Bern

Ein Samstag auf dem Gurten

Essen? Politprominenz? Singen mit Büne Huber? Live-Hip-Hop? Nackte Haut? Alles da, im samstäglichen Gurten-Ticker von DerBund.ch/Newsnet.

1/39 Anti Anti? Bonaparte auf der Zeltbühne.
Bild: Sam Buchli

   

(DerBund.ch/Newsnet)

  • Mittag auf dem Berg  

    Herzlich willkommen zum dritten Tag des diesjährigen Gurtenfestivals. Das Kaffeebecher-Orakel vermeldet Sonne und natürlich auch Wind, was bedeutet, dass es wechselhaft bleiben wird. Doch was sicher ist: der Schlamm ist nicht weiter schlimm – sofern der Regen nicht wieder übers Gelände fällt. Als Optimisten von Beruf blieben die Gummistiefel jedenfalls zu Hause.

    Noch ein Blick zurück auf gestern: Das war schon ein beeindruckendes Bild, als beim Lenny-Kravitz-Schlussbouquet alle Pellerinenmenschen in die Luft sprangen. Mehr brauchts offensichtlich nicht, um Menschen glücklich zu machen. Schön.

    Derweil erreichte uns in der Nacht ein Kommentar von Leser «Max Aalbatros»: «So ein Bassgewummer vom Gurten runter, wie in diesem Jahr, habe ich noch nie gehört. Es ist halb 2 in der Nacht und an Schlaf nicht zu denken. Ich glaub, die werden von Hörgeräteherstellern gesponsert. Oder von der Vereinigung der HNO-Ärzte.»

    Wir gehen dieser Frage nach, blicken aber erst auf den heutigen Tag, der uns neben dem Unterschriftensammler Bastien Girod das Heimspiel von Patent Ochsner, die klassischen The Roots, die Hoffnung Dry the River sowie den Zirkus von Bonaparte beschert. Und, versprochen: Heute decken wir endlich endlich auch die Waldbühne ab. Die Übersicht:

    1/15 Xavier Rudd
    Hauptbühne, 13:00-14:00
    Bild: zvg

       


    Bis später.

  • Xavier Rudd  

    Darauf hat die Menschheit gewartet: Xavier Rudd ist die wahrscheinlich erste Didgeridoo-One-Man-Band der Welt – und eröffnet das Programm auf der Hauptbühne.

    Nicht überall im Publikum stösst das Instrument des Australiers indes auf Gegenliebe: «Wenn mir etwas auf den Sack geht, dann sind dies Didgeridoos», so eine Stimme. Wir bleiben dran, denn hier könnte der neue John Butler heranwachsen – immerhin der virtuose Publikumsliebling schlechthin der letzten Gurtenjahre.

  • Sonne statt Schlamm  

    Die grosse Versumpfung blieb vorerst aus. Ein Rundgang auf dem Festivalgelände zeigt: Bis auf wenige Pfützen und einer leicht feuchten Wiese hinterliess die regnerische Nacht kaum Spuren.

    Auch in der Sleeping Zone hat man die Nacht gut überstanden. Nur zum trocknen aufgehängte Kleidungsstücke erinnern an den gefallenen Regen.

  • Politprominenz
    Vol. VI - Wo ist Girod?  

    Monsieur Girod lässt auf sich warten. «Wurde ich Opfer einer PR-Ente?» twittert unsere Redaktorin Jordi, die hoffnungsvoll an der Talstation auf der Suche nach dem grünen –angeblich Unterschriften sammelnden – Nationalrat ist.

  • Battle der Berner Lokalgrössen?  

    «Heissen jetzt eigentlich alle Berner Loser Johnny?» fragte Kuno von Züri West am Freitag leicht angesäuert. Stein des Anstosses: Patent Ochsner haben ihre neueste CD Johnny getauft, dabei waren doch Züri West mit ihrem Lied «Gitarre-Johnny» eigentlich Schöpfer der Figur.

    DerBund.ch/Newsnet hat die Berner auf dem Gurtengelände gesucht, um die brennende Frage ein für allemal zu klären: Wer ist denn jetzt besser: Züri West oder Patent Ochsner?

