Bern

Heimspiel auf der Grossleinwand

Von Sebastian Meier. Aktualisiert am 16.08.2010

Am Donnerstag feierte der YB-Film «Meisterträume – eine Berner Fussballgeschichte» im Orange Cinema in Bern seine Premiere.

1/10 An der «Meisterträume»-Premiere
Vor der Filmvorführung verteilt Henri Bienvenu Autogramme.
Bild: Manuel Zingg

   

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Wenn die Young Boys rufen, kommen die Menschen in Gelb-Schwarz. So auch am vergangenen Donnerstag auf der Grossen Schanze in Bern. Kaum einer der 1300 Besucher kam ohne ein Utensil in den Farben seines Lieblingsklubs an die ausverkaufte Uraufführung des YB-Films im Orange Cinema.

«Meisterträume» nannten die beiden Berner Dokumentarfilmer Norbert Wiedmer und Enrique Ros ihr filmisches Mannschaftsporträt. Fast über die ganze letzte Saison hatten die beiden das Team mit Kamera und Mikrofon begleitet – auf und vor allem neben dem Platz.

Ein Happy End erwartete indes kaum einer der Anwesenden, denn sie alle dürften damals – vor fast genau drei Monaten – selbst mitgelitten haben, als YB im letzten Spiel den Meistertitel dem Erzrivalen aus Basel überlassen musste.

Gästeliste mit Lücken

Unter den Premieregästen befand sich auch die YB-Mannschaft mit Trainer Vladimir Petkovic. Ausser Dudar habe er alle seine Idole getroffen, freute sich der 9-Jährige Mitja, der fast zu jedem Bild auf seinem Mannschaftsposter eine Unterschrift gesammelt hatte. Und doch klafften prominente Lücken in der Gästeliste: Neben dem weitergezogenen Topskorer Seydou Doumbia fehlten auch Verwaltungsratspräsident Benno Oertig, die Mehrheitsaktionäre Andy und Hans-Ueli Rihs, der am Montag entlassene CEO Stefan Niedermaier, Neo-CEO Ilja Kaenzig sowie der aus Protest zurückgetretene YB-Beirat Kuno Lauener. «Personalwechsel sind beim Fussball Teil des Geschäfts», sagte dazu Co-Regisseur Wiedmer. Trotzdem sei es «ein ungewohntes Gefühl», wenn einige der Hauptpersonen eines Dokumentarfilms bei der Premiere nicht erschienen.

Vorwärts Richtung Meistertitel

Es blitzt irgendwo hinter der Silhouette des Bundeshauses, und bereits fallen die ersten Tropfen vom Nachthimmel. Innert weniger Minuten ist nicht mehr das Gelb-Schwarz der Fussballtrikots, sondern das Orange der Pellerinen die dominante Farbe im Publikum.

Während des Vorspanns werden Bilder vom Auslegen des Kunstrasens im Stade de Suisse gezeigt. «Anfangs wollten wir einen Film über das Stadion machen», sagt Wiedmer. Es sei dann aber bald klar gewesen, dass «die Gladiatoren» in den Mittelpunkt gehörten – und damit seien nicht nur die Spieler, sondern alle Rädchen in der Maschine, «vom Materialwart bis zum CEO», gemeint. Und eben dieser CEO, Stefan Niedermaier, ist der Erste, der im Film zu Wort kommt. Applaus im Publikum. Das Ziel des Vereins müsse es sein, der beste Klub der Schweiz zu werden und auch auf der internationalen Bühne mitzuspielen, sagt Niedermaier. «Und dieser Weg kann nur über den Meistertitel führen.»

Vom Höhenflug ins Jammertal

Das Publikum jubelt auch beim ersten gezeigten Tor, applaudiert bei der ersten Parade von Torhüter Wölfli, und vereinzelt ertönen aufreizende Pfiffe bei den Szenen aus dem Massageraum. Der Film schwenkt dann aber rasch weg vom Geschehen auf dem Platz und konzentriert sich auf die Welt hinter den Kulissen: auf die Persönlichkeiten hinter dem Label «Young Boys», die kleinen, alltäglichen Krisen und Erfolge und den grenzenlosen Optimismus zur Saisonmitte.

Das Zitterflatterfieber fängt im Film erst mit der 1:5-Niederlage im vorletzten Spiel gegen Luzern richtig an. Ein Dialog zwischen den beiden Materialverantwortlichen verheisst nichts Gutes: «Jetzt sei doch optimistisch, ‹gottvertami›!», sagt der eine – «ich bin seit 25 Jahren optimistisch», der andere. Und dann kommts, wies kommen muss: Basel gewinnt die Finalissima, ganz Bern versinkt im Jammertal.

«Wir leben in der Realität und müssen täglich darin arbeiten», sagt Stefan Niedermaier am Ende des Films. Der Traum des Meistertitels sei weiterhin ein Traum, den es zu träumen lohne. Die Saison sei eine gute gewesen, auch wenn am Schluss ein «bitterer Nachgeschmack» bleibe.

Zurück in die Zukunft

Zum Schluss applaudiert das Publikum – auch wenn der Film fast verheilte Wunden aufgerissen hat. Manch einer würde sich wohl den Optimismus der letzten Saison zurückwünschen. Der Blick in die Vergangenheit sei interessant gewesen, sagt Torhüter Marco Wölfli nach dem Film. Konzentrieren müsse man sich jetzt aber wieder auf die Zukunft. Ähnlich sieht es Trainer Petkovic: «Der Film war lehrreich für uns alle. Jetzt müssen wir uns aber auf Xamax und Tottenham konzentrieren.» Die Saison sei noch jung, die neuen Meisterträume intakt. «Wir sind ein Sportverein», sagt er, «da ist halt immer alles in Bewegung.»

Der Film «Meisterträume – eine Berner Fussballgeschichte» läuft ab dem 21. Oktober in den Berner Kinos. (Der Bund)

Erstellt: 16.08.2010, 10:37 Uhr

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