Ein beinahe pfundiges Vergnügen
Von Simon Wälti. Aktualisiert am 06.10.2011 1 Kommentar
«Grosse Aufgabe für die Post»
Beim Versand der Unterlagen für die eidgenössischen Wahlen vom 23. Oktober gibt es laut der Staatskanzlei im Kanton Bern bisher keine Panne. Auch der Post sind für den Kanton Bern keine Probleme bekannt. Im luzernischen Ebikon wurden jedoch einigen Stimmbürger offene und zum Teil beschädigte Kuverts zugestellt. Im Kanton Solothurn haben rund 20 Personen unvollständige Unterlagen erhalten. Der Fehler lag hier aber bei einer Zulieferfirma.
In kurzer Zeit würden schweizweit über fünf Millionen Wahlkuverts verschickt, sagt Post-Mediensprecher Mariano Masserini. Hinzu kämen rund zwei Millionen Personen, die brieflich abstimmten. «Das ist eine grosse Aufgabe für die Post. Ein Versand ganz ohne Beschädigungen ist bei so hohen Zahlen nicht möglich.» Im Vergleich dazu handle es sich aber nur um eine geringe Zahl von Beschädigungen. Manchmal liege das Problem auch nicht bei der Post, sondern bei der schlechten Verpackung. «Wir haben bisher noch immer eine Lösung gefunden», so Masserini.
Im März 2010 meldete die Gemeinde Saanen, 922 von total 3000 Wahlkuverts seien im Verteilzentrum Härkingen beschädigt worden. In der dortigen «Briefklinik» wurden die Kuverts repariert oder in neue Umschläge gesteckt, welche die Gemeinde geliefert hatte.
Stichworte
Das Kuvert mit dem Wahlmaterial für den 23. Oktober hat etwas Elefantenartiges an sich: Es ist grau, schwer und dick. Eine Messung auf der Briefwaage im Postbüro des «Bund» ergab ein Gewicht von 405 Gramm. Laut Ulrich Guggisberg von der Schul- und Büromaterialzentrale der Stadt Bern sind es sogar 407 Gramm. Nicht alle Waagen messen genau gleich.
Rund 712'000 Wahlcouverts werden in diesen Tagen im Kanton Bern verschickt, für die Stadt Bern liegt die Zahl bei 85'000 – inklusive 2300 Auslandschweizer. Das sind 34,6 Tonnen Papier für die Stadt Bern, 289,8 Tonnen für den Kanton Bern, und für die ganze Schweiz mit den über 5 Millionen Stimmberechtigten ist mit etwa 1500 bis 2000 Tonnen Material zu rechnen – nicht alle Kuverts dürften so schwer sein wie diejenigen im Kanton Bern, wo 545 Kandidierende auf 28 Listen antreten. Umgerechnet in Elefanten wären es, wenn wir uns an einem Durchschnittsgewicht eines afrikanischen Elefantenbullen von fünf Tonnen orientieren, 58 Tiere (Kanton Bern) und 300 bis 400 für die ganze Schweiz. Aneinandergereiht ergäbe dies – über den Daumen gepeilt – eine Dickhäuterkolonne vom Erlacherhof bis zum Bundeshaus.
Versand hat am Montag begonnen
Wir wollen hier den Vergleich mit Elefanten nicht auf die Spitze treiben und schreiben darum nicht, wer von den Kandidierenden die dickste Haut, die breitflächigsten Ohren oder den grössten Rüssel hat – und auch nicht, wer sich am ehesten für eine Elefantenrunde oder einen Porzellanladen eignet. Vielmehr richten wir den Scheinwerfer auf die Logistik. Es ist ein komplexes Zusammenspiel von Bund, Kanton, Gemeinden, privaten Druckund Verpackungsunternehmen sowie der Post. Viele Räder müssen ineinandergreifen, bis die Stimmbürger ihre Unterlagen im Briefkasten haben.
Der Versand der Kuverts in der Stadt Bern habe am Montag begonnen, sagt Christa Hostettler, Vizestadtschreiberin und Abstimmungsleiterin der Stadt Bern. «Bis morgen Freitag sollten alle Wählerinnen und Wähler das Material erhalten haben.» Nur wer gerade umgezogen ist, muss unter Umständen noch ein bisschen länger Geduld haben. Die Adressen wurden vor drei Wochen zum letzten Mal aufbereitet. Das Gesetz über die politischen Rechte im Kanton Bern schreibt vor, dass die Wahlunterlagen frühestens 20 Tage und spätestens 10 Tage vor den Wahlen dem Stimmbürger zugestellt werden. Für Abstimmungen gilt dagegen eine Frist von 3 Wochen.
