Bern

Geschüttelt – angestarrt – angebellt

Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 27.04.2012

Wer Bern besucht, kann sich in einer Rikscha zu den Attraktionen fahren lassen und wird dabei über die Geheimnisse der Bundesstadt informiert – eine Testfahrt.

Die neue Rikscha-Flotte gestern auf dem Berner Bahnhofplatz.

Die neue Rikscha-Flotte gestern auf dem Berner Bahnhofplatz.
Bild: Adrian Moser

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Rikscha-Führungen

Ab 29. April sind die Rikscha-Führungen bei Bern Tourismus buchbar.

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Bern lässt sich zu Fuss besichtigen, was ein wenig Zeit braucht. Auch per Taxi kann man die Stadt erkunden, aber das wird nicht billig. Und es gibt die Rikscha. Mit dem dreirädrigen Gefährt kommt man flott voran, und weil Fahrer und Elektromotor die Beinarbeit erledigen, schnuppert der Fahrgast die Berner Luft ganz ohne Schweissausbrüche.

Gestern hat die Start-up-Firma Rikschataxi ihr Angebot vorgestellt – im Verbund mit Bern Tourismus. Die quirligen Jungunternehmer von Rikschataxi, die auch in anderen Schweizer Städten tätig sind, taten sich mit der Berner Fremdenverkehrsbehörde zusammen. Dadurch steht Berns Gästen nicht nur ein Vehikel mit Fahrer zur Verfügung, sondern auch Touristiker-Know-how.Auf der Fahrt stoppt das Fahrzeug an definierten Stellen, und eine Stimme – ein digitaler Audio-Guide – erzählt, was es mit dem Ort auf sich hat. Wer es persönlich mag, bucht eine lebendige Stadtführerin. Diese sitzt nicht den Fahrgästen im Fond auf dem Schoss, sondern geht zu Fuss zum nächsten Fixpunkt, wo sie – dank Ortskenntnis und raffinierten Abkürzungen – gleichzeitig wie die Rikscha eintrifft. Die persönliche Betreuung ist natürlich nicht gratis: Je nach Dauer der Führung kostet das zwischen 65 und 230 Franken. Letzteres ist eine 1,5-stündige Tour für Verliebte mit Cüpli-Halt.

Weder Gurte noch Seitenairbag

Natürlich probiert der «Bund» das neue Angebot aus. Eine Prise Showlust und Exhibitionismus brauchen Passagiere schon, denn ihr Vehikel wird überall angeschaut, oft gar angestarrt. Was so stark beachtet wird, gilt als guter Werbeträger. Bernhard Wyss, Marketingmann bei Rikschataxi, lässt durchblicken, dass die auf der Verschalung beworbenen Sponsoren substanzielle Beträge liegen lassen. Das ist nötig, denn das Leichtfahrzeug kostet fast so viel wie ein Kleinwagen aus Fernost. Nur gibt es in der Rikscha weder Gurte noch Seitenairbag, was einem bewusst wird, wenn man – auf dem Velostreifen fahrend – in nächster Nähe von mächtigen Bussen und Trams überholt wird.

Pudel bellt – Regierungsrat lacht

Ein Pudel an einer Tramhaltestelle kann die Rikscha nicht in seinen hündischen Erfahrungshorizont einordnen und bellt sie an. Beim Halt auf dem Bundesplatz raunen wir «Danke, Doris», denn die Bundesrätin soll den schwer definierbaren Vehikel auf dem Verordnungsweg Erleichterungen gewährt haben. Nun rattern wir über das holperige Pflaster in der Altstadt. Es ist purer Zufall, dass der kantonale Tourismusdirektor, Regierungsrat Andreas Rickenbacher, auf dem Weg an eine Sitzung des Rikscha-Konvois ansichtig wird und sich über die neue Attraktion freut.

Wir sind wieder auf dem Bahnhofplatz. Das neue Angebot scheint beliebt zu sein. Zwei Personen fragen, ob man sie zum Inselspital fahren könne – genau wie an einem herkömmlichen Taxistand. Was die Fahrgäste bezahlt haben, ist nicht bekannt, denn in der Rikscha läuft keine Taxiuhr. Die Preise sind Verhandlungssache. Doch wie man weiss, bringen Kollekten oft mehr als fixe Preise. (Der Bund)

Erstellt: 27.04.2012, 10:59 Uhr

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