Bern
Eine Stadt voller Ungetüme
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In der Nacht auf Montag trieb sich ein Monstrum im Breitenrain umher: ein Schienenhobel. Die 95 Tonnen schwere Maschine des Zürcher Bauunternehmens Kibag wurde um 23 Uhr angeliefert - und nahm um ein Uhr ihren Dienst auf. Viereinhalb Stunden später hatte der furchteinflössende Bagger seine Schuldigkeit getan und konnte vom Schwertransporter wieder abgeholt werden - unter Polizeischutz wurde die Maschine zurückgeschleppt (in jedem Kanton von der jeweiligen Kantonspolizei).
800 Meter Gleise riss der Schienenhobel gestern aus dem Asphalt beim Viktoriaplatz und im hinteren Teil des Quartiers. Am Nachmittag waren die Gleise und der Aushub bereits abtransportiert, am Mittwoch werden neue Gleise montiert. «Mit konventionellen Baggern hätte der Gleisabbruch für dieselbe Strecke 14 Tage gedauert», sagt der Bauchef von Bernmobil, Hansueli Sollberger.
«Man muss sie konzentriert einsetzen»
Was der Einsatz der effizienten Monstermaschine kostet, will Sollberger nicht beziffern, aber er meint schmunzelnd: «Man muss sie konzentriert einsetzen - ein paar Tage herumstehen lassen wäre schade ums Geld.» Im letzten Sommer war der Schienenhobel eines anderen Bauunternehmens schon beim Zytglogge zu bestaunen, als dort das Weichendreieck saniert wurde. Im nächsten Jahr wird sich ein Schienenhobel durch die Marktgasse pflügen - sofern die Bevölkerung dem Kredit zur Marktgasse-Sanierung im September zustimmt.
Baustellen an jeder Ecke
Es ist nicht die einzige spektakuläre Baumaschine, die es zurzeit in Bern zu entdecken gibt. Es ist Sommer in der Stadt - und das heisst: Baustellen an jeder Ecke. In der Genfergasse war am Montag ein 35 Meter hoher Mobilbaukran im Einsatz, ein Spierings AT6. Die Besitzerin, das Schwertransporte-Unternehmen Affolter AG aus Schüpfen, nennt den Star ihrer Flotte liebevoll «Moby Dick». Das Familienunternehmen, das heuer sein 50-Jahr-Jubiläum feiert, hat inzwischen sogar zwei Exemplare des 72-Tönners, dazu ein nicht viel kleineres Modell der Firma Liebherr, das zurzeit in der Neuengasse steht.
Ernst Affolter führt das Unternehmen zusammen mit seinem Bruder und ist - anders als seine Maschinen - ein bescheidener Typ. «Der grösste Mobilbaukran der Region» hat er auf seinen Spierings-Kran schreiben lassen - dabei handelt es sich sogar um den grössten Mobilbaukran der Welt. «Wir überzeugen lieber mit Leistung als mit grossen Worten», meint Affolter.
Der Kranführer muss nicht vom Boden aus navigieren
Zum Anschaffungspreis des Monstrums, das seinen Arm sechzig Meter weit ausstrecken kann (was in der Bausprache Ausladung genannt wird), gibt er sich auch lieber einsilbig. Der Wert liege aber über einer Million Franken. Dafür bringt ein Mobilbaukran viele Vorteile: Anders als ein herkömmlicher Kran muss er nicht aufgebaut werden. Und anders als ein Pneukran hat er eine fahrbare Kabine, dadurch muss der Kranführer nicht vom Boden aus navigieren.
Auf der Baustelle in der Genfergasse heisst das konkret: Der Kranführer sieht aufs Dach des Amtshauses, wo er Material hin und her transportiert. Insgesamt acht Tage war «Moby Dick» in Bern im Einsatz. Eigentlich endete das Gastspiel gestern, es sei aber möglich, dass der Spierings in den nächsten Tagen nochmals benötigt werde, so Affolter.
Der Pneukran kommt wieder, wenn der Wasserstand tief ist
Weniger gern gesehen sind spektakuläre Krane im Mattequartier. Das kann nämlich drohendes Hochwasser bedeuten - wie letzte Woche, als das Unternehmen Zaugg im Auftrag der Stadt einen Pneukran auffuhr. Der Kran entfernte Schwellenelemente, damit sich das Schwemmholz nicht wie 2005 stauen konnte. Zudem fischte der Kran gegen 200 Tonnen Schwemmholz aus der Aare.
Die Elemente sind bislang nicht wieder eingesetzt – dies könne erst geschehen, wenn der Wasserstand tief ist, sagt Franz Märki, Sprecher der Berufsfeuerwehr. Bis der bullige Pneukran wieder in der Matte auftaucht, könne es daher Spätherbst werden. (Der Bund)
Erstellt: 17.07.2012, 10:00 Uhr
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