Bern

«Ein abenteuerlustiger Geist mit vielen Ideen»

Von Marianne Mühlemann. Aktualisiert am 30.06.2011 1 Kommentar

Gestern hat der Stiftungsrat von Konzert Theater Bern (KTB) den gebürtigen Basler Xavier Zuber zum neuen Leiter Musik ernannt. Der 44-Jährige möchte in Bern den regen Austausch zwischen den Sparten initiieren und neue Wege zum Publikum finden.

«Ein Glücksfall für Bern»: Xavier Zuber, der neue Leiter Musik von Konzert Theater Bern. (zvg)

«Ein Glücksfall für Bern»: Xavier Zuber, der neue Leiter Musik von Konzert Theater Bern. (zvg)

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Stefan Märki ist erleichtert, dass er mit Xavier Zuber als Leiter Musik eine erste wichtige Position in der neuen Organisation Konzert Theater Bern besetzen konnte. Um einen Entscheid zur Leitung der beiden Sparten Ballett und Schauspiel fällen zu können, brauche er nun noch ein bisschen mehr Zeit. «Im Herbst wird es aber so weit sein», verspricht der Direktor von Konzert Theater Bern.

Sowohl Ballettchefin Cathy Marston als auch Schauspielleiter Erich Sidler haben signalisiert, dass sie unter bestimmten Bedingungen gerne in Bern bleiben würden, um ihre Arbeit weiterzuführen. Ihnen ist vom Stiftungsrat Konzert Theater Bern ein Angebot für eine Vertragsverlängerung bis Sommer 2013 vorgelegt worden, das beide aber noch nicht unterschrieben haben. «Ich bin mit Erich Sidler und Cathy Marston im Gespräch», sagt Märki. «Bei der Wahl ist mir sehr wichtig, dass die Spartenleiter als Team funktionieren und am Theater und mit dem Orchester eine bereichsübergreifende Zusammenarbeit möglich ist.»

Kein Abbau beim Orchester

Alle weiteren Mitarbeiter am Stadttheater und des Berner Symphonieorchesters erhalten neue Verträge mit der Organisation Konzert Theater Bern. Sie sind ab 1. Juli 2011 gültig und lauten gleich wie die alten. In den künstlerischen Bereichen hat fast das ganze Personal Verträge mit einer Laufzeit von einer Saison, die neuen dauern nun also bis Mitte 2012. Wer von den Schauspielerinnen und Tänzern, Sängerinnen und Dramaturgen weiter am Stadttheater engagiert bleibt, ist zurzeit nicht absehbar, da es in der Theaterwelt üblich ist, dass ein neuer Intendant auch ein neues Team zusammenstellt. «Auch hier werden im Herbst die Entscheide fallen», verspricht Stefan Märki. Keine personellen Veränderungen sind gemäss dem Intendanten beim Berner Symphonieorchester vorgesehen. «Für das, was wir im Sinn haben, brauchen wir alle Musikerinnen und Musiker des Orchesters.» Auch in der technischen Abteilung sei kein Abbau geplant, sei diese doch auch nach der Fusion nicht überdotiert.

Synergien in der Administration

Einzig in der Administration sind nach der Zusammenführung von Stadttheater und Berner Symphonieorchester (BSO) Stellen doppelt besetzt. «Der finanzielle Rahmen bleibt für die neue Organisation der gleiche, und in den administrativen Bereichen können wir nun Synergien nutzen», sagt Märki. «Jeder Franken, den wir dort einsparen, werden wir in die Kunst investieren.» (bnb)

«Eine Persönlichkeit wie Xavier Zuber kann man nicht von heute auf morgen aus dem Hut zaubern», sagt Stefan Märki. Schon seit längerer Zeit war er mit Zuber im Gespräch gewesen. Für den Direktor der neuen Organisation Konzert Theater Bern KTB hatte die Besetzung der Schlüsselstelle Leiter Musik oberste Priorität. Die Wahl ist Märkis erster wichtiger Personalentscheid.

Xavier Zuber heisst er also, der 44-Jährige, ein gebürtiger Basler und derzeit noch in Stuttgart engagiert. Dass er sich für Bern entschieden hat, obwohl er auch in Deutschland ein gefragter Mann ist, ist für Märki «ein grosser Glücksfall». Mit der Wahl des Baslers ist die KTB sozusagen in Schweizer Hand: BSO-Chefdirigent Mario Venzago ist ein Zürcher mit Tessiner Wurzeln und Stephan Märki, der Ende Mai neu gewählte KTB-Direktor, ein Berner. Bei Xavier Zuber werden künftig die Geschicke des Konzert- und des Musiktheaters zusammenlaufen. Er kenne die schweizerische Theaterlandschaft und -kultur hervorragend, so Märki, und verfüge zudem über ein hochkarätiges Netzwerk: «Da wird es künftig auch viele Mitglieder seiner Künstlerfamilie nach Bern ziehen.»