Nicht via Härkingen
Das sogenannte Propagandamaterial enthält die Prospekte der Parteien. Zuoberst wird mit SVP-Kandidat Adrian Amstutz (Liste 1) die Schweiz gestärkt, zuunterst wehren sich die Unterdrückten von der PdA (Liste 28) gegen die Fremdbestimmung. In der Stadt Bern wurde das Werbematerial separat von der Buchbinderei Schlatter in eine Plastikfolie eingeschweisst, «Dort geschieht das maschinell», sagt Ulrich Guggisberg von der Schul- und Büromaterialzentrale. «Sonst müssten wir für diese Arbeit eine sehr grosse Zahl von Leuten einstellen.» Anschliessend wurden die Prospekte zusammen mit dem amtlichen Wahlmaterial, dem Infobüchlein der Bundeskanzlei und dem Stimmrechtsausweis von der AWZ verpackt. Die Auslieferung erfolgt durch die Post, die Tarife für einen Brief bis 500 Gramm (Format bis B4 und 2 Zentimeter Dicke) betragen Fr. 1.80 für B-Post.
Die Stadt Bern erhält aus zwei Gründen einen beträchtlichen Preisnachlass: wegen der Grösse der Sendung, und weil die Kuverts «routensortiert » sind, wie Guggisberg erklärt. Er rechnet deshalb mit einem Preis von rund Fr. 1.10 pro Brief. Auf dem Stimmrechtsausweis ist rechts über der Adresse des Empfängers eine Nummer zu finden. Im vorliegenden Fall ist es die Nummer 00004. Damit ist klar, welche «Pösteler» zum Zug kommen. Die Briefe müssen also nicht erst durch das Verteilzentrum in Härkingen im Kanton Solothurn geschleust werden. Das hat auch den Vorteil, dass die Sendungen nicht irgendwo hängen bleiben können oder gar durch gefrässige Maschinen zerrissen werden.
Pfund-Schallmauer darf durchbrochen werden
Einen Kniff musste Ulrich Guggisberg vor drei Jahren bei den Gemeindewahlen anwenden. Das Gewicht der Sendung lag zwar noch knapp unter der 500-Gramm-Schwelle, doch die Mächtigkeit des Papierstosses betrug mehr als zwei Zentimeter. «Wir teilten die Unterlagen in zwei Hälften und verpackten sie nebeneinander in ein C4 Kuvert.» Sind Briefe dicker als zwei Zentimeter, kann es beim Einwerfen in die Briefkästen eng werden. Im Kanton Bern werden die amtlichen Unterlagen und die Prospekte der Parteien immer gemeinsam verschickt – im Kanton Freiburg zum Beispiel erfolge dies separat, sagt Guggisberg.
Die Kosten für den Versand teilen sich die Gemeinden mit dem Kanton, wie Christa Hostettler sagt: «Die Gemeinden zahlen für das amtliche Material, der Kanton für die Werbeprospekte.» Die Versandkosten für die Stadt beziffert Hostettler auf etwa 60'000 Franken. Gemäss Angaben der Staatskanzlei beliefen sich die Druckkosten für den Kanton Bern bei den National- und Ständeratswahlen von 2007 auf 325'845 Franken. Weiter wurde den Gemeinden das Porto für das Werbematerial von 244'000 vergütet. Insgesamt ergab dies also Kosten von 569'845 Franken.
Theoretisch wäre in diesem Jahr übrigens das Durchbrechen der Pfund-Schallmauer möglich gewesen. Der Kanton hat das Maximalgewicht «pro Liste inkl. Werbematerial» um drei Gramm auf 23 Gramm erhöht. Bei 28 Listen käme man also auf ein Gewicht von 644 Gramm. Wenn die Parteien ihren Spielraum ausgereizt hätten, wären die Kosten rund auf das doppelte angewachsen. Die Post verlangt für einen Grossbrief ab 501 Gramm Gewicht Fr. 3.60 (B-Post). (Der Bund)
Erstellt: 06.10.2011, 07:14 Uhr
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1 Kommentar
Ich bin froh wenn das durch ist... überall die Köpfe (haben eigentlich ein Grossteil der Politiker den selben Coiffeur?) auf Plakaten die einem anlachen (traue keinem Menschen, der so lächelt - der führt was im Schilde) und dann müllen sämtliche Parteien auch noch meinen Briefkasten zu - obwohl ich keine Werbung wünsche - und was ist Propaganda anderes als Werbung... ?! Antworten
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