    1/5 Für Anica aus Bern ist der Fall klar: «Züri West, was sonst.»
    Bild: gbl

       


    Ergebnis: Die Frage löst überraschend wenig Leidenschaft aus. Es gibt die Kuno-Liebhaber und die Ochsner-Fans, aber tatsächlich auch die «Neutralen», die entweder beide mögen oder beide hassen. Falls es denn doch noch ein Battle der Berner Lokalgrössen geben soll, muss der Büne heute Abend wohl selbst zurückkrebsen.

  • Düsteres auf der Waldbühne  

    Irgendwie wollte es nicht so recht passen: Monophon auf der Waldbühne. Die St. Galler sind zu poppig, um düster zu sein, aber zu düster für einen sonnigen Samstagnachmittag. Rauchschwaden und Blitzlichtgewitter sehen bei Tageslicht eben nicht besonders eindrücklich aus.

    Viele Zuschauer schienen die gestrige Nacht noch in den Beinen zu spüren. Denn der Grossteil des Publikums folgte dem Geschehen auf der Bühne sitzend und aus einiger Entfernung. Sie sahen eine Band in Schwarz und hörten treibende Schlagzeug-Rythmen zu 80er-Reverb-Gitarren und Synthie-Melodien.

    1/6 14 Uhr vor der Waldbühne: Das Publikum bewahrt noch Distanz.
    Martin Erdmann

       

  • Kraftklub  

    Hüpfen, pogen und gute Laune ist bei den fünf Chemnitzern Kraftklub angesagt. Für die, die es nicht mitgekriegt haben, ist der Discofinger - in Grossformat - gleich Teil der Bühnenausstattung.

    Sänger Felix Brummer freut sich schon auf Konzertende. «Wenn wir uns dann später da unten bei Bonaparte treffen, gebt mir ein High Five», ruft er ins Publikum. Fantum ist nicht erforderlich fürs Aklatschen: «Auch wenn ihr das Konzert nicht mochtet: Einfach ein ‹High Five, ihr wart Scheisse›, bitte. »

  • Politprominenz Vol. VII - Bastien ist da  

    Neues von der Talstation: Girod ist doch noch aufgetaucht und sammelt für seine grüne Wirtschaft. Wie unsere Reporterin twittert, hat sie nur am falschen Ort gesucht. Er war - natürlich - beim Bioladen zu finden. Girod'sche Einschätzungen folgen.

  • Gottlos: Frank Turner and the Sleeping Souls  

    «There ist no god, so clap your hands»: Der Gurten klatschte. Frank Turner hatte das Publikum in der Hand. Er predigte Atheismus und vermittelte Wut zum Wohlfühlen. Turner, einst Sänger der Post-Hardcore-Band «Million Dead», verschrieb sich nun mit seinen Sleeping Souls ruhigen Tönen. Doch dann und wann blitzte in seiner Stimme seine musikalische Vergangenheit auf. Das ganze klang wie eine Light-Version von «The Hold Steady»

    Die Songs der Band sind so einfach, wie eingängig. Je länger das Set dauerte, desto gleicher klangen sie. Wer die Songs mag, hatte dagegen nichts einzuwenden, doch bei manchen dürfte wohl Langweile aufgekommen sein.

  • Politprominenz Vol. VIII - Bastien im Interview  

    Es hat doch noch geklappt. Bastien Girod stellte sich den Fragen unserer Reporterin. Wir stellen fest: Girod hört lieber Musik unter der Dusche, als auf dem Gurten.

  • Schwarze Wolke gesichtet  

    Noch zeigt sich das Gurten-Wetter von seiner zwar windigen, aber regenfreien und sonnigen Seite. Von Westen her ziehen aber düstere Wolken auf. Immerhin hat der Wetterdienst mit 20 Prozent Niederschlagswahrscheinlichkeit gedroht. Bleibt zu hoffen, dass das keine Regenwolken sind.

