-Land-Graben ist bei diesem Resultat unübersehbar. Wie wollen Sie die Interessen der städtischen Bevölkerung wahrnehmen?

Ich muss wahrscheinlich häufiger in den Städten auftreten, sodass man den Amstutz auch dort kennen lernt. Bisher kennen die Leute in den Städten vor allem das Bild von mir, das die Medienschaffenden seit zwanzig Jahren immer wieder unverändert aus ihren Schubladen ziehen. Und im Übrigen haben nicht zuletzt die Medienschaffenden ein regelrechtes Kesseltreiben gegen mich veranstaltet. Auch von daher bin ich positiv überrascht, dass die Bürgerinnen und Bürger sich selber ein Bild von mir machen konnten. Bei den letzten Abstimmungen war die Situation ja immer ähnlich: Bei der Minarett-, aber auch bei der Ausschaffungs- und der Entwaffnungsinitiative stand die SVP ebenfalls alleine da. Dass wir jeweils trotzdem gewonnen haben, könnte ein Zeichen dafür sein, dass wir auch im Herbst auf gute Unterstützung zählen dürfen.

Wie wollen Sie im Ständerat den ganzen Kanton vertreten?

Als Ständerat habe ich den Kanton zu vertreten, aber auch unser Land. Das sollte man nicht vergessen. Und da habe ich ein Oberziel. Ich politisiere mit dem Gedanken «kein EU-Beitritt» im Hinterkopf. Das prägt ganz viele Geschäfte. Nicht nur linke Politiker haben offenbar Gelüste, wieder Anbiederungsversuche zu starten, auch Leute aus der Mitte. Da müssen wir Gegensteuer geben. Ich will zudem die direkte Demokratie und die Neutralität aufrechterhalten. Und ich stehe natürlich zu einer starken Armee. Ich habe im Ständerat einen Auftrag zu erfüllen im Interesse dieses Kantons und dieses Landes. Meines Erachtens ist dieser Auftrag deckungsgleich mit unserer Parteipolitik.

Simonetta Sommaruga galt als Brückenbauerin, was ist von Ihnen zu erwarten?

Im Ständerat wird Politik gemacht wie im Nationalrat. Ich halte nichts vom Klischee, dass die Parteipolitik im Ständerat keine Rolle spiele. Sie muss eine Rolle spielen, weil die Wählerschaft ein Anrecht darauf hat zu wissen, dass dort, wo SVP drauf steht, auch SVP drin ist. Das Gleiche gilt für die linken Parteien. Wischiwaschipolitik im Ständerat würde nicht goutiert. Es braucht eine klare Linie – und die Kompromisse kommen am Schluss und nicht am Anfang.

Werner Luginbühl ist für Sie so etwas wie ein Intimfeind. Können Sie mit ihm zusammenarbeiten?

Das ist nicht eine Frage, ob ich das will oder nicht. Es ist der Auftrag der Wählerschaft, dass ich mit dem anderen Ständerat zusammenarbeite. Da ist die Partei sekundär.

Treten Sie nun als Vizepräsident der SVP Schweiz zurück?

Dies wird erst nach den Wahlen ein Thema. Bei den Vorbereitungsarbeiten habe ich eine wichtige Funktion. Diese werde ich noch wahrnehmen im Interesse der SVP Schweiz.

Werden Sie auf der Nationalratsliste bleiben?

Das hat die Delegiertenversammlung der SVP Kanton Bern zu entscheiden.

Ihnen wurde im Wahlkampf immer wieder vorgeworfen, ab und zu grob einzufahren. Man hat fast den Eindruck, Sie hätten sich das zu Herzen genommen?

Es kommt einfach auf die Übungsanlage an. Man müsste einmal analysieren, in welchen Situation ich grob eingefahren bin – immer dann, wenn es nötig war. In solchen Augenblick ist es für mich nicht wichtig, ob das meiner Karriere schadet oder nicht.

Es waren ja weniger die Interventionen an und für sich, die aufhorchen liessen, sondern die Wortwahl.

Amstutz ist Amstutz. Ich war nie ein Diplomat und habe auch nicht im Sinn, einer zu werden. (Der Bund)

Erstellt: 07.03.2011, 07:09 Uhr

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8 Kommentare

Manuel C.

07.03.2011, 11:09 Uhr
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Und wieder beweist er es: Amstutz wird nicht den Kanton Bern im Stöckli vertreten - sondern die SVP. Und das Interview zeigt weiter: Obschon ein EU-Beitritt nirgends auf der Traktandeliste steht ist das der einzige Gedanke des Neo-Ständerates. Abschliessend gilt folgende Bemerkung: Wer kein Diplomat wird, wird nie ein guter Ständerat - denn diese Kammer stand immer für eine gesunde Reflektion. Antworten


Andreas Stucki

07.03.2011, 09:47 Uhr
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Er antwortet zwar und doch bleiben die Fragen unbeantwortet... Antworten



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