Bern

Haslers Ideen mit YB

Von Ruedi Kunz, Alex Trunz. Aktualisiert am 24.12.2010 3 Kommentare

Hansruedi Hasler, ab dem 1. Januar 2011 Technischer Direktor bei YB, will bei den Bernern eine einheitliche Spielphilosophie umsetzen. Ihm schwebt eine Mischung aus technischem und kampfbetontem Fussball vor.

Hansruedi Hasler an seinem zukünftigen Arbeitsort, dem Stade de Suisse Wankdorf in Bern. (Valérie Chételat)

Hansruedi Hasler an seinem zukünftigen Arbeitsort, dem Stade de Suisse Wankdorf in Bern. (Valérie Chételat)

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Zur Person

Hansruedi Hasler ist noch bis Ende Jahr als Teilzeit-Berater beim Grasshopper Club tätig. Zuvor hatte er beim Schweizerischen Fussballverband den Posten des Technischen Direktors inne (1995–2009). Er gilt als der Baumeister des nationalen, professionellen Nachwuchskonzeptes, welches in den WM-Titel der U-17-Auswahl im Spätherbst 2009 mündete. Kürzlich wurde dem 62-Jährigen eine besondere Ehrung zuteil. Die Uni Bern ernannte den promovierten Erziehungswissenschafter wegen seiner Verdienste rund um den Fussball zum Ehrendoktor. Hasler, der früher selber Trainer war (Grenchen, Biel), lebt in Leubringen.

Hansruedi Hasler, haben Sie das Engagement bei YB gesucht?

Nicht unbedingt. Ich habe mir zwar Gedanken gemacht über meine Zukunft, da sich schon eine Weile abzeichnete, dass mein Ende Jahr auslaufendes Beratermandat bei GC aus finanziellen Gründen nicht verlängert wird. Doch mit einem konkreten Angebot von YB habe ich nicht gerechnet.

Was soll ein Technischer Direktor im Fussball?

Er entwickelt in erster Linie die Spielphilosophie für den ganzen Verein, die er mit dem Trainerstab erarbeitet, bespricht und weiterentwickelt. Weiter besetzt er die Nahtstelle zwischen der Nachwuchsabteilung und der ersten Mannschaft und kümmert sich um das Scouting.

Übernehmen Sie auch das Amt des Sportchefs?

Nein. Wir haben eine eigenständige Lösung gefunden, bei der ich die Funktion des Sportchefs nicht tangiere. Ich mache keine Vertragsverhandlungen.

YB hat einen Technischen Direktor, einen Sportchef, einen Nachwuchschef und zwei Scouts. Besteht nicht die Gefahr eines grossen Kompetenzgerangels?

Die Gefahr besteht. Sie besteht immer, wenn Leute zusammenarbeiten müssen. Die vorgenannten Funktionäre sind wohl alle mir unterstellt, doch sie bleiben im ihnen zugewiesenen Bereich die Verantwortlichen. Ich nehme keinem von ihnen Arbeit weg, sondern ich will sie in ihrer Tätigkeit unterstützen. Wenn es uns gelingt, als Team gut zu funktionieren, so ist einiges möglich.

Hat YB heute schon eine eigene Spielphilosophie?

Wenn ich die paar Spiele der Nachwuchsteams als Massstab nehme, die ich bisher gesehen habe, dann würde ich sagen: eher nicht.

Gibt es in der Schweiz andere Klubs, die in dieser Beziehung weiter sind?

Bei GC spielen die erste Mannschaft, die U-21 und mit Abstrichen die U-18-Auswahl das gleiche System.

Welche Fussballphilosophie möchten sie bei YB umsetzen?

Ich bin ein Freund eines schnellen, konstruktiven Aufbaus, wenn man im Ballbesitz ist. Geht es darum, den Ball zu erobern, bevorzuge ich ein aggressives Pressing. Mir schwebt ein technischer, aber gleichwohl kampfbetonter Fussball vor. Ich habe den Eindruck, dass der Berner Zuschauer nicht nur schönen Fussball sehen will, sondern es mag, wenn in den Zweikämpfen hie und da auch die Fetzen fliegen.

Kunstrasen ist aber kaum die richtige Unterlage für einen solchen Fussball.

Nein. Ich habe nichts dagegen, wenn im Stade de Suisse wieder ein Naturrasen verlegt wird.

