Bern

Für die BKW ist der eigene Verwaltungsrat bereits grün genug

Von Simon Thönen. Aktualisiert am 17.10.2011 2 Kommentare

Die BKW lehnt die Kandidaturen der Grünen für einen Sitz im Verwaltungsrat ab. Für den Grünen-Präsidenten Blaise Kropf ist die Absage «eine verpasste Chance» für die Neuorientierung des Konzerns.

Karikatur: Orlando Eisenmann

«Atomkritische Köpfe in den Verwaltungsrat der BKW!» Dies forderten die bernischen Grünen schon vor Fukushima. Nach der AKW-Katastrophe präsentierten sie im August drei Kandidaturen für einen Sitz im Verwaltungsrat des Stromkonzerns: Robert Cramer, Ständerat und früherer Energiedirektor von Genf, Franziska Teuscher, Nationalrätin und Verwaltungsrätin des Stadtberner Energieversorgers EWB, sowie Urs Muntwyler, Professor für Fotovoltaik und grüner Nationalratskandidat. Man wolle «Erfahrung und Fachwissen im Bereich der erneuerbaren Energien» in das Aufsichtsgremium der BKW einbringen, kündete die Partei damals an.

Dezidierte Absage der BKW

Daraus wird nun nichts. In einem Brief an die Grünen vom 22. September, der dem «Bund» vorliegt, teilt die BKW mit, dass sie darauf nicht eintritt. BKW-Verwaltungsratspräsident Urs Gasche begründet dies einerseits formal: Der aktuelle Verwaltungsrat sei für vier Jahre gewählt, und man habe das Gremium bewusst auf zehn Mitglieder beschränkt. Interessanter ist die inhaltliche Begründung: Er teile die Auffassung der Grünen, dass in der aktuellen energiepolitischen Neuorientierung «Erfahrung und Fachwissen auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien» für Energiefirmen «weiter an Bedeutung zunehmen», schreibt Gasche zwar. Nicht nur in der Firma, sondern auch im Verwaltungsrat seien jedoch «die für die strategische Steuerung des Beschaffungsportfolios notwendigen Kenntnisse im Bereich der erneuerbaren Energien prominent vertreten und ausreichend vorhanden».

Keine Experten für grünen Strom

Diese Aussage erstaunt, wenn man die Liste der Verwaltungsräte betrachtet. Zwar befassen sich diverse Mitglieder – Vertreter von Elektrizitätsunternehmen oder Energiedirektorin Barbara Egger (SP) etwa – beruflich auch mit erneuerbaren Energien. Ein eigentlicher Experte dafür ist aber nicht zu finden.

Dies sei auch nicht nötig, meint Gasche auf Anfrage: «Wir haben ja auch keine Kernkraft- oder Wasserkraftspezialisten im Verwaltungsrat. Wir benötigen Generalisten, welche für die strategische Ausrichtung des Unternehmens sachgerechte Impulse geben und Vorschläge der Unternehmensleitung beurteilen können.»

Genau bei der strategischen Ausrichtung ortet Grünen-Präsident Kropf jedoch die Defizite der BKW. Er wolle die fachliche Qualifikation der BKW-Verwaltungsräte nicht infrage stellen, sagt Kropf. Auch wenn er spitz anmerkt, «dass der Aktienkurs der BKW nur in eine Richtung zeigt – nach unten». Vor dem Hintergrund des Atomausstiegs brauche es nun aber dringend Kompetenz für erneuerbare Energie und Energieeffizienz, auch im Verwaltungsrat.Und letztlich gehe es auch um ein Signal: «Unsere Kandidaturen wären eine ideale Chance für die BKW gewesen, Bereitschaft zum nachhaltigen Einstieg in die Ära der erneuerbaren Energien zu signalisieren.» Schliesslich stünden der bisherige BKW-Verwaltungsrat – abgesehen von Energiedirektorin Egger – und besonders sein Präsident Gasche «für einen energiepolitischen Kurs pro AKW».

