Bern

«Ich befürchte, dass die Reitschule das politische Klima falsch einschätzt»

Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 01.11.2011 11 Kommentare

Die Reitschule muss sich von Gewalt eindeutig distanzieren, sagt Sicherheitsdirektor Reto Nause nach den erneuten Angriffen auf die Polizei.

«Gewundene Erklärungen reichen nicht aus»: Reto Nause.

«Gewundene Erklärungen reichen nicht aus»: Reto Nause.
Bild: Valérie Chételat

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Herr Nause, gibt die Polizei vor der Reitschule eigentlich Forfait?
Überhaupt nicht, aber die Polizeiarbeit ist dort sehr schwierig. Es ist undankbar, wenn man Opfern einer Schlägerei helfen will und dabei angegriffen wird.

Es hiess, die Polizei habe Unbeteiligte nicht gefährden wollen. Ist nicht jeder ein Komplize, der nicht von selbst zur Seite tritt?
So einfach ist es nicht. In der Menge haben einzelne nicht mitbekommen, was abgeht. Andere mögen Polizisten nicht besonders. Eine dritte Gruppe macht immer Zoff, wenn die Polizei kommt.

Die Reitschule sagt, sie habe durch eine Intervention an höherer Stelle polizeiliche Gewaltanwendung auf dem Vorplatz verhindert.
Diese Behauptung betrifft operative Vorgänge, die ich nicht beurteile. Von der Reitschule wünsche ich mir eine klare Distanzierung von Gewalt, sonst gefährdet sie die guten Teile der Einrichtung. Gewundene Erklärungen reichen nicht aus, sie haben den schalen Geschmack von Ausreden. Wieso kann die Reitschule nicht handeln wie die Fussballfans in Thun, die einen Pyro-Werfer der Polizei zugeführt haben? Das wäre ein Zeichen der konstruktiven Kräfte.

Wie gut spielt der Draht zwischen Reitschule und Polizei und politischer Behörde wirklich?
Die Gespräche finden statt, doch messbare Ergebnisse sind rar. Ich vermute, dass die Reitschule das politische Klima falsch einschätzt. Es ist schon ungewöhnlich, dass der Stadtrat eine Leistungsvereinbarung zuerst zurückweist und in der aktuellen Fassung, die bald in den Rat kommt, weniger Geld sprechen will. Zudem soll der Vertrag nicht mehr vier Jahre gelten, sondern ein Jahr. Diese Signale sollte die Reitschule ernst nehmen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Offenbar tut sie das zu wenig.

Kürzlich gab es den unbewilligten Anti-Kapitalismus-Marsch von Vermummten. Gewalttätige glauben, in Bern lasse man sie gewähren.
Das ist falsch. In diesem Jahr wurden zwei unbewilligte Kundgebungen durch die Polizei aufgelöst. Das Problem ist die Gewaltbereitschaft einzelner Kreise, sei es bei Demonstrationen, Fussballspielen oder sonst wo. Und es sind einige Bereiche der Reitschule, die Schwierigkeiten machen. Die Betreibergruppe Ikur muss Verantwortung übernehmen für Betrieb und Gäste. Sie sollte begreifen, dass sie im Sicherheitsbereich gefordert ist. Die Kooperation klappt nicht so, wie ich mir das wünsche. Es kann sein, dass die Ikur nicht federführend ist bei allen Veranstaltungen. Womöglich wachsen ihr gewisse Dinge über den Kopf. Das ist aber keine Begründung für Nichtstun.

Oft deutet die Reitschule an, die Polizei habe provoziert.
Ich habe die Polizei noch nie als Provokateure erlebt. Wenn die Polizei Gewalt anwenden muss, ist sie dazu durch das Gewaltmonopol des Staates legitimiert. Die Ikur soll die Leute, die sie als Hitzköpfe bezeichnet, dazu bringen, dass sie sich selbst anzeigen. Das wäre ein klarer Kulturwandel. (Der Bund)

Erstellt: 01.11.2011, 08:50 Uhr

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11 Kommentare

Manu Jucki

01.11.2011, 12:09 Uhr
Melden 37 Empfehlung

Die Reitschule ist absolut cool. Sehr gute Konzerte, internationale Top-Acts, schöne Räume.Ich nicht-Berner gehe wöchentlich dahin (Essen,Theater,Bar,Kino o.Konzert) und geniesse Abende ohne horrende Eintritte, wenigen besoffenen Teenis (im Gegensatz zum Propeller), ohne langweilige Beamte (Turnhalle).
Ihr solltet stolz sein auf EURE Reitschule!!! und wieder mal einen Abend dort verbringen!
Antworten


Hans Huber

01.11.2011, 10:40 Uhr
Melden 29 Empfehlung

Herr Nause, das Volk hat abgestimmt. Mehrmals, FÜR die Reitschule... mit "politischem Klima das verkannt wird" meinen Sie wohl IHRE Meinung und nicht die Meinung IHRER Wähler? Antworten



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