Bern

Hohe Schadstoffwerte am 1. August

Von Marc Lettau. Aktualisiert am 03.08.2011 2 Kommentare

Der toxische Staub, der übers Wochenende als Folge der pyromanischen Freuden auf Bern rieselte, liess die Feinstaubbelastung bis an den Grenzwert hochschnellen, der nur einmal pro Jahr überschritten werden dürfte.

Die zwei Seiten der Feuerwerkskunst: Der Lichterglanz reizt Auge und Gemüt, das zurückbleibende Räuchlein reizt die Lunge

Die zwei Seiten der Feuerwerkskunst: Der Lichterglanz reizt Auge und Gemüt, das zurückbleibende Räuchlein reizt die Lunge
Bild: Manu Friederich (Archiv)

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Feuerwerk auf dem Gurten

Feuerwerk auf dem Gurten
Die 1. August-Feierlichkeiten in Bern wurden mit einem grossen Feuerwerk gekrönt.

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Zunächst das Korrigendum: So falsch wie Ende letzter Woche war die im «Bund» publizierte Schadstoffprognose schon lange nicht mehr. Fürs Wochenende und den Nationalfeiertag wurde eine «dank dem veränderlichen Wetter recht geringe Schadstoffbelastung» vorausgesagt. Ganz im Gegenteil dazu war sie äusserst hoch. An der Messstelle Bern-Bollwerk des Nationalen Beobachtungsnetzes für Luftfremdstoffe kletterte der Stundenmittelwert der Feinstaubbelastung (PM10) am Samstagabend ein erstes Mal stark an.

Am Montagabend schliesslich schnellte die Belastung durch die lungengängigen Kleinstpartikeln innert zweier Stunden von einem Stundenmittel von – bereits beträchtlichen – 50 Mikrogramm auf 122 Mikrogramm pro Kubikmeter hoch, den höchsten dieses Jahr gemessenen Stundenwert. Kurz: Auf die laute, festliche Knallerei rieselte auch heuer leise der feine, toxische oder kanzerogene Staub auf Bern nieder. Und was optisch beispielsweise das Prädikat «Goldblütenzauber» trägt, ist unter Umständen ein Cocktail aus Barium, Strontium, Kadmium und anderem mehr (vor einigen Jahren gehörten auch noch Arsen und Blei ins Zutatenverzeichnis).

Schlechtes Wetter = gute Voraussetzung

Windstille liess die Rauchschwaden am Bundesfeiertag nur langsam abziehen. Gleichwohl spricht Peter Strähl, wissenschaftlicher Adjunkt in der Abteilung Luftreinhaltung des Bundesamtes für Umwelt (Bafu), von Wetterglück für die Bernerinnen und Berner: Die gemessenen Spitzenwerte seien zwar hoch. Aber im Tagesmittel – und dieses ist laut Luftreinhalteverordnung massgebend – liegt die Belastung «nur» im Bereich des Grenzwerts, der höchstens einmal pro Jahr überschritten werden dürfte. Entscheidend sei heuer, dass das lange Zeit anhaltende «schlechte Wetter zu einer tiefen Ausgangsbelastung» geführt habe, sagt Strähl. Die lange Reihe regnerischer Tage hat die Luft also so rein gewaschen, dass das 1.-August-Fall-Out zwar zu hohen, aber nicht zu rekordhohen Belastungen führte.

Entscheidend ist laut Strähl, dass – nebst der tiefen Grundbelastung – keine Inversionslage herrschte. Bei Inversionslagen werden die Schadstoffe oft tagelang in Bodennähe gehalten. Liegt keine Inversionslage vor, sorgt hingegen die Thermik selbst bei sehr geringem Wind dafür, dass sich nicht übermässig hohe Konzentrationen bilden. Strähl mahnt aber gleichzeitig, den Blick nicht alleine auf die spektakulären Spitzenwerte zu richten. Aus gesundheitlicher Sicht sei die ganzjährig zu hohe Feinstaubbelastung besonders problematisch: «Rund 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung der Schweiz atmen das ganze Jahr über zu viel Feinstaub ein.» Neue Studien wiesen eindeutig darauf hin, dass das Leben in der Nähe von stark befahrenen Strassen wegen der Schadstoffbelastung ein besonders Risiko für die Gesundheit birgt: «Kinder entwickeln häufiger Asthma und haben schlimmere Symptome. Die Sterblichkeit wegen Herz-Kreislauf-Problemen ist grösser.»

