Frauen im toten Winkel
Von . Aktualisiert am 14.05.2011 2 Kommentare
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Wer putzt und wäscht? Wer sorgt für Kinder und Pflegebedürftige? Wer kommt beruflich voran? Diese Sätze stehen auf der Webseite der SP Frauen Kanton Bern, gefolgt von der Feststellung: Wir haben viel zu ändern!
Folgerichtig haben die SP-Frauen vor dem ausserordentlichen Parteitag vom Donnerstag an einer ebenfalls ausserordentlichen Sitzung beschlossen, es müsse «unbedingt» eine Frau nominiert werden als Ständeratskandidatin. Diesen Beschluss taten sie am ausserordentlichen Parteitag dann auch kund. Wie wir nun aber wissen, hat es nichts genützt. Gewählt wurde Hans Stöckli, ein Mann aus Biel. Damit hat die SP, die Partei, die Frauen fördert wie kaum eine andere Partei, die Voraussetzung dafür geschaffen, dass am 23. Oktober ein Mann beruflich vorankommen kann.
Vorher wird Stöckli «alle Einladungen von Sektionen annehmen», wie er versprach. Während des Wahlkampfs wolle er den Kanton in allen Richtungen «durchkreuzen». Ein SP-Mann, der den Kanton Bern durchkreuzt – womöglich noch im Auto. Das ist bitter. Dabei wird er erst noch vor sich hinpfeifen und manchmal zufrieden in den Rückspiegel schauen. Und schliesslich wird er zum Beispiel in Langnau* auf ein Podium steigen und mit der Faust auf den Tisch hauen – während die linken SP-Topkandidatinnen, die auf eine Ständeratskandidatur verzichtet haben, daheim auf dem Sofa sitzen und stillen (Evi Allemann) oder sich mit der Hand über den grossen Bauch fahren (Ursula Wyss).
Die eine oder andere SP-Frau wird bei solchen Gedanken wütend werden. Wütend auf alles. Vor allem auf die allgemeine Ungerechtigkeit. Wenn es auf der Welt auch nur ein bisschen Gerechtigkeit gäbe, wäre es doch nicht möglich, dass ein Mann Kandidat wird, nur weil eine Frau ein Kind erwartet – und womöglich noch ein Knäblein.
Stöckli wird derweil wieder im Auto sitzen, singen und ab und zu in den Rückspiegel schauen. In den Karrieren von Frauen gibt es halt so etwas wie einen toten Winkel. Wenn sie sich darin befinden und sich grosse Möglichkeiten eröffnen, um beruflich voranzukommen, fallen sie für ihre Partei einfach nicht in Betracht. Bei diesem Gedanken wird Stöckli in Hasle-Rüegsau* sein – und vor Freude hupen.
*Die Beispiele sind bewusst gewählt, weil die Region Emmental gegenwärtig in Vergessenheit zu geraten droht. (Der Bund)
Erstellt: 14.05.2011, 14:42 Uhr
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2 Kommentare
Auf den kommenden Berner Ständeratswahlkampf hätte ich - egal ob Frau oder Mann - als Vertreter der jüngeren Generation auch keine Lust. Sollen sich die graumelierten, narzistischen älteren Herren gegenseitig in Grund und Boden schnorren. Seeländer Motorsäge gegen Oberländer Motorsäge - die Nomination von Stöckli ist folgerichtig und pragmatisch. Antworten
Hehe, spritziger Text:-) ..auch, weil zwischen den Zeilen auch ein Mentalitätsproblem angesprochen wird ("Wenn es auch nur ein bisschen Gerechtigkeit gäbe, wäre es doch nicht möglich, dass.."): Man soll auf der Welt agieren WIE SIE IST, nicht wie sie SEIN SOLLTE, vor allem wenns um ein Drecksgeschäft wie "Wahlen" geht. - Als mittelarme Arbeitnehmerin werde ich trotzdem SP wählen - wen auch sonst? Antworten
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