«Es dauert Jahrzehnte, bis wieder eine Allee herangewachsen ist»

Die Allee-Bäume im Berner Nordquartier bleiben teilweise erhalten. Doch insbesondere die Beseitigung der Allee an der Viktoriastrasse wird im Quartier nach wie vor bedauert.

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Der Umbau der Buslinie 10 zwischen Schliern und Ostermundigen auf Trambetrieb wird konkret: «Wir wollen ein Tram realisieren, und wir wissen auch, wo es durchfahren wird», sagte Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer (SP) vor Monatsfrist. In der nun einsetzenden Phase der Bauprojektierung werde «der einzelne Gartenzaun oder die Lage eines Randsteins im Vordergrund stehen», sagte Egger. In Bern-Nord und in Ostermundigen geht es vorerst aber nicht bloss um Gartenzäune und Randsteine, sondern um die Baumalleen zwischen dem Viktoriaplatz und der Haltestelle Waldeck. Gemäss Vorprojekt hätten diese Baumreihen ausnahmslos dem Tram weichen müssen, was bei vielen Anwohnern auf Widerstand stiess.

Die Verantwortlichen liessen den Abschnitt daher nochmals prüfen und kamen zum Schluss, dass zwei Baumreihen erhalten bleiben können, wie es in einer Mitteilung von Tram Region Bern heisst. Der Berner Gemeinderat hat den Projektanpassungen bereits zugestimmt. Über ein Viertel der rund 300 Bäume, die ursprünglich hätten gefällt werden müssen, können nun bleiben. Alle übrigen Bäume sollen dereinst wieder neu gepflanzt werden.

Rosengarten: Keine separate Spur

Die Allee beim Rosengarten bleibt erhalten, weil die Projektverantwortlichen auf eine Separatspur fürs Tram verzichten. Damit werde die Kapazität der Kreuzung Laubeggstrasse/Ostermundigen-strasse leicht reduziert. «Der Gemeinderat ist überzeugt, dass die dadurch erreichte Verbesserung des Alleeschutzes höher zu gewichten ist als der Nachteil für den Verkehr», heisst es in der Mitteilung weiter.

Gemeinderätin Regula Rytz (GB) weist darauf hin, dass man die zu erwartenden Engpässe auf der genannten Kreuzung durch eine Verbesserung des Verkehrsmanagements aufwiegen könne. Der Kanton erarbeite zurzeit ein überkommunales System der Verkehrssteuerung im Raum Bern-Nord. Konkret gehe es dabei zum Beispiel um eine koordinierte Steuerung der Lichtsignalanlagen, sagt Rytz.

Im Abschnitt Baumgarten haben sogenannte Wurzel-Sondagen dazu geführt, dass die Baumreihe auf der südlichen Strassenseite nicht gefällt werden muss. «In diesem Bereich ist der Wurzeltrieb nicht so stark wie angenommen», sagt Rytz. Bei Aushubarbeiten würde das Wurzelwerk daher nicht beschädigt. Die nördliche Baumreihe im Abschnitt muss hingegen weichen. Um die erforderliche Strassenbreite zu gewährleisten, sollen die neue Alleezeile und die bestehende Mauer «leicht in Richtung der Siedlung Baumgarten verschoben werden», heisst es in der Mitteilung weiter.

Stauraum Ostermundigenstrasse

Kein Pardon gibt es hingegen für die Alleen an der Viktoria- und der Ostermundigenstrasse. Bei der Viktoriastrasse ist es der enge Strassenquerschnitt, der eine Rettung der Bäume verunmöglicht. In der Ostermundigenstrasse wiederum muss das Tram in beide Richtungen in einer Separatspur geführt werden. «Hier braucht es einen Stauraum, damit das Tram in den Stosszeiten nicht stehen bleibt», sagt Rytz. Zudem gebe es im Bereich des Schosshaldenfriedhofs keine Wohnzone, die beeinträchtigt werden könnte. Die Überprüfung der Alleen habe das 550-Millionen-Projekt Tram Region Bern nicht verteuert, sagt Rytz.

Streitpunkt Viktoriastrasse

In ersten Reaktionen stösst vor allem der Verlust der Allee in der Viktoriastrasse auf Bedauern. «Wir haben uns auch in diesem Abschnitt für den Erhalt der Bäume eingesetzt», sagt Anton Maillard, Co-Präsident der Quartierkommission Dialog Nordquartier. Die Verantwortlichen hätten die Beseitigung der Allee aber als unumgänglich bezeichnet, da der Bau der Tramlinie eine Verlegung der Werkleitungen von der Strassenmitte an den Rand erfordere, sagt Maillard. «Es dauert Jahrzehnte, bis wieder eine Allee herangewachsen ist», sagt Yves Robert, Maillards Kollege im Präsidium der Kommission. «Wir erwarten nach wie vor, dass in jedem Fall geprüft wird, ob ein Baum tatsächlich gefällt werden muss oder nicht», sagt Robert.

FDP-Präsidentin Dolores Dana weist darauf hin, dass die Tramlinie an der Viktoriastrasse mitten durch ein Wohngebiet verlaufen werde. «Ohne Allee fährt das Tram den Anwohnern vor der Nase herum.» Im letzten Herbst haben die FDP-Ortsparteien von Bern, Köniz und Ostermundigen die Projektierungskredite fürs Tram Region Bern vergeblich bekämpft.

Dana stellt die Notwendigkeit des Trams auch heute noch in Abrede. Da die Angestellten von Post und Swisscom die Linie 10 in absehbarer Zeit nicht mehr benutzten, sei mit einer Abnahme der Frequenzen zu rechnen. «In Bezug auf die neu entstehenden Arbeitsplätze im Wankdorf wäre der Bau eines Trams auf der Linie 20 wesentlich sinnvoller», sagt Dana.

Pro Velo bleibt skeptisch

«Die Stadt entwickelt und verändert sich» sagt demgegenüber SP-Stadtrat und Quartierbewohner Stefan Jordi. Der Erhalt von Bäumen könne eine Komforteinbusse beim öffentlichen Verkehr nicht rechtfertigen. Die Alleebäume würden schliesslich «irgendwann wieder nachwachsen». Der Präsident von Pro Velo Bern prophezeit, dass die Viktoriastrasse und die Kreuzung Laubegg-strasse/Ostermundigenstrasse beim Bauprojekt noch zu reden geben werden. Insbesondere der Verzicht auf eine separate Tramspur beim Rosengarten könne problematisch werden. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies Verbesserungen für die Velofahrenden bringen wird», sagt Jordi. (Der Bund)

(Erstellt: 18.04.2012, 07:07 Uhr)

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