Bern

Fussball, Bier und Rock’n’Roll

Von Joël Baumann. Aktualisiert am 28.09.2012

Die alternative Fussball-Liga Foul feiert dieses Jahr ihren 15. Geburtstag. Vieles hat sich über die Jahre seit der Gründung 1997 verändert – die Liebe zum Fussball ist geblieben.

1/8 Die alternative Fussball-Liga feiert dieses Jahr ihr 15-jähriges Bestehen.
Bild: Joël Baumann

   

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Foul

Jedes Jahr organisiert Foul rund hundert Spiele auf der Berner Allmend. 2010 war Bern Austragungsort der Alternativen Europameisterschaft. «Ein lang gehegter Traum ist eine regelmässige Schweizermeisterschaft zu etablieren», sagt Thomas Munsch, «ähnlich der Bergdorf-Meisterschaft im Wallis». Fast jede grössere Schweizer Stadt besitzt eine alternative Fussball-Liga: In Zürich heisst sie FSFV, in Basel Unseriliga. Die Berner Liga pflegt auch Kontakte ins Ausland. Vor zwei Jahren wurde die Liga von 16 auf 20 Teams aufgestockt und doch sei die Nachfrage weiterhin gross.

Mehr Informationen: www.foul.ch

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Eigentlich ist bei Foul alles wie im richtigen Fussball: Ein Spiel dauert 90 Minuten, 22 Spieler versuchen den Ball ins Tor zu dreschen und – fast immer zumindest – schauen drei Schiedsrichter zum Rechten. Und doch war in der alternativen Fussball-Liga Foul stets einiges anders als in herkömmlichen Ligen. Es gehe ums «Schüttele und für einmal nicht um Kommerz, VIP-Logen und TV-Rechte», heisst es bereits auf der Foul-Homepage. Foul feiert dieses Jahr ihr 15-jähriges Bestehen. Vieles hat sich in den Jahren geändert, die Liga ist professioneller, aber auch träger geworden, das Wilde hat sie verloren.

Bishop’s Daughter

«Die ganz spezielle Stimmung charakterisiert die Liga noch immer», sagt der amtierende Foul-Präsident Thomas Munsch, «man kennt sich und man trifft sich auf der Allmend». Munsch ist 32 Jahre alt und seit rund sieben Jahren im Vorstand. Die Liga ist vom Schweizerischen Fussballverband komplett unabhängig. An über zwanzig Spieltagen im Jahr treten jeweils acht Teams gegeneinander an. Klingende Teamnamen wie «Roter Stern Bollwerk», «Traktor Biel» oder «Dynamo Chop» deuten auf die Wurzeln der Liga hin: der links-alternative Musikkuchen, rund um die legendäre Band Bishop’s Daughter.

«Jede gute Geschichte beginnt mit einem Mythos», sagt Musiker Bubi Rufener. Und so beginnt die Geschichte von Foul vor rund zwanzig Jahren mit Bishop’s Daughter, einer Band von Rockertypen, die harte und psychedelische Musik spielten -«mindfucking», wie sie selber sagen. Allen voran Bubi Rufener und Manager Pat Zingraf. Neben der Musik spielten sie regelmässig an Grümpelturnieren und anderen Bratwurst-Veranstaltungen. Etwas später gründeten sie das erste Foul-Team, die Black Pampers und mit ihm den Vorläufer der heutigen Liga.

Bärner Szene-Giele

Vier Teams mit «Bärner Szene-Giele» – vornehmlich Musiker, DJs, Beizer und Grafiker – schlossen sich damals im Restaurant Fischerstübli in der Matte zur ersten alternativen Fussball-Liga in Bern zusammen. Sie spielten irgendwo in Bümpliz oder beim Schönau-Schulhaus und immer wieder am Rock'n'Roll-Cup in Freiburg. Welche Teams damals neben den Black Pampers und dem Velokurierteam dazugehörten, kann Rufener nicht genau sagen. Das gehört zum Mythos.

Weil der Liga-Gründer Pat Zingraf vorübergehend ins Ausland zog, war in Bern nach einem Jahr bereits wieder Schluss mit alternativem Fussball. Der zweite Anlauf mit sechs Teams sollte sich aber erfolgreicher gestalten: Seit 1997 wird auf der Berner Allmend Saison für Saison Fussball gespielt. «Nicht verbissen, und trotzdem sind es Spiele auf hohem Niveau», sagt Munsch.

Die Lust Fussball zu spielen

Seither habe sich einiges getan, sagt Munsch: «Die Liga ist gewachsen. Seit 2010 gehört beispielsweise eine kleine, aber feine Frauen-Liga zu Foul. Und sie hat sich verändert». Der Zusammenhalt sei früher in dieser kleinen Liga, als jeder jeden kannte sicher grösser gewesen. Aber auch die Zusammensetzung sei breiter geworden. Heute stammten längst nicht mehr alle aus der Musikszene. Dieser Wandel zeigt sich auch bei den Bands, die bei Foul mitspielen: Anstatt Bishop’s Daughter heissen die Stars heute Baschi und Pegasus. «Immer noch Rock’n’Roll, aber moderner und nicht mehr ganz so wild».

Musiker Rufener erinnert sich an Cheerleader und Fans aus der Schwulenszene, die jeweils am Spielfeldrand standen und ein Fest veranstalteten. Solche Szenen gibt es nicht mehr. Sport und Musik gehörten bei Foul immer unzertrennbar zusammen, aber heute bilde die Lust Fussball zu spielen den grossen Konsens, sagt Munsch.

Die Strukturen waren anfangs noch nicht klar. «Als ich im Vorstand angefangen habe, diskutierten wir einfache Sachen teilweise über drei Stunden lang», sagt Munsch. Dieser basisdemokratische Rock’n’Roll-Groove sei für die Liga wichtig gewesen, unterstreicht Munsch. «Auch dank der Hartnäckigkeit gepaart mit wildem Rebellentum konnte sie sich in Bern etablieren».

Das Bier nach dem Spiel gehört dazu

Heute fällt das Organisieren dank E-Mail und Facebook leichter. «Es läuft wie am Schnüerli, ja. Aber vielleicht ist die Liga dadurch etwas träge geworden», sagt Munsch und überlegt kurz. «Es bräuchte wieder jemanden der etwas reisst, die Liga etwas aufweckt». Die Bereitschaft, sich innerhalb der Liga zu engagieren, habe leider abgenommen. Munsch spürt das am eigenen Leib, möchte er doch seinen Präsidentenstuhl nach jahrelanger Freiwilligenarbeit einem Nachfolger übergeben, «doch jemanden zu finden, ist schwierig».

Überhaupt nicht träge wirkt der heimliche Star der Liga: Erdogan Bilal mit seinem Bierexpress. Er ist seit vier Jahren dabei und bereits fast nicht mehr wegzudenken, denn nach wie vor gehört das Bier nach dem Spiel dazu. Bilal versorgt die durstigen Spieler mit alternativer Cola und verschiedensten Spezial-Bieren. Er sammelt Pet-Flaschen und leere Bananenschalen ein, «damit der Abwart nichts auszusetzen hat». Überhaupt habe die Liga mit der Stadt und dem Abwart der Sportanlagen auf der Allmend ein riesiges Glück. Aber es sei eben auch hart erarbeitet, meint Munsch.

Das Jubiläum soll am Saisonende doch noch gefeiert werden: «Bilal bringt Würste, mehrere Grills und Bier», sagt Munsch. Musik machen aber weder Bishop’s Daughter noch Baschi, sondern Bilal mit seinem iPod-Soundsytem. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.09.2012, 14:54 Uhr

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