«Es gibt keine Tendenz»
Von Simon Jäggi. Aktualisiert am 21.01.2011 1 Kommentar
Ein Drittel der Neumitglieder der SVP in der Stadt Bern sind Ausländer – überrascht Sie diese Zahl?
Das ist bestimmt überdurchschnittlich hoch. Ungewöhnlich ist auch, dass Nicht-Stimmberechtigte einer Partei beitreten. Aber es handelt sich um einen Einzelfall, und ich glaube nicht, dass es hier tatsächlich eine Tendenz gibt. Es ist mir neu, dass eine Partei überhaupt solche Daten erfasst. Vergleichswerte gibt es nicht und auch keine Transparenz über Mitgliederzahlen und Mitgliederregister. Parteien können irgendwas erzählen.
Die SVP Stadt Bern führt nach eigenen Angaben auf, wer welche Nationalität hat. Daher nochmals: Warum gehen Ausländer zur SVP, der doch vorgeworfen wird, sie sei fremdenfeindlich?
Das Hauptmotiv ist wohl ein durchaus rationales: Die wenigen kriminellen Ausländer schaden dem Image der grossen Mehrheit der gut integrierten Ausländer. Daher sind einige bereit, SVP-Anliegen zu unterstützen.
Ihre Studien zeigen, dass es Schweizer vor allem wegen des Ausländerthemas zur SVP zieht – ist dies bei Ausländern demnach auch so?
Davon kann man ausgehen: Die SVP hat in den letzten Jahren ja kaum ein anderes Thema gehabt.
Die SVP erhalte Schweizer Werte, finden manche Ausländer offenbar.
Aber was sind Schweizer Werte? Und warum soll die SVP den 70 Prozent Nicht-SVP-Wählern vorschreiben, wie diese Werte auszusehen haben?
Gibt es denn Daten bei Eingebürgerten, die Einblick geben könnten, warum Menschen mit Migrationshintergrund die SVP wählen?
Das gibt es leider nicht, was ein Mangel ist. Gerne würde ich das erheben – aber die Kategorien sind sehr schwierig zu erfassen. Schweizer mit Migrationshintergrund – das ist ein sehr weiter, kaum einzuordnender Begriff.
Es ist ein neues Phänomen zu beobachten: Parteien buhlen um Einwanderer und Secondos. Auch die SVP hat die Gruppe «Neue Heimat Schweiz» für Ausländer und Eingebürgerte. Hat die SVP hier noch nicht ausgeschöpftes Potenzial?
Dann müsste sie ja auch für das Ausländerstimmrecht sein. Und das ist sie nicht – wohl aus gutem Grund. Alle Kampagnen der SVP zielen in den letzten Jahren im Kern auf die Abwehr des Fremden. Die grosse Mehrheit der Ausländer fühlt sich durch die ausgrenzenden und pauschalisierenden Argumente der SVP kaum angezogen. (Der Bund)
Erstellt: 21.01.2011, 09:24 Uhr
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1 Kommentar
So ist es nicht,Georg Lutz.Die Ausländer mit SVP Mitgliedschaft sind dankbar,dass sie hier leben dürfen.Sie haben verstanden,dass sie es sind,die sich integrieren müssen.Diese erwarten nicht,dass wir ihnen alles auf dem Präsentierteller bieten müssen und akzeptieren,dass sie erst nach der Einbürgerung stimmen können.Sie wehren sich dagegen,in den Kübel krimineller Landsleute geworfen zu werden. Antworten
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