  • Politprominenz
    Vol. IX - Bastien Girod  

    Ach, Bastien: Da ist er, wie er im Interview gestanden hatte, ohnehin kein grosser Fans von Festivals. Und dann das: Ganze 42 Unterschriften hat der grüne Nationalrat gesammelt, und twittert, am Zürcher Stadelhofen sammle er in derselben Zeit das Doppelte. Dabei hatte er doch im Gespräch mit DerBund.ch/Newsnet noch von 50 Stück geträumt. Na dann, gute Reise zum Stadelhofen, und hoffentlich bis zum nächsten Jahr, Herr Girod!

  • Auf Nahrungssuche  

    Zwischendurch empfiehlt es sich, etwas Nahrung zu sich zu nehmen, sonst droht die Hypoglykämie und man landet im Sanitätszelt. Wer sein Essen nicht selbst auf den Hügel geschleppt hat, darf aus einer Vielzahl von Nahrungsmittelangeboten auswählen. Doch in welche Schlange lohnt es, sich einzureihen? Die Bund-Reporter waren als verdeckte Ermittler auf der Foodmeile unterwegs und haben die Probe aufs Exempel gemacht. Hier die Ergebnisse:

    1/9 Hamburger mit Pommes Frites
    Der Fastfood-Klassiker im Umzug: Burger mit Pommes Frites. Cholesterintechnisch so unbedenklich nicht, aber dafür sättigen die Kohlehydrate nachhaltig. Und ein Salatblatt ist auch noch dabei.
    Plus: Heisser Burger, knusprige Frites, lecker gewürzt, wirklich einwandfrei. Und zum Ketchup gabs auf Wunsch das Mayonnaise-Supplément gratis dazu.
    Minus: Hm. Schwierig. Völlegefühl hinterher, weil zu schnell verschlungen?
    Preis: 13 Franken.
    buo

       

  • Dry The River  

    Kaum Kommunikation mit den Zuschauern, keine nervigen Publikumsanimationen: Dry The River beschränkten sich damit schlicht und einfach grossartig zu sein. Die Spannweite ihrer Songs reichte von melancholischer Andächtigkeit bis zu genau so melancholischen Gitarrengewittern.

    Wo andere Bands in den emotionalen Kitsch stolpern, marschieren Dry The River auf dem Weg der Authentizität. Zwischen den schleichend aufgebauten Songs wurde nur kurzer Rast eingelegt, um ein paar Worte ins Publikum zu schmeissen und sich ein Schluck aus der Bierflasche zu gönnen.

  • Patent Ochsner  

    Patent Ochsner haben sicher schon mal mehr Wetterglück als Züri West – die Sonne scheint auf die Gurtenwiese, als hätte es den gestrigen Wolkenbruch nie gegeben. Büne Huber lässt noch gewisse Crooner-Qualitäten missen, die Ansage des bevorstehenden Songs – «Harry Houdini» – ist vorerst das erste Wort, das über seine Lippen geht. Doch das Publikum ist ihm nicht böse , dass die lustigen YB-Verweise vom Vorabend ausbleiben: Eine noch etwas zahme Band spielt «Ludmilla» an – und die Menschen sind glücklich.

    Highlights setzt Büne Huber bisher vor allem im optischen Bereich: Mit Eyeliner und Tupfenshirt angetan, wird er dem Bild des Kleinstadtpoeten vollends gerecht.

    Das Sopranosaxophon – das erste in dieser Gurtenausgabe – beherrscht die Zirkuläratmung vorbildlich: Die langgezogenen Töne haben das Zeug, bis weit herunter ins Tal zu hallen. Vielleicht muss ja gar nicht immer so viel geredet werden auf der Bühne. Der «Fischer» spricht sicher schon mal für sich.

    1/4 Büne Huber auf der Hauptbühne.
    Martin Erdmann

       

  • Patent Ochsner  

    Nein, Büne Huber ist kein Mann der vielen (gesprochenen) Worte: Selbst der Abschied («es isch schön gsy bi öich») ist gesungen. Schluss? Wohl kaum: «Scharlachrot» steht noch aus – und so viele sehnen sich doch danach. Kann das schon das Ende sein?

    Da – die zweite Zugabe, es ist soweit: Nach einer mehr als zehntausendstimmigen Version der «W. Nuss vo Bümpliz», «Scharlachrot». Reihum herzen die Herren ihre Damen, die Damen ihre Herren, schunkeln, schwelgen, mitsingen, so romantisch kanns urplötzlich werden, wenn Patent Ochsner die Gurtenbühne betreten.

