Bern
«Ein aussergewöhnlich schlechter Sommer»
Von Joël Baumann. Aktualisiert am 18.07.2012
Ausnahme Eichholz
Keine Auswirkungen spürt man im Camping Eichholz. Zwischen Mai und Juli habe man sogar einen kleinen Überschuss erwirtschaften können, sagt Anlagechef Beat Müller. Und manchmal sind bei schlechtem Wetter sogar mehr Besucher auf dem Campingplatz. Wie das? «Die Gäste kommen aus dem Oberland runter und wollen Bern sehen. So ist der Campingplatz immer voll». Laut Müller sind aber die ersten beiden Augustwochen für eine gute Saison entscheidend.
Die Liegewiese sei zwar gähnend leer, aber es habe sogar bei schlechtem Wetter immer ein paar Leute. Dies hänge mit der Anti-Littering-Kampagne der Stadt zusammen, sagt Müller. Dank dieser wüssten die Leute, dass im Eichholz gratis Holz zur Verfügung stehe. «Jetzt sitzen die sogar bei Regen unter ihrer Blache und halten ihre Cervelats übers Feuer».
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Hochwassergefahr, verregnete Wochenenden und weiterhin kühle Aussentemperaturen: Der Sommer kommt nicht in die Gänge. Besonders die Freibäder der Stadt Bern spüren die widrigen Bedingungen. Denn wo sich in den Sommermonaten traditionell «tout Berne» tummelt, herrscht momentan gähnende Leere.
Hört man sich bei den Freibad-Betreibern um, erhält man überall die gleiche Antwort: «Bis jetzt läuft es sehr schlecht». Mario Amman vom Wylerbad sagt: «Man macht sich schon seine Gedanken, wenn das Bad zu Beginn der Schulferien komplett leer ist.»
Beim Wyler kommt ein Umstand erschwerend hinzu: Das Hallenbad ist wegen Revisionsarbeiten geschlossen – und dort würden im Normalfall ein paar Leute kommen. «Aber durch die Schliessung haben wir eine durchschnittliche Flaute».
Immerhin kämen die «Hardcore-Schwimmer» und die Triathleten. Aber im Vergleich zu den 5'000 Besuchern vom letzten Juli sind die 50 hartgesottenen Schwimmer nur ein «Tropfen auf den kühlen Stein».
Putzen statt Aufsicht
Ähnlich sieht das Martin König, Anlagechef im Marzili: « Wir haben immer ein paar Leute auf den Holzpritschen, die Morgenschwimmer spulen ihr Längenpensum ab. Aber dieser Sommer ist bisher schon aussergewöhnlich schlecht». König hofft auf ein stationäres Hoch während den Sommerferien, welches auch die derzeit 15 Grad kalte Aare erwärmen würde. «Unter 17 Grad steigt der normale Marzilibesucher nicht in die Aare – das spüren wir dann auch bei den Becken».
Noch hofft man in Berns Freibäder auf eine Rettung der Saison durch die letzten zwei Ferienwochen – etwa in den Ka-We-De. Doch gut sieht es nicht aus, denn bis Mitte Juli habe man erst 2'000 Besucher verzeichnen können – nichts im Vergleich zum Rekordjahr 2006, als man im Juli 27'000 Besucher zählen konnte.
Derweil widmet sich das Badi-Personal einfach anderen Arbeiten – Reinigungs- oder Flickarbeiten. «Aber wir sind natürlich froh, wenn bei schönem Wetter die Leute wieder kommen. Und dann verschiebt sich die Priorität wieder weg vom Putzen hin zur Aufsicht», sagt Amman.
Abkühlung nach kurzer Wärmephase
Eine erste Chance, die Freibäder aufzusuchen, bietet sich etwa morgen Mittwoch: Gemäss Prognosen soll die Lufttemperatur wieder einmal über die 23 Grad-Marke steigen.
Doch die nächste Abkühlung folgt auf dem Fuss: Am Wochenende liegen die Aussentemperaturen nurmehr bei 19 Grad. Eine längere Schönwetterphase käme auch überraschend – in diesem aussergewöhnlich schlechten Sommer. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.07.2012, 13:35 Uhr
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