Bern

Ein Titel für die Moral

Von Ane Hebeisen. Aktualisiert am 27.12.2010 1 Kommentar

Yves Studer ist Boxweltmeister. Er hat sich im Berner Kursaal den Gürtel des unbedeutenden Verbandes IBC erkämpft. Sein brasilianischer Gegner war indes zu schwach, um ein echter Prüfstein zu sein.

1/6 Einlaufen wie ein Star: Yves Studer betritt die Halle.
Bild: Keystone

   

In eigener Sache

«Boxing Kings»-Manager Daniel Hartmann versuchte die Berichterstattung des «Bund» wiederholt zu beeinflussen. Da dies auch gestern der Fall war, finden sich im Text keine Stimmen der Protagonisten zum Kampf. Die Redaktion hat in der Folge beschlossen, Berichte über diesen Boxstall bis auf weiteres auf ein nötiges Minimum zu beschränken. «Der Bund» bedauert – gerade im Hinblick auf die betroffenen Boxerinnen und Boxer – diesen Schritt sehr. Doch ein professionelles und unabhängiges Arbeiten ist unter diesen Umständen nicht mehr gewährleistet.(red)

Stichworte

Die kruden Fakten vorab: Der Berner Boxer Yves Studer hat sich im ausverkauften Berner Kursaal den vakanten Weltmeistertitel nach Version des International Boxing Council im Mittelgewicht einstimmig nach Punkten geholt. Dass er damit keine grösseren internationalen Sport-Schlagzeilen produzieren wird und dass er mit diesem Titel dann doch nicht zwingend der beste Mittelgewichtsboxer der Welt ist, liegt daran, dass der Verband IBC im Weltboxsport kaum Gewicht hat und nicht zu den vier grossen Weltverbänden zählt. Es ist sozusagen ein Titel für die Moral. Dass Studer damit am Ende seiner Träume ist, darf also nicht angenommen werden. Er wird diesen Titel – wie seinen Europameisterschaftstitel der Nicht-EU-Staaten – ablegen, sobald sich ihm die Chance für eine höhere Aufgabe bieten wird.

Flacher Spannungsbogen

Wir kennen diese Filme: Auf der Affiche wird einem ein Thriller in Aussicht gestellt, doch bereits nach zehn Minuten wird dem Publikum klar, dass dann doch alles auf ein wohliges Happy End hinausläuft, dass der Bösewicht zu wenig raffiniert ist, um den Helden wirklich in Gefahr zu bringen. Ungefähr so kann man den Spannungsbogen dieses Weltmeisterschaftskampfes umschreiben. Es war ein Faustgefecht, in welchem man sich um Yves Studer in keinem Moment Sorgen machen musste. Sein Gegner, der Brasilianer Samir Dos Santos Barbosa, boxte zwar munter mit, Gefahr ging von ihm indes in keiner Phase des Kampfes aus. Yves Studer, der für einen Mittelgewichtsboxer eher klein gewachsen ist, boxt den sogenannten Peek-a-boo-Stil, eine Boxtechnik, mit welcher der ebenfalls nicht sonderlich hochgeschossene Mike Tyson seine grossen Erfolge erkämpft hat. Charakteristisch dafür ist die weit ins Gesicht hinaufgezogene Deckung, die relativ nahe Distanz zum Gegner und die überfallartigen Angriffe. Peek-a-boo-Boxer sind dann am gefährlichsten, wenn sie ihre Opponenten pausenlos unter Druck setzen, im Oberkörper beweglich bleiben und nie ohne eigene Aktionen in der Halbdistanz verweilen.

Kein vorzeitiges Ende

In den ersten beiden Runden boxte Yves Studer diese Technik in Reinkultur. Bereits nach zwei Minuten landete er einige beeindruckende Haken, blieb dabei kompakt in der Deckung und beherrschte den Kampf von der Ringmitte aus, etwas, was er in den vorangegangenen Gefechten selten zeigte.

In der zweiten Runde schickte er den Brasilianer gar mit einem rechten Haken auf die Ringbretter. Die Fronten waren eingenommen, alles deutete auf ein vorzeitiges Ende hin. Doch ab der dritten Runde legte sich die Sturm-und-Drang-Phase Studers merklich. Der Berner reduzierte den Druck auf ein Niveau, auf welchem er zwar immer noch jederzeit klar dominierte; die zwingenden Aktionen wurden aber seltener.

In dieser Phase des Kampfes kam auch immer mehr die Frage auf, wie sich Samir Dos Santos Barbosa, der nicht unter den ersten 200 der Welt klassiert ist, sich beim Boxverband IBC für einen Weltmeisterschaftskampf aufdrängen konnte, vor allem wenn man bedenkt, dass das Mittelgewicht derzeit eine der bestbesetzten Gewichtsklassen darstellt. Der Brasilianer liess keine Strategie erkennen, wie er diesem Kampf eine neue Wendung geben könnte, und so war seine siebte Niederlage im 25. Fight bald besiegelt. In der Folge entwickelte sich ein fast meditativ anmutender Schlagabtausch, ein nachweihnachtliches Geben und Nehmen, bei welchem Studer stets die Kontrolle behielt. Der Lokalmatador zeigte sich dabei vor allem punkto Schlagstärke verbessert, und strahlte eine bisher selten gesehene Abgeklärtheit aus. Was das Wert ist, werden stärkere Gegner aufdecken müssen. (Der Bund)

Erstellt: 27.12.2010, 06:53 Uhr

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1 Kommentar

Peter Stucki

03.01.2011, 17:10 Uhr
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Yves Studer ist kein Talent,dies hat er endlich erkannt. Was für ihn spricht,sind sein Wille und Fitness. Jedoch wird dies niemals reichen sobald er um einen richtigen Titel gegen einen richtigen Gegner boxt. Ihm fehlen Ringintelligenz,Schlagkraft weiter ist er technisch zu limitiert. Dass sein Vater seine gesamte AHV und PK in ihn investiert hat ist sehr fragwürdig und leichtsinnig. Viel Erfolg! Antworten



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