Er sei zwar «zum Zeitpunkt der Wahl klar zum Ersatzkernkraftwerk gestanden», sagt dazu Gasche. «Ich anerkenne aber, dass ein solches inzwischen gar nicht mehr infrage kommt.» Er sei nun «genauso fest auf der Suche nach tauglichen Alternativen für die Kernkraft wie zum Beispiel Frau Egger». Auch andere Verwaltungsräte, die er nicht namentlich nennen wolle, stünden AKW «sehr kritisch gegenüber». Er sehe deshalb, betont Gasche, «keinen Bedarf für einen zusätzlichen energiepolitischen Akzent auf der Ebene des Verwaltungsrats».

Gasche: «Politische Aktion»

Kropf sieht dies natürlich anders. Er zählt auf, was er als «eine Serie von kommunikativen Fehlleistungen der BKW-Führung» bezeichnet: Die angekündigte Reduktion der Ziele für erneuerbare Energie im Abstimmungskampf um Mühleberg II, die Kritik am Ausstiegsentscheid des Bundesrats sowie die Klagen über die unfaire Konkurrenz durch subventionierten Solarstrom. Kropf: «Ein Umdenken ist nicht sichtbar.»

Gasche wiederum bezeichnet die grünen Kandidaturen als «offensichtlich politisch motivierte Aktion». Dies zeige sich daran, dass die Grünen mit Teuscher und Cramer Persönlichkeiten vorgeschlagen haben, die mit ihren Ämtern für die städtischen Stromversorger von Bern beziehungsweise Genf «Interessenkonflikte zur BKW aufweisen». Dass es sich um grüne Politiker handle, sei für ihn dagegen «kein prinzipieller Hinderungsgrund», sagt Gasche, der ehemaliger Kantonalpräsident und Nationalratskandidat der BDP ist.

Kropf: «Umdenken nicht sichtbar»

Die vorgeschlagenen Personen seien «beispielhafte Kandidaten», sagt Kropf. Die Grünen hätten aufzeigen wollen, dass sich geeignete Persönlichkeiten mit Kompetenz in erneuerbaren Energien für den Verwaltungsrat der BKW finden liessen.

«Ich könnte damit leben, dass die BKW diese drei Leute nicht super findet», sagt Kropf. Schliesslich gebe es sowohl bei den Grünen wie auch ausserhalb seiner Partei andere geeignete Persönlichkeiten. «Extrem ernüchternd» sei aber, «dass die BKW sich gar nicht bemühen will, Verwaltungsratsmitglieder zu finden, die kompetent und glaubwürdig für eine Neuorientierung des Konzerns stehen». (Der Bund)

Erstellt: 17.10.2011, 06:45 Uhr

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2 Kommentare

Walrer Krebs

17.10.2011, 12:25 Uhr
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Für die BKW ist der eigene Verwaltungsrat bereits grün genug
Man kann für oder gegen AKWs sein. Was man nicht sein sollte, ist allwissend. Die Grünen mit Präsident Kropf halten sich vermutlich für das Evangelium. Erfahrung und Fachwissen im Bereich der erneuerbaren Energie wollten sie im BKW-Verwaltungsrat einbringen. Deshalb sind mir die Grünliberalen, im Gegensatz zu den superextremen Grünen, symphatisch. Besonders aus diesem Grund stagnieren die Grünen und die Grünliberalen werden völlig zu recht stark zulegen.
Walter Krebs, Bümpliz
Antworten


Hans Zimmermann

17.10.2011, 16:20 Uhr
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Ein absolut richtiger Entscheid der BKW. In diesem Unternehmen haben die "Grünen" nichts zu suchen. Mit diesen inkompetenten Illusionisten allen voran Frau Teuscher wollen wir Stromkonsumenten nicht ins endgültige Verderben schlittern. Antworten



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