Eltern fehlt Zeit für den Schulweg
Von Anita Bachmann. Aktualisiert am 09.11.2011 2 Kommentare
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Jeden Morgen und Mittag wiederholt sich die Situation. Dutzende von Schülern und Kindergärtelern strömen Richtung Schulhaus Buchsee in Köniz. Hinter den Hecken der Wohnblöcke oberhalb der Schule kommen immer mehr Kinder mit oder ohne Velo und Trottinett hervor, stürmisch oder vorsichtig überqueren sie den Lilienweg, der sie vom Schulgelände trennt. Eine ältere Autofahrerin sucht offensichtlich etwas am Lilienweg, verlangsamt, fährt wieder an, wendet und braust den Lilienweg wieder herunter. Irgendwie kommen alle aneinander vorbei. Doch nicht alle Eltern vertrauen auf ihr Glück – sie begleiten ihre Sprösslinge.
Eine Mutter führt zwei Mädchen an der Hand über den Mösliweg. Ein Vater begleitet seinen Sohn beim Kreisel über die Landorfstrasse, eilt mit ihm die Abkürzung durchs Quartier hoch und lässt ihn erst kurz vor dem Schulhaus springen, als die Glocke bereits zum Unterricht schellt. Unübersichtlich scheint die Situation rund um die Baustelle am Mösliweg. Die Kinder am Strassenrand sehen nicht auf die Baustellenampel, die den Verkehr vor dem Fussgängerstreifen staut. Das Schülergrüppchen quert die Strasse aber noch gerade rechtzeitig, bevor die Ampel wieder auf Grün schaltet.
«Der Schulweg ist immer ein Thema», sagt Marisa Vifian, Schulleiterin der Primarschule und des Kindergartens Buchsee. Unabhängig von den beiden tragischen Unfällen von vergangenem Mittwoch, wo in Ittigen und Worb zwei Buben auf dem Schulweg getötet worden sind. Weil der Schulweg nicht in der Verantwortung der Schule liegt, arbeitet das Buchsee-Schulhaus eng mit dem Elternrat zusammen. «Zum Schulbeginn verteilten die Eltern Flyer an die Automobilisten, aber auch an andere Eltern, dass sie ihre Kinder nicht in die Schule fahren sollen», sagt Vifian. Bald soll es zudem einen Brief an alle Eltern geben, worin sie angehalten würden, ihre Kinder korrektes Verhalten im Strassenverkehr zu lehren.
Wenig ausgebildete Lotsen
Praktisch verschwunden scheinen die Lotsen, die noch vor wenigen Jahren beinahe an jedem Fussgängerstreifen Kindern beim Schul- und Heimweg über die Strasse halfen. Im Buchsee-Schulhaus in Köniz übernahmen laut Schulleiterin Vifian anfänglich die Kindergärtnerinnen diesen Dienst. Weil ältere Schüler nicht auf die Lotsen geachtet hätten und trotzdem über die Strasse gerannt seien, sei es zu gefährlichen Situationen gekommen. «Diese Verantwortung wollten die Kindergärtnerinnen nicht mehr auf sich nehmen», sagt Vifian. Eine Zeit lang wurde der Lotsendienst noch von Eltern sichergestellt. «Es wurde aber zunehmend schwieriger, Eltern für den Dienst zu finden», sagt Vifian. Nicht zuletzt, weil immer mehr Mütter berufstätig seien.
Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) bestätigt diese Tendenz: Offenbar sei es zunehmend schwierig, Lotsen zu finden, die von der Polizei ausgebildet würden. Während laut BfU 2010 im Kanton Freiburg über 1800 Lotsen ausgebildet wurden, waren es im Kanton Bern nur gerade etwas über 700. Hingegen sind für Kindergärteler und Erstklässler im Buchsee-Schulhaus Pedibusse entstanden. Beim Pedibus begleitet eine erwachsene Person mehrere Kinder zu vereinbarten Zeiten auf einer vorgegebenen Route mit Haltestellen, wo die Kinder dazustossen können.
Pensionäre gesucht
Für das «dunkle Quartal» soll nun auch für die jüngsten Verkehrsteilnehmer des Quartiers Aaregg eine Begleitung lanciert werden. Noch vor gut einer Woche schilderte Sabine Kernen, eine Mutter aus dem Quartier, dem «Bund», dass sie vergeblich versucht, habe einen Pedibus auf die Beine zu stellen. Auch aufgrund der Unfälle von letzter Woche wolle der Elternrat des Schulkreises Länggasse nun vorwärtsmachen. Man wolle versuchen über Benevol, die Fach- und Vermittlungsstelle für Freiwilligenarbeit, Personen zu finden, die an den neuralgischen Stellen Unterstützung bieten. Auch der Verkehrs-Club Schweiz (VCS) habe Hilfe bei der Suche nach Leuten im Pensionsalter zugesichert, sagt Kernen.
Wie wichtig es ist, dass Kinder ihren Schulweg selber gehen können, betont David Schmid, Abteilungsleiter der kantonalen Erziehungsberatung. Einerseits gefährdeten Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto in die Schule fahren, die anderen Kinder. Andererseits würden die Kindergärteler und Schüler nicht mehr lernen, sich selber zurechtzufinden. «Sie müssen lernen, sich in den Städten zu bewegen», sagt Schmid. Kleine Kinder auf dem Schulweg zu begleiten, befürwortet er aber trotzdem: «Rein von der Körpergrösse her, sind sie im Strassenverkehr weniger gut sichtbar», sagt er. Was letzte Woche passiert sei, sei sehr tragisch, sagt Schmid. Aber vielleicht trage es zur Sensibilisierung bei. «Es wird immer noch zu wenig gemacht», sagt er. Es brauche dringend mehr Verkehrsberuhigungen und Kontrollen im Bereich der Schulhäuser. (Der Bund)
Erstellt: 09.11.2011, 08:28 Uhr
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2 Kommentare
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Bei jedem tödlichen Unfall wird die Leitung desjenigen Bundesamtes, welches das Handzeichen aufgehoben hat, wegen Kausalhaftung, zur Mitverantwortung gezogen. Die seinerzeitige Aufhebung des Handzeichens hat doch zu vielen tödlichen Unfallen geführt.
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