Kein Verwaltungsmensch

Was die komplexe Disposition betrifft – die planerische Koordination zwischen dem Berner Symphonieorchester (BSO) und dem Stadttheater –, werde Zuber die Planung gemeinsam mit Chefdirigent Mario Venzago an die Hand nehmen. «Falls sie sich einmal nicht einigen können, liegt der Stichentscheid bei mir.» Venzago ist begeistert von Zubers Wahl. Er sei ein Glücksfall, weil er sich sowohl in der Oper- und Theaterlandschaft wie auch im sinfonischen Bereich auskenne. Zuber sei in seinem Wesen «mehr Künstler als Verwaltungsmensch», so Venzago, und ein «abenteuerlustiger Geist mit vielen Ideen». Es beglücke ihn, einen derart vielseitigen Musikfachmann als Partner im Boot zu haben. Er ist überzeugt, dass nun auch die Oper rasch an Fahrt gewinnen werde. «Es herrscht ein grosses Potenzial in der Stadt Bern, das es zu bündeln und zu nutzen gilt. Das freundschaftliche Verhältnis zwischen Märki, Zuber und mir wird eine gute und fruchtbare Basis bilden für die künstlerische Arbeit.»

«Den anderen Blick suchen»

Dass Xavier Zuber, der neue Leiter Musik, auch eine Affinität fürs Zeitgenössische hegt, zeigt sein Curriculum. Zuber ist aktuell leitender Dramaturg an der Staatsoper Stuttgart. Zuvor war er auch als Dramaturg am Theater Basel und an der Staatsoper Hannover tätig und arbeitete an Häusern in Frankreich, Belgien und Spanien. Er sammelte Erfahrungen mit dem kontrovers diskutierten spanischen Regisseur Calixto Bieto, aber auch mit Regisseuren wie Jürgen Gosch, Nigel Lowery, Sebastian Nübling oder Herbert Wernicke. Er ist Geschäftsführer und Dramaturg von «Zeitoper», einer Reihe, die dem zeitgenössischen Musiktheater verpflichtet ist. Als Berater des Programmausschusses unterstützt er die Junge Deutsche Philharmonie und gilt hier als Künstler, der stets den «neuen Ansatz» sucht, den «anderen Blick, das aktuell Brisante».

Und was sagt der Gewählte selbst zu seiner Wahl? Der Designierte nimmt das Telefon zwischen zwei Sitzungen in Stuttgart ab. Sein Baseldeutsch ist sympathisch und dezidiert. Was ihn reize, ausgerechnet nach Bern zu kommen? «Das Neue, der Umbruch», sagt Zuber. «Ich möchte bei den Veränderungen in Bern mitarbeiten.» Dass er in einem Vierspartenhaus «Inhalte zusammenführen» und Verbindungen zwischen den Sparten initiieren kann, ist ein weiterer Punkt, weshalb er sich auf den Neuanfang freut.

Berns «Topografie ausloten»

Noch weiss er wenig über die Bundesstadt. Auch vom emotionellen Auf und Ab der letzten Jahre scheint er keine konkrete Kenntnis zu haben. Es stört ihn nicht, er blickt in die Zukunft. «Ich bin offen und unvoreingenommen und scheue mich nicht vor Diskussionen.» Es werde eine seiner ersten Aufgaben sein, «viele Leute aus den unterschiedlichsten Szenen, Generationen und Schichten zu treffen, um herauszufinden, welches Klima und welche kulturelle Topografie in Bern herrscht.» Auch die Beziehung zum Publikum und wie sie sich in den letzten Jahren entwickelt hat, ist ihm ein Anliegen. Vermittlung ist ein Wort, das er mehrmals braucht. Und immer wieder spricht er von Inhalten, die er schaffen möchte.

Bei den Inhalten verortet er seine künstlerische Arbeit. «Es ist wichtig, dass ein Theater Haltungen, Positionen vermittelt. Sie sind es doch, die ein Theater erst interessant machen und es legitimieren. Das Publikum soll angeregt werden, sich mit Musik und Operntheater auseinanderzusetzen.» Dass es ganz unterschiedliche Methoden gibt, Ideen zu realisieren, ist sich Zuber bewusst. «Die Bandbreite von Möglichkeiten gilt es mit grosser Sorgfalt auszuloten», sagt er. «Ein Freund von Gewaltdarstellung als Selbstzweck bin ich nicht. Selbstzweck kann für mich in der Kunst niemals ein Ziel sein. Da soll man es lieber sein lassen. Ich möchte intelligentes Musiktheater machen.» Er liebe die «kurzen Wege», nicht nur zu seinen Mitarbeitern, sondern auch zum Publikum und zur Stadt Bern. «Ich werde mich genau umhören und -sehen», sagt er. Anfang Oktober wird Zuber mit einem 50-Prozent-Pensum beginnen; und ab Juni 2012 ist er dann zu 100 Prozent in Bern. (Der Bund)

Erstellt: 30.06.2011, 13:43 Uhr

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1 Kommentar

Frieda Habegger

30.06.2011, 14:43 Uhr
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Mehr moderne Musik!!! Ich hoffe sehr drauf, da die Spielpläne der letzten Jahre katastrophal waren. Es leuchtet nicht ein, warum in anderen Städten die Säle 'trotz' moderner Musik gut besetzt bis voll sind und nur in Bern lässt der Publikumsaufmarsch meist zu wünschen übrig. Antworten



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