Bern

Friedliche Demo für die Besserstellung der Sans-Papiers

Von Sebastian Meier. Aktualisiert am 03.10.2011 5 Kommentare

Mehrere Tausend Personen forderten am Samstag in Bern ein Umdenken in der Ausländerpolitik.

1/7 Am Samstagnachmittag fand in Bern die gesamtschweizerische Grossdemo für die Sans-Papiers statt.
Bild: Marcel Bieri/Keystone

   

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Es war im wörtlichen Sinne ein bunter Haufen, der sich am Samstagnachmittag vor der Berner Reitschule versammelte. Unter dem Motto «Kein Mensch ist illegal» demonstrierten Menschen aller Hautschattierungen friedlich für eine rechtliche Besserstellung der schätzungsweise 90'000 Sans-Papiers in der Schweiz. Zur Kundgebung hatten im Vorfeld über 100 Organisationen aufgerufen. Gemäss der Schweizerischen Depeschenagentur nahmen 2000 Personen teil, gemäss den Organisatoren 5000. Die Veranstalter zogen eine durchwegs positive Bilanz und feierten die Kundgebung als «starkes Zeichen gegen die alltägliche Diskriminierung».

Somalier in der ersten Reihe

Der für drei Uhr vorgesehene Umzug startete mit dreiviertelstündiger Verspätung, weil ein Demo-Teilnehmer nach einem epileptischen Anfall notfallmässig hospitalisiert werden musste. Nach dem nachdenklichen Auftakt zog der bunte Tross aber lautstark und begleitet von afrikanischen Trommelrhythmen durch die Speichergasse Richtung Kornhausplatz und über Zeughausgasse und Aarbergergasse zurück zur Reitschule. Die vom Organisationskomitte gewünschte Route über den Bundesplatz, war von den Behörden im Vorfeld nicht bewilligt worden.

Die «üblichen Verdächtigen» aus der linksalternativen Szene reihten sich für einmal ganz hinten und völlig unvermummt in den Demonstrationszug ein. Angeführt wurde der Umzug stattdessen von einer Gruppe somalischer Exilanten. Darunter auch ein junger Mann, der vor zwei Jahren aus seiner krisengebeutelten Heimat geflüchtet ist. Er selbst sei kein Sans-Papier, sagte er. Sein Asylgesuch sei damals positiv beurteilt worden und die Behörden hätten ihm eine vorläufige Aufenthaltsbewilligung ausgestellt. Und trotzdem sei er nicht nur aus Solidarität mit den Sans-Papiers, sondern auch in eigener Sache auf die Strasse gegangen. Kleine Dinge wie der Kauf einer SIM-Karte für das Handy seien für ihn jeweils ein Spiessrutenlauf, und eine Reise ins Ausland sei mit einem F-Ausweis ein Ding der Unmöglichkeit. Zudem müsse er für jeden Arztbesuch um die Erlaubnis seines Arbeitgebers fragen. «Ich bin Praktikant in einer Gärtnerei», sagte der Somalier aus Basel in fliessendem Deutsch. «Arbeiten darf ich danach aber nicht.» Bei aller Dankbarkeit gegenüber der Eidgenossenschaft empfinde er die Forderung nach Eingliederung bei einem gleichzeitigen Arbeitsverbot als widersprüchlich und unfair. Für viele seiner Landsleute sei es somit eine unlösbare Aufgabe, den Ansprüchen der hiesigen Gesellschaft zu genügen.

Es gehe ihm heute aber nicht darum den Schweizern zu sagen, was zu tun sei, betont der Somalier. Tatsächlich scheinen es weniger konkrete Reformvorschläge, als viel mehr die als ungerecht empfundenen Hürden im Alltag zu sein, welche die Mehrheit der ausländischen Demonstranten am Samstag auf die Strasse trieben. Die politischen Forderungen wurden denn nach dem Umzug auch vor allem von den Rednern und Rednerinnen ohne Migrationshintergrund formuliert.

Mitunter wurde eine Legalisierung und umfassende Regulierung der Sans-Papiers gefordert, wie dies mehrere Nachbarstaaten bereits vollzogen haben. Nur mit der nötigen Rechtssicherheit sei es für die betroffenen Menschen möglich, aus ihrem Schattendasein herauszutreten und aktiv an der Gesellschaft teilzunehmen, so der Grundtenor. Zu dieser umfassenden Regulierung gehörten neben dem Zugang zum Bildungssystem und zum Gesundheitswesen auch die Integration in den Arbeitsmarkt. Schliesslich sei es die Armut – nicht zuletzt kinderreicher Familien – welche die illegalen Immigranten letztlich in die Schwarzarbeit oder in die Kriminalität trieben.

Demo ohne direkt Betroffene?

Dass die Frage nach dem richtigen Umgang mit den papierlosen Immigranten umstritten bleiben wird, wurde aber auch am Samstag augenfällig. «Jetzt sind die schon stolz darauf keine Papiere zu haben», sagte etwa eine Passantin am Rande der Kundgebung, während wenige Schritte weiter ein anderer Zaungast den Umzug mit einem passionierten «Welcome to Switzerland» begrüsste.

Ungewiss bleibt, inwiefern sich die vonseiten der schweizerische SVP geäusserte Forderung nach systematischen Ausweiskontrollen auf die Demonstration ausgewirkt hat. Laut den Organisatoren haben die Behörden beteuert, weder Zivilpolizisten einzusetzen, noch ohne speziellen Grund Ausweise zu kontrollieren. Als direkt betroffener Sans-Papier outete sich in der «Bund»-Stichprobe jedenfalls kein Teilnehmer der Kundgebung. (Der Bund)

Erstellt: 03.10.2011, 06:41 Uhr

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5 Kommentare

Roland Zimmermann

02.10.2011, 09:35 Uhr
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Die Sans-Papiers sollen sich doch einfach Papiere im Heimatland beschaffen, ihre Identität preisgeben, und zwar die wahre. Irgendwie kann sicherlich jeder beweisen, wie er heisst, woher er kommt, alle normalen Daten, wie jeder Schweizer auch. Dann ist das Problem gelöst, und die Asylkommissionen können ihre Arbeit tun. Antworten


Moreno Casasola

03.10.2011, 10:12 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Herr Zimmermann, sie haben es nicht verstanden: Sans-Papiers haben Papiere, sie haben Pässe und das Ganze hat einfach nichts mit dem zu tun, was Sie mit "Asylkommissionen" meinen. Noch einmal für Sie: Sans-Papiers haben keine gültige Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz - dieses Papier wird ihnen verweigert (deshalb Sans-Papiers), obwohl sie meistens schon seit Jahr(zehnt)en in der Schweiz sind. Antworten



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