Bern

Eine Metro – und eine Einkaufstadt unter der Stadt

Von Timo Kollbruner. Aktualisiert am 13.01.2012 14 Kommentare

Die Entente Bernoise treibt die Vision einer Metro für Bern voran. Eine Aktiengesellschaft soll die Pläne für eine unterirdische Tramführung inklusive Shoppingmeile konkretisieren.

Es ist eng in der Innenstadt – und die Entente Bernoise verfolgt die Metro-Vision weiter.

Es ist eng in der Innenstadt – und die Entente Bernoise verfolgt die Metro-Vision weiter.
Bild: Adrian Moser

Der bürgerliche Verein Entente Bernoise verfolgt seine kühne Vision weiter: In 25 bis 30 Jahren soll die Stadt Bern über eine Metro verfügen. Ungestörtes Flanieren statt «Tramwände» in den Hauptgassen – seit sechzehn Jahren arbeitet die Vereinigung an dieser Idee. 1996 schlug sie erstmals eine Tieflegung der Tramlinien vor. Eine Stadt, die nicht mehr in die Breite wachsen könne, müsse die dritte Dimension nutzen, ist ihre Überzeugung. Das Problem des Tramverkehrs in der Innenstadt könne «nur vertikal» gelöst werden.

Am Donnerstag hat der Verein den neusten Stand seiner Idee präsentiert – und erstmals die Ideallinie vorgestellt, die ihm vorschwebt. Die Linien 9 und 10 sollen an der Oberfläche belassen werden – Letztere natürlich nur, sofern das geplante Tram Region Bern, das Ostermundigen, die Stadt Bern und Schliern verbinden soll, tatsächlich realisiert wird. Die Linien 6, 7 und 8 dagegen würden an der Belpstrasse in den Boden geleitet und dann unter dem Bubenbergplatz, dem Bahnhof, der Spital- und der Marktgasse und dem Zytglogge hindurch zur Kirchenfeldbrücke geführt. Das wären insgesamt 870 Schienenmeter unter Tage.

Entlang der Tramgleise sollten Läden Einzug halten – eine Einkaufstadt unter der Stadt. Unterirdischer Raum von etwa 13'000 Quadratmeter würde gemäss Berechnungen der Entente entstehen. Unter dem Bubenbergplatz, wo es am meisten Raum gäbe, käme das «Ballungszentrum» der Einkaufsmeile zu liegen – und es entstünde, verbunden mit dem Hauptbahnhof, ein unterirdischer «ÖV-Knoten».

Baukosten von 1,5 Milliarden

Insgesamt rechnet die Entente Bernoise mit Baukosten von 1,5 Milliarden Franken. Urs Rothen, Vorstandsmitglied der Entente Bernoise und bei der Firma Weiss + Appetito angestellt, sagte gestern: «Die Finanzierung wird sicher kein Problem sein.» Als Weg zur Finanzierung schwebt der Vereinigung ein Public-Private-Partnership-Projekt (PPP) vor. Ein privates Totalunternehmen würde die unterirdische Shoppingmeile inklusive Metro bauen, der Kanton würde das Bauwerk über einen bestimmten Zeitraum «mieten». In Afrika oder Südamerika seien nach diesem Modell grosse Projekte Realität geworden, sagte Rothen. Und für einen Investor gebe es kaum einen attraktiveren Ort als die Hauptstadt der Schweiz.

Das Projekt befinde sich nach wie vor in der Phase der strategischen Abklärungen, wurde betont. Doch bald soll es konkreter werden. Spätestens in acht Wochen werde die «Projekt Metro AG» gegründet, die das Vorhaben weiter ausarbeiten werde, sagte Urs Rothen. Dessen Arbeitgeber Weiss + Appetito wird die Gründung in die Wege leiten. Der Verein ist überzeugt: Ob die Vision irgendwann Realität werde, hänge eher vom politischen Willen als von der Finanzierung ab.

Die potenziellen Projektpartner – Bernmobil, die Stadt, der Kanton, Liegenschaftseigentümer und Ladenbesitzer – wollen sie «schrittweise einbinden». Man gehe «subtil» vor, sagte Willi Fischer, der Verfasser der jüngsten Studie, man wolle «mit immer präziseren Angaben Vertrauen gewinnen». Noch seien die Kontakte lose, aber immerhin begutachte die Stadt das Projekt im Rahmen der Zweckmässigkeitsprüfung für eine zweite Tramachse. Die Stadt arbeitet derzeit Varianten aus für eine Tramachse zur Entlastung von Hirschengraben, Spital- und Marktgasse. Denn wenn dereinst das Tram Region Bern in Betrieb ist, wird es dort noch enger. Schon heute fahren pro Stunde 52 Trams und Busse durch die Hauptgassen.

Stadt hat Vision nicht geprüft

Hugo Staub, der Leiter der städtischen Verkehrsplanung, sagt allerdings auf Anfrage: «Es stimmt nicht, dass wir die Vision der Entente Bernoise prüfen.» Bei deren Vorschlag gehe es nicht um eine reine Verkehrslösung. «Sie planen eine unterirdische Stadterweiterung.» Die Stadt Bern dagegen habe den Auftrag, Klarheit über die Route und die Finanzierbarkeit einer zweiten Tramachse zu schaffen – und zwar bis zur Volksabstimmung über das Tram Region Bern, die 2014 stattfinden soll. Man habe verschiedene Möglichkeiten durchgespielt, sagt Hugo Staub. «Wir haben uns auch mit unterirdischen Lösungen befasst.» Die Stadt müsse jedoch eine Variante erarbeiten, die sich «in nützlicher Frist» realisieren lasse. Bei einer unterirdischen Lösung wäre dies kaum der Fall.

Auch bei Bernmobil tönt es zurückhaltend. «Es liegt nicht an uns, zu beurteilen, ob diese Vision realistisch ist», sagt Sprecherin Annegret Hewlett auf Anfrage. (Der Bund)

Erstellt: 13.01.2012, 08:49 Uhr

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14 Kommentare

Matthias Zurbrügg

13.01.2012, 11:32 Uhr
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Bereits vor 6 Jahren hat die Vereinigung "GAGU" im Wahlkampf eine Metro für Bern gefordert; einige Medien haben gar entsprechend getitelt. Dass nun eine rechtsbürgerliche Vereinigung diese Forderung als ihre Vision verkauft ist unlauter und geht auf keine Kuhhaut! Antworten


Rudolf Steiner

13.01.2012, 09:22 Uhr
Melden 10 Empfehlung

Alles andere als sämtliche Tramlinien in Spital- und Marktgasse in den Untergrund zu versetzen ist ein Witz, die daraus resultierende Fussgängerzone inkl. Einkaufsmeile wäre schon Gewinn genug für die Stadt Bern. Neue und zusätzliche Geschäfte brauchen wir kaum. Antworten



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