Gesundheitsdirektion sieht «keine gefährliche Pflege» bei Seniocare
Von Matthias Raaflaub. Aktualisiert am 04.02.2012
Ins Wohn- und Pflegeheim Fischermätteli in Bern lud Seniocare ein. Das Haus gehört zu den neuesten im Portfolio der privaten Unternehmung. Hier kommen modernste Pflegestandards zur Anwendung. 80 Bewohnerinnen und Bewohner leben in mehreren Wohn- und Pflegeangeboten. Anlässlich der Informationsveranstaltung ehrten Seniocare-CEO Beat Ammann und Fischermätteli-Heimleiter Nicolai Peider die 999. und die 1000. Bewohnerin eines Seniocare-Hauses in der Schweiz mit einem Blumenstrauss. Sie seien zufrieden hier, sagten die älteren Damen, «mich kriegen Sie hier nicht mehr weg», meinte eine.
Die Worte klangen nach, als die Seniocare-Verantwortlichen danach das Resultat eines Prüfberichts der Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) vorstellten. Die GEF hat die massiven Vorwürfe unter die Lupe genommen, welche im vergangenen Oktober laut wurden. Mehrere ehemalige Beschäftigte der Heime Bergsicht und Lindenegg berichteten von angeblich fehlender Pflegequalität. Ein früherer Heimarzt erhob den gravierenden Vorwurf, Heimbewohnern seien ohne sein Einverständnis Medikamente verabreicht worden. Bei der GEF reichten einige der Personen eine aufsichtsrechtliche Anzeige ein.
In einem Brief an Seniocare schreibt die GEF jetzt, dass «unsere Prüfung in diesem Zusammenhang keine Hinweise auf unzureichende oder gefährliche Pflege ergeben» habe. Seniocare sieht sich dadurch bestätigt, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der beiden Heime «jederzeit mit der grössten Sorgfalt gepflegt» worden seien.
Laut CEO Ammann sei die kantonale Prüfung schon die dritte zu den gemachten Vorwürfen. Seniocare beschäftigt ein Kadermitglied alleine in der Qualitätsprüfung. Zudem sei eine externe Untersuchung schon im Juli in Auftrag gegeben worden, als die Vorwürfe intern laut wurden. «So genau hingeschaut hat also noch nie jemand», resümierte Ammann. Er sei jetzt froh über das Resultat. Das Personal, die Angehörigen und Patienten seien wegen der «haltlosen Anschuldigungen» verunsichert gewesen. Er machte deutlich, wie sensibel der Bereich Pflege nun einmal sei. Seniocare prüft deshalb eine Klage gegen die Urheber der Anzeige.
Ammann sagte, die ehemaligen Angestellten hätten die Seniocare «erpresst»; würde die Heimleitung und die Pflegedienstleitung nicht entlassen, wollten die Kläger an die Presse gehen. Man müsse den Vorfall damit auch getrennt von erhobenen Vorwürfen in den Heimen von Dotzigen sehen. In Kirchlindach habe hinter den Anschuldigungen «enorme Energie» gesteckt.
Minimum nicht unterschritten
Makellos ist der Prüfbericht aber offenbar nicht. «Natürlich, auch beim besten Heim wird man etwas finden, das man verbessern kann», sagte Andrea Hornung, Vorsteherin der Abteilung Alter bei der Gesundheits- und Fürsorgedirektion, gestern auf Anfrage. Sie stellt aber auch klar, wieweit Schlüsse aus dem Prüfungsresultat zulässig sind. «Wir sagen mit dem Bericht, die sichere Pflege ist nicht unterschritten worden.» Die «sichere Pflege» sei der Mindeststandard, der erfüllt werden müsse.
Selbstverständlich gebe es immer Punkte, wo es Verbesserungsmöglichkeiten gebe, sagte Ammann. Reagieren werde Seniocare bei der Kommunikation und etwa bei Weiterbildungen. Ammann meinte auf Nachfrage, es gebe mit dem Bericht «Empfehlungen, aber keine verbindlichen Auflagen».
Prüfung zu Ende – Kontrolle nicht
Ist der Fall damit abgeschlossen? Abgeschlossen sei nach einer Prüfung von Heimen fast kein Verfahren, sagte Andrea Hornung. «Wir haben immer auch die Möglichkeit, danach ein Heim intensiver zu begleiten.» Der Abschluss des Verfahrens sage nur, dass das Prüfverfahren im Falle der beiden Heime zu Ende sei. Das heisse aber nicht, dass keine Massnahmen und Fristen auferlegt worden seien. Mehr sagt Hornung nicht.
Vor Ort überprüft hat die GEF-Stelle die Heime erst Ende vergangenen Jahres. Warum verstrichen Wochen, bis sich die GEF vor Ort ein Bild machte? «Hätten wir sicher sein können, dass es eine akute Gefährdung gibt, wären wir da gewesen, noch bevor die Leitung davon gewusst hätte», so Hornung. Laut der GEF-Verantwortlichen wurde erst nachgeprüft, ob die Hinweise ein sofortiges Handeln rechtfertigten, also auch, ob die gemachten Angaben stichhaltig waren. Vor der Überprüfung vor Ort habe man umfangreiche Informationen eingeholt und Dokumente eingefordert, was einige Zeit in Anspruch genommen habe.
Die vom früheren Heimarzt geäusserten Vorwürfe waren nicht Teil der Anzeige. Es sei offen, ob sie unabhängig der aufsichtsrechtlichen Anzeige noch weiter verfolgt würden, hiess es dazu. (Der Bund)
Erstellt: 04.02.2012, 09:36 Uhr
Bern
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.






