Bern
Gutscheine? Ja, aber nicht um jeden Preis
Von Hanna Jordi. Aktualisiert am 23.05.2011 5 Kommentare
«Herzlich wenig» habe sie sich bisher für die kantonalen Richtlinien zur familienergänzenden Kinderbetreuung in Bern interessiert, sagt Karin Truttmann, Leiterin des Montessori-Kinderhauses beim Längmuur-Spielplatz. Seit dem Abstimmungs-Ja zu den Betreuungsgutscheinen ist das anders: Ab 2013 sollen Eltern die Betreuungsstätte ihrer Wahl mit Gutscheinen bezahlen können – Voraussetzung ist einzig, dass sich die Kita an der Verordnung über die Angebote zur sozialen Integration (Asiv) orientiert. Klar, dass dadurch Truttmanns Interesse an den kantonalen Vorstellungen zur familienergänzenden Kinderbetreuung langsam erwacht: «Wenn ich gewährleisten will, dass die Eltern der Kinder in meinem Betrieb ab 2013 von Subventionen profitieren können, muss ich mich jetzt damit auseinandersetzen», sagt sie mit dem Schmunzeln derer, die sich einer seitenlangen Abhandlung in Behördensprache widmen müssen.
Das System der Betreuungsgutscheine, bei dem jede Familie einen nach Einkommen abgestuften Zuschuss für einen Betreuungsplatz erhält, gefällt Truttmann. «Einerseits können die Gutscheine helfen, gute pädagogische Projekte aus privater Initiative zu unterstützen», sagt sie. Sie selbst hat ihr Kinderhaus vor 24 Jahren gegründet. «Und zweitens fördert das System die soziale Durchmischung in privaten Kitas, da sich manche Eltern die Angebote bisher schlicht nicht leisten konnten.» Truttmann selbst hat erst dieses Jahr «schweren Herzens» ihren betriebsinternen Sozialtarif abgeschafft, «weil der Verwaltungsaufwand extrem gross war», wie sie sagt. Bis Ende 2011 werden bei ihr alle Eltern gleich viel bezahlen.
Woran es scheitern könnte
Am Preis dürfte die Aufnahme Truttmanns ins Gutscheinsystem nicht scheitern. Mit ihrem Ansatz von 11,37 Franken je Betreuungsstunde für Kinder ab drei Jahren bewegt sie sich innerhalb des kantonalen Normwerts von 11,40 Franken. Schwieriger könnte sich der Betreuungsschlüssel gestalten: Da die Montessori-Pädagogik auf die Förderung der Selbstständigkeit der Kinder setzt, betreuen nur drei Personen die 32 Kinder – knapp zu wenig für den Kanton, der gerade bei den unter Vierjährigen mehr erwachsene Zuwendung verlangt. «Die Anzahl Angestellter in einem Betrieb ist für mich nicht massgebend für die Qualität der Betreuung», sagt Truttmann. «Mehr Personal wäre in unserem Fall sogar kontraproduktiv.»
Auch die Öffnungszeiten des Kinderhauses sind nicht Asiv-konform: Während der Schulferien ist der Betrieb geschlossen – ebenso an drei Nachmittagen die Woche. Inwieweit sie ihre bisherige Gestaltungsfreiheit aufgeben würde, um im Gutscheinsystem berücksichtigt zu werden, kann Truttmann noch nicht genau sagen: «Sobald ich weiss, welche Voraussetzungen ich erfüllen muss, werde ich zu ‹schräubeln› beginnen», sagt sie. «Doch bei meinen pädagogischen Prinzipien werde ich keine Kompromisse machen.»
Die Stadt reicht die Hand
Dass das Gutscheinsystem bei vielen privaten Betreibern Unsicherheit auslöst, ist Jürg Häberli, Leiter des städtischen Jugendamts, bewusst: «Wir werden bald mit allen Kontakt aufnehmen, um sie über das weitere Vorgehen zu informieren.» Da ohnehin nicht alle nötigen Plätze über den Lastenausgleich finanziert werden könnten, seien auch stadteigene Richtlinien für private Kitas denkbar. Diese würden aber eher in «peripheren Punkten» Ausnahmen zulassen, etwa bei den Öffnungszeiten. «Die qualitativ gute Betreuung wird zentral bleiben», so Häberli. (Der Bund)
Erstellt: 23.05.2011, 06:40 Uhr
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5 Kommentare
Gutscheine finde ich echt gut. Leider kommen nun einmal mehr "Nichtfachexperten" die die Richtliniene aufstellen. So wie dieser Unsinn, dass zukünftige Kindergärtner/innen die Matura machen müssen. Einem drei bis fünjähriges Kind ist Chemie und Physik egal. Aber ob die Lehrperson auf ein Kleinkind eingehen kann oder nicht, das spürt es. Antworten
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