Ein spannendes Experiment

Ein Theater-Provisorium mitten in der Stadt ist eine Chance – für Konzert Theater Bern, aber auch für die Belebung des Waisenhausplatzes.

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Die Finanzierung der geplanten Ersatzspielstätte für das Stadttheater ist noch nicht gesichert. Auch sind langwierige Einspracheverhandlungen nicht auszuschliessen. Das sind Risiken, nicht nur für die komplexe, zeitlich bereits verzögerte Sanierung des Berner Stadttheaters, sondern auch für die Fortführung des Spielbetriebs. Trotzdem bietet sich jetzt die Chance, dass das Stück für das Theater am Schluss möglicherweise gut ausgeht.

Mit dem geplanten Kubus könnte die Stadt Bern die Kurve in der beschwerlichen Sanierung des 1903 eröffneten, schützenswerten Baudenkmals am Kornhausplatz doch noch kriegen. Und zwar buchstäblich. Der Theaterbesucher muss zwischen März und Oktober 2016 beim Stadttheater nur rasch um die Ecke biegen, um auf dem Waisenhausplatz in der Ersatzspielstätte zwischen Marktständen, Restaurants und Kantonspolizei die Vorstellung verfolgen zu können.

Aussergewöhnliches Erlebnis

Für den regelmässigen Geniesser der Theaterkunst im neoklassizistischen Bau mag dies gewöhnungsbedürftig sein. Sofern es mit der Akustik und der Technik klappt, könnte der Besuch im Theaterkubus aber nicht nur eine notwendige Abwechslung werden, sondern auch ein aussergewöhnliches Erlebnis. So oder so ist der kurzfristige Umzug der Schauspielstätte ein spannendes kulturpolitisches Experiment mit Symbolcharakter.

Das Theater stellt sich statt an den Stadtrand oder gar in eine Nachbargemeinde mitten in die Bundesstadt. Damit kann es sich breiteren und jüngeren Bevölkerungsschichten präsentieren. Mit dem schlichten Auftritt auf dem Waisenhausplatz könnte das Stadttheater im besten Fall sogar jenes elitäre Image ablegen, das es in gewissen Kreisen immer noch hat.

Wie nachhaltig dies sein wird, ist zwar offen. Gleichwohl dürfte image- und marketingmässig der Schauspielbetrieb profitieren. Zugleich hilft die Theaterszene mit, einen der nutz- und konzeptlosesten Plätze Berns zu beleben. Und die Gastronomen, die jetzt um Umsatzeinbussen fürchten, werden am Schluss wohl mehr gewinnen statt verlieren.

Erstellt: 20.05.2015, 20:20 Uhr

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