Was machen Sie mit den Kunstrasenplätzen im Campus Neufeld?

Auf dem Trainingsgelände brauchen wir solche künstlichen Spielfelder, damit wir Gewähr haben, jeden Tag mehrere Stunden trainieren zu können. In Phasen, wo nur auf Kunstrasen geübt werden kann, setzen wir den Schwerpunkt auf die Technik.

Der Campus Neufeld platzt schon jetzt aus allen Nähten.

Ich setze grosse Hoffnungen auf das Neufeld. Es gibt verschiedene Ideen, die Anlage auszubauen. Zur Förderung des YB-Nachwuchses ist kürzlich auch eine Stiftung gegründet worden. Dank dem Stiftungskapital besteht eine gewisse Finanzierungsgarantie.

Wie viel Geld kostet ein Nachwuchsspieler im Jahr?

Beim Verband kamen wir auf jährlich 25 000 Franken. Bei den Klubs beläuft sich der Betrag auf rund 40 000 Franken. Bei YB ergibt das total rund 3 Millionen Franken pro Jahr.

Betrachtet man das Investitionsvolumen, so müsste YB jährlich mindestens einen Spieler für die erste Mannschaft hervorbringen?

Eigentlich schon.

Zurück zu Ihrer Philosophie: Mit welchen Leuten wollen Sie diese umsetzen?

Mit jenen, die bereits bei YB angestellt sind. Sie sind vom Klub geholt worden und verdienen es, dass ich sie anhöre und mir zuerst ein Bild von ihrer Kompetenz mache.

Eine Philosophie umzusetzen, braucht Zeit. Bekommen Sie diese Zeit?

Was die erste Mannschaft angeht, sicher nicht. Dort zählen nur die Resultate. Anders sieht es bei den 13- bis 14-Jährigen aus: Dort müssen wir säen, damit wir in fünf, sechs Jahren ernten können. Bei den 18-Jährigen müssen wir schauen, was zu tun ist, damit sie in zwei bis drei Jahren für den Sprung ins Fanionteam bereit sind. Wichtig ist, dass wir etwas bauen, das einen guten Boden hat und von dem alle überzeugt sind.

Hat Ihnen die Vereinsleitung Ziele vorgegeben?

Nein. Wir sind übereingekommen, bis Ende Februar gemeinsam die Ziele zu definieren. Das macht auch Sinn. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn in einem Unternehmen Ziele gesteckt werden, ohne die Personen einzubeziehen, die die Vorgaben umsetzen müssen.

An welchen Vorgaben orientieren Sie sich?

Für mich stellen sich folgende Fragen: Haben wir gute Spieler? Haben wir die richtigen Trainer, um unsere Spieler weiterzubringen? Haben wir ein gutes Trainingsprogramm? Wie gut ist unser Scouting? Haben wir eine Infrastruktur, die unseren Ansprüchen genügt? Und schliesslich: Haben wir genug Geld, um das alles zu bezahlen?

Haben Sie noch andere Pläne?

Ich strebe eine Zusammenarbeit mit dem Institut für Sportwissenschaften der Universität Bern an. Dort werden pro Jahr rund 100 Masterarbeiten geschrieben. Wenn wir dort jährlich ein halbes Dutzend Arbeiten in Auftrag geben können, bekommen wir jede Menge theoretisches Wissen geliefert, welches von grossem Wert für unsere Entwicklung sein kann.

Was erwarten Sie für Erkenntnisse?

Beispielsweise, welche Auswirkungen bestimmte Trainingsprogramme bei der Entwicklung junger Fussballer haben. Oder die Wirksamkeit von Marketinginstrumenten im Zusammenhang mit YB.

Ist die Rede von YB, taucht früher oder später das Stichwort fehlende Winner-Mentalität auf. Lässt sich eine solche Mentalität heranbilden?

Das ist ein wichtiger Teil der Ausbildungskultur. Wir müssen bei der Selektion von jungen Spielern schauen, dass sie den unbedingten Siegeswillen mitbringen und bereit sind, ständig an ihre Grenzen zu gehen.

YB hat bei der Präsentation von Ilja Kaenzig im August sehr hohe Ziele kommuniziert. Der Verein strebt in der Schweiz eine Dominanz an wie Bayern in Deutschland. Sie solche Zielsetzungen nicht unrealistisch?