    «Morn bini o dert usse», verspricht Büne zum Abschied – und verschwindet, diesmal wirklich, hinter dem Vorhang.

  • Lo & Leduc  

    Noch während Patent Ochsner ihr Set mit «Scharlachrot» beendeten, strömten die ersten Menschen vor die Waldbühne. Denn nicht nur The Roots, die bald auf der Hauptbühne loslegen, beweisen, dass Hiphop auch mit Band funktioniert. Das Berner Due Lo & Leduc können das auch.

    Mit ihrer Band Pacomé gab es Rap zu Livemusik. Lo, ausgewiesener Freestyle-Meister, und Leduc, der Mann mit der Stimme, enttäuschten nicht. Ihre Musik ist sicher nichts für Hiphop-Puristen, funktioniert live aber gut.

  • The Subways  

    Sicher nicht unterirdisch, aber auch nicht an der Spitze des Rockolymps: The Subways sind eine jener Bands, wie sie das letzte Jahrzehnt zu Tausenden ausgespuckt hat. Was The Subways vom Rest aber unterscheidet: Mit «Rock & Roll Queen» landeten sie 2005 einen Hit. Und dieser brachte das Publikum unter der Zeltbühne zum Kochen.

    Die Band zeigte eine saubere Liveperformance. Charlotte Cooper, im Glitzergewand, stürmte über die Bühne und Billy Lunn vollführte Sprünge von der Bassdrum von Schlagzeuger Josh Morgan. Aber etwas anderes hat man ja auch nicht erwartet.

  • The Roots  

    Die Nacht fällt über den Gurten – und beschert den Roots aus Philadelphia eine grossartige Ausgangslage, zum Festivalhit überhaupt aufzusteigen. Allein, ihre tolle Live-Hip-Hop-Spielart bleibt zunächst ohne wirkliche Sprengkraft – auch weil MC Black Thought zu schwach wirkt, zu viele Ausflüchte in Jazz-Gefilde unternommen werden und ein paar Dezibel mehr kaum schaden könnten. Hits wie «Break You Off» und «You Got Me» waren schon da, und man hört jetzt das Guns'n'Roses-Cover «Sweet Child o' Mine». Nun gut.

  • Band-Duell  

    Nicht nur Patent Ochsner und Züri West (K.O.-Sieger Züri West dank «När bringi wieder öpper um») duellieren sich am diesjährigen Gurtenfestival, sondern auch Bonaparte und Plüsch, die am Samstag auf Zelt- und Waldbühne gleichzeitig programmiert sind. Der Sieger?

    Nun, man muss sagen: Die Wege zu den einzelnen Nebenbühnen waren beide reichlich verstopft – wie so oft am Gurten-Samstag – und so konnte nicht wirklich festgestellt werden, wer denn den anderen ausknockt.

    Aber man muss anfügen: Die Lautstärken auf dem Gurten dürften schon ein wenig lauter sein, jedenfalls von Zuhörerseite. Die Preisrichter, die über das Duell richten, melden sich derweil via Tweet an @bsartorius. Danke.

  • Der Schluss  

    Während Fritz Kalkbrenner und Tim & Puma Mimi auf der Zelt- bzw. der Waldbühne ihre Sets abbrennen, erreichen uns noch ein paar Bilder und eine Stimme zum Schluss. Diese besagen, dass just in dem Moment, als man die Segel bei Bonaparte gestrichen hat, der Lautstärkepegel merklich nach oben verschoben wurde.

    Die Show sei superb gewesen – ebenso die Hits der Buben und Frauen, die eine reichlich schwierige Fahrt auf den Gurten erlebt hatten. Aus diesem Grund entlassen wir Sie jetzt mit folgenden Bildern in die Nacht:

    1/11 Die Brides Maid mit dem traurigen Schiffshut macht den Anfang in der Bonaparte-Show.
    Bild: Sam Buchli

       


    Ab Sonntagmittag sind wir wieder auf dem Gurten präsent zum Schlusstag.

Erstellt: 14.07.2012, 12:06 Uhr

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