«Sauberere» 1.-August-Feuer

Jedes Jahr werden in der Schweiz rund 1700 Tonnen Feuerwerkskörper abgebrannt, nebst nur schwerlich bezifferbaren Mengen an Holz. In den vergangenen Jahren hatten sich die Bundesbehörden darauf konzentriert, dass zumindest diese 1.-August-Feuer schadstofffreier werden. Werden nämlich behandeltes Holz und Abfälle mitverbrannt, stellen die Freudenfeuer eine beträchtliche Dioxinquelle dar. Es ist daher verboten, behandeltes oder bereits anderweitig verwendetes Holz im 1.-August-Feuer zu verbrennen. Auf Anfrage spricht das Bafu aber von Erziehungserfolgen. Die Situation habe sich dank guter Information und Sensibilisierung der Bevölkerung seitens der kantonalen und kommunalen Behörden verbessert. Zahlen über die Zusammensetzung zeitgenössischer 1.-August-Feuer liegen dem Bafu allerdings nicht vor, denn der Vollzug der Luftreinhalteverordnung obliegt den Kantonen.

Das Littering der Pyromanen

Zur Schadstoff- und Lärmbelastung gesellt sich ein ästhetisches Thema: Häufig bleiben Feuerwerksrückstände liegen. Ist diese Form von Littering auch noch gleich «umweltproblematisch»? Feuerwerksliebhaber dürften ob der Antwort des Bafu aufatmen, denn das Amt ortet hier kein zusätzliches Problem. Feuerwerksbedingte Bodeneinträge lägen weit unter den zulässigen Schadstoffeinträgen. Auch Feuerwerkskörper, die am Boden abgebrannt werden, stellten «kein ökotoxisches Problem» dar. Vielmehr sei die Beseitigung der Abfälle durch die Gemeinden «kostenrelevant».

Niemand mag aber derzeit die Bundesfeierfestgemeinde als Littering-Verursacher brandmarken. Für einmal lautet die Devise: relativieren. So gab der Leiter der Innenstadtreinigung, Strassenmeister Marcel Jungo, gestern gegenüber dem Berner «Regionaljournal» zu Protokoll, die Hinterlassenschaften privater Feuerwerke gingen in den fünf bis sechs Tonnen Kehricht unter, die die Berner Strassenreinigung jedes Wochenende ohnehin zusammenräumen müsse. (Der Bund)

Erstellt: 03.08.2011, 06:39 Uhr

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2 Kommentare

Erich Haas

03.08.2011, 11:23 Uhr
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Feuerwerk auf dem Gurten am 1. August. Nebst dem übermässigen Gejammer über die Schadstoffbelastung durch das Feuerwerk, vermisse ich eine positive Würdigung der Pracht und Vielfalt diese tollen Feuerwerks.
Es ist eine Schande, dass sich die Stadt Bern um die Kosten drückt und die Finanzierung privaten Sponsoren überlässt. Dass diese nicht erwähnt wurden ist für dieses SP Parteiblatt bezeichnend.
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Karlmax Schmid

03.08.2011, 23:19 Uhr
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Erstaunlich, erstaunlich was da die Tropfenzähler alles gefunden haben in dem Goldblütenzauber. Sogar Strontium,ob da auch noch etwas Cäsium und ev. etwas Plutonium dabei war, da war sicher eine kleine Atombombe drin! Oder waren die Tropfenzähler und ihre Abschreiber nur kleine Tröpfe? Antworten



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