Die Geldgeber haben in Bern ein Konstrukt geschaffen, welches zumindest in der Schweiz einzigartig ist. Sie stellen dem Klub ein Stadion zur Verfügung, mit dem sich viel Geld generieren lässt. Dass sie mit ihrer Vorgabe hohe Ziele in Verbindung setzen, ist ihr gutes Recht. Jetzt gilt es zu schauen, ob sich diese Ziele in die Tat umsetzen lassen mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen.

Welches sind die wichtigsten Erkenntnisse, die Sie während Ihrer langjährigen Tätigkeit beim Fussballverband gewonnen haben?

Ein zentraler Punkt ist die intensive Zusammenarbeit mit den Trainern. Auch wenn sie einen Staff um sich haben, sind Trainer doch immer relativ einsame Menschen. Wenn sie sich mit jemandem Aussenstehenden austauschen können, kann ihnen das unter Umständen helfen bei einer schwierigen Entscheidung. Ein anderes, ganz wichtiges Element ist das Scouting. Die Talentsichtung ist heute viel komplexer und anspruchsvoller als vor zehn Jahren.

Inwiefern?

Der Vater eines Spielers ist zum Beispiel ein Talentkriterium. Wenn er zu sehr pusht, ist das nicht unbedingt förderlich für die Karriere seines Sohnes. Das Gleiche gilt, wenn er sich überhaupt nicht für Fussball interessiert. Deshalb ist es wichtig, Informationen über das Elternhaus zu sammeln, bevor ein Talent abschliessend beurteilt wird. Die Persönlichkeitsbeurteilung ist ein anderes, sehr wichtiges Feld. Die entscheidende Frage lautet: Hat ein Talent Willen und Ehrgeiz, an sich zu arbeiten? Das kann ein Scout nur erkennen, wenn er einen Spieler mehrmals beobachtet, mit seinem jetzigen Trainer und Ex-Coaches spricht. Die Arbeit des Scouts ist für mich so etwas wie die Nahrung für einen Klub. Die besten Trainer und die beste Infrastruktur nützen nichts, wenn die Spieler das nötige Talent nicht mitbringen.

Wie bilden Sie sich selber weiter?

Die Diskussionen mit dem Trainerstab sind für mich eine ständige Fortbildung. Aber auch meine Arbeit an der Uni, wo ich an zwei Projekten beteiligt bin. Einerseits untersuchen wir den Karriereverlauf von Nationalspielern. Andererseits verfolgen wir die Entwicklung im Lebensabschnitt von 13 bis 17 Jahren.

Welches sind aus Ihrer Sicht die Trends im internationalen Fussball?

Das schnelle Kurzpassspiel ist im Aufwind. In der Defensive sind die Organisation und die Geschwindigkeit der Spieler beeindruckend. Wenn man die erste Phase, in der beim Gegner noch nicht ganz alles perfekt abgestimmt ist, nicht ausnützen kann, wird es schwierig. Das Umschalten wird immer wichtiger. Ballgewinn heisst, den Ball sofort vorwärts spielen. Erst der zweite Spieler entscheidet, ob es weiter vorwärts geht.

Das Tempo im Spitzenfussball ist zum Teil horrend hoch. Wird es noch weiter zunehmen?

Die Sprintdistanz steigt ständig. Sprint vorwärts bei Ballgewinn, Sprint rückwärts bei Ballverlust: So lässt sich vereinfacht beschreiben, was derzeit abläuft auf höchstem Niveau. Fussball ist unbestritten zu einer Seriensprintsportart geworden. (Der Bund)

Erstellt: 24.12.2010, 09:37 Uhr

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3 Kommentare

ueli troehler

24.12.2010, 09:55 Uhr
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Die Chefetage scheint mir langsam zu stark besetzt. Wo es wirklich fehlt, nämlich an guten Spielern scheint jeder zu übersehen. Wann wird endlich die angekündigte Phase drei gestartet? Antworten


Ernst Gerber

24.12.2010, 13:14 Uhr
Melden

Ich verstehe die neue YB-Filosofie nicht. Vom obersten Boss wird Herr Känzig installiert und mit grossen Worten die Fase 3 angekündigt. Nun lese ich in der BZ, dass Spieler wie der junge Koreaner oder der schwedische Internationale Farnerud für YB zu teuer seien. Langsam wird die ganze Sache immer unglaubwürdiger. Was soll ich als YB-Mitglied von allem halten??? Antworten



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