Gaskessel muss ohne Kantonsgelder auskommen

Das Kantonsparlament will die Gaskessel in Bern und Biel nicht über den Lastenausgleich finanzieren.

Jugendzentren: «Positiv für die Gesellschaft», aber dennoch kein kantonales Geld wert.

Jugendzentren: «Positiv für die Gesellschaft», aber dennoch kein kantonales Geld wert. Bild: Adrian Moser

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Der Berner Gaskessel kann nicht auf rettende Finanzhilfe des Kantons hoffen. Am Donnerstag scheiterten im Grossen Rat zwei überparteiliche Vorstösse von SP, GLP/CVP, BDP und den Grünen, welche vorschlugen, dass der Kanton Bern einen Beitrag an die Jugendzentren «Chessu» in Biel und den Gaskessel in Bern über den Lastenausgleich leistet. Die Parlamentsmehrheit wollte nicht einmal einen Prüfungsauftrag an die Regierung überweisen. Die Postulate scheiterten mit fast zwei Drittel Nein-Stimmen deutlich.

Andere Prioritäten

Die Befürworter wollten erreichen, dass der Kanton, genauer die Gesundheits- und Fürsorgedirektion, die beiden Gaskessel als überregionale Angebote zur sozialen Integration anerkennt. Gesundheits- und Fürsorgedirektor Philippe Perrenoud (SP) sagte, er hege Sympathie für die Forderung. Die Direktion war bereits 2012 zum Schluss gekommen, dass die beiden Jugendtreffs zum Teil den Zielsetzungen der offenen Jugendarbeit entsprechen. Der Kanton sollte deshalb die Finanzierung übernehmen. Ein Vertragsabschluss schien damals schon in Reichweite. Dann sorgte die Spardebatte für ein abruptes Ende der Diskussionen.

Wegen der knappen Kantonsfinanzen warb Perrenoud auch gestern im Rat für ein Nein. Würden die beiden Gaskessel unterstützt, müsse dafür anderswo Geld eingespart werden, sagte er. Die Regierung hat bei der Jugendarbeit andere Prioritäten Sie finanziert den Verband der offenen Kinder- und Jugendarbeit (Voja) sowie den Verein «Fachstelle Spielraum».

Abweichler bei der BDP

Keines dieser Angebote sei «von Jugendlichen für Jugendliche», kritisierte Mathias Tromp (BDP). Er gehörte im bürgerlichen Lager zu den einzelnen Abweichlern, welche für die Forderungen einstanden. Auch sein 23-jähriger Seeländer Parteikollege Jan Gnägi trat ans Rednerpult, um die Jugendkultur zu verteidigen. Trotz sinkender Besucherzahlen im Berner Gaskessel sagte er: «Das Angebot im Chessu mag vielen hier nicht passen, aber es passt eben den Jungen.»

Nicht passen taten die Vorstösse etwa der FDP. Der Bieler Grossrat Hubert Klopfenstein beschrieb die Gaskessel in Bern und Biel als «rein urbane Angebote». Die Städte müssten sie darum selbst finanzieren. Dem widersprach Natalie Imboden (Grüne) vehement. Sie nannte die Zahlen des Gaskessels in Bern, wonach 52 Prozent der jungen Gäste nicht aus der Stadt kommen.

Ruedi Löffel (EVP) gerieten insbesondere die Voten für den Bieler «Chessu» in den falschen Hals. Er bezeichnete diesen als «Raucherhöhle und Kifferparadies». Die «Coupole» habe sich um Vorschriften foutiert. «Wenn man autonom sein will, soll man sich auch autonom finanzieren», sagte Löffel.

Es bleibt nur die Stadtkasse

Ursula Marti (SP, Bern) hoffte vergeblich auf ein «schönes Zeichen» des Kantonsparlaments an den Gaskessel in Bern. Sie warb dafür, dass nach dem Bekenntnis des Stadtrats zur vorläufigen Finanzierung des Jugendzentrums «auch der Kanton etwas tut». Der Gaskessel in Bern kann nach dem gestrigen Entscheid bis auf weiteres nämlich nur auf die Stadt als Finanziererin zählen. Aber von Dauer ist bisher auch das nicht. Der Stadtrat hat den Gemeinderat im vergangenen November immerhin verpflichtet, wieder in die Bresche zu springen und mit dem Gaskessel einen Leistungsvertrag über zwei Jahre abzuschliessen. Damit ist die Finanzierung bis Ende 2015 sichergestellt.

Anic Roth, Vorstandsmitglied des Berner Gaskessels, sagte gestern auf Anfrage, man habe vor der Debatte noch Hoffnung auf eine positive Wende im Kantonsparlament gehabt. «Vorerst ist die Sache jetzt geklärt», sagte Roth. Eine Finanzierung des Chessu durch den Kanton werde man langfristig aber mit Sicherheit wieder aufwerfen. (Der Bund)

Erstellt: 24.01.2014, 06:51 Uhr

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