Bern

Ein Stück Leben für viele

Von Timo Kollbrunner. Aktualisiert am 23.09.2011 2 Kommentare

Am Donnerstag hat das Gemeinschaftsradio Rabe den Kulturpreis des Kantons Bern erhalten – ein morgendlicher Besuch im Studio, in dem seit 15 Jahren «anderes» Radio gemacht wird.

Üblicherweise nacheinander: Michael Spahr und Wilma Rall informieren, Nino Bommeli macht Musik, Praktikantin Magdalena Oberli bringt letzte News.

Üblicherweise nacheinander: Michael Spahr und Wilma Rall informieren, Nino Bommeli macht Musik, Praktikantin Magdalena Oberli bringt letzte News.
Bild: Valérie Chételat

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Kulturpreis fürs Rabe: Was sagen Sie dazu?

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Das Radio Rabe bekam den Kulturpreis des Kantons Bern überreicht. Das sagen Politiker und Kulturschaffende dazu.

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«Guten Tag und herzlich willkommen beim Rabe-Info», spricht Michael Spahr um Punkt elf Uhr morgens ins Mikrofon. Gleich danach übergibt er an Wilma Rall für die Kurznachrichten. Rall hat die Meldungen selbst verfasst. Erst hat sie Zeitungen gelesen, Webseiten angeschaut, ihre Themen ausgewählt. Dann hat sie kurze, prägnante Sätze formuliert, die sich «ring» hören lassen über das Radio. Nun steht sie hinter dem Mikrofon, atmet ruhig und betont präzis. Wilma Rall und Michael Spahr werden bezahlt für das, was sie hier tun. Sie sind zwei von sechs Leuten, die bei Radio Bern (kurz: Rabe) Geld verdienen. Alle anderen arbeiten freiwillig.

Manchmal ohne Plan

Einer von ihnen heisst Nino Bommeli, sitzt im Aufenthaltsraum, wo die Info-Sendung leise im Hintergrund läuft, und liest den «Bund». Er hat zuvor die Sendung «Der Morgen» moderiert, von acht Uhr in der Früh bis um elf. Nino Bommeli arbeitet als Lehrer, der Mittwoch ist sein freier Tag. Er nutzt ihn unentgolten hier im Rabe-Studio – seit fünf Jahren. Es mache Spass, sagt er, und er komme so gratis an viele Konzerte, über die er berichtet. Aber manchmal, sagt Bommeli, manchmal habe er schon «einen Hänger», weil es einem doch einiges abverlange, dieses Engagement, und weil er nicht immer grosse Lust habe, an seinem freien Tag um sieben aufzustehen, um gratis arbeiten zu gehen.

Einige fixe Zeitpunkte muss Nino Bommeli beachten, wenn er auf Sendung ist. Das Wetter etwa kommt immer um halb neun. Dann ruft Nino Bommeli die Wetterseite des Schweizer Fernsehens auf und erzählt den Hörern, was er da sieht – auf Dialekt. Ansonsten kann er seine Sendung sehr frei gestalten. Manchmal wisse er ganz genau, wie er einen Morgen angehen werde, dann sei alles im Fluss und laufe ineinander, sagt der 34-Jährige. Aber zuweilen komme er ohne Plan ins Studio – nur mit seiner Festplatte, auf der viel Musik gespeichert ist. Dann spielt er ein Stück und dann noch eins, und während sie laufen, raucht er im Aufenthaltsraum auf dem alten Ledersofa eine Zigarette und überlegt sich das nächste. Auf einem Poster an der Wand neben dem Studio haben Freiwillige aufgeschrieben, warum sie bei Rabe arbeiten: «Wo sonst kann ich noch musikalische Raritäten hören und spielen?» – «Rabe reisst Räume auf.» – «Meine Sendung ist ein Stück Leben.»Noch während Wilma Rall und Michael Spahr die Hörgemeinde informieren, taucht Willi Egloff auf. Er ist Mitglied des Rabe-Vorstands und seit dem 29. Februar 1996 dabei, als Radio Bern erstmals auf Sendung ging. Er freut sich über die Auszeichnung mit dem Kulturpreis.

Für Ausländer, Grüne und Rote

Seines Wissens sei es das erste Mal, dass ein Radio einen Kulturpreis erhalte, sagt Egloff. Das zeige ihm, dass das Gemeinschaftsradio «als Kulturfaktor anerkannt wird», was nicht selbstverständlich sei. Man habe den «Ausländerinnen, den Ausländern, den Roten und den Grünen» eine Stimme geben wollen, damals vor 15 Jahren, als die Stadt Bern noch viel bürgerlicher gewesen sei. Aber heute brauche es Radio Bern genauso, findet er. Es gebe ja schliesslich «praktisch nur noch Format-Radio, nur noch Mainstream». Abgesehen von DRS 3, das seinem Eindruck nach ein wesentlich grösseres Musikspektrum abdecke als früher, könne man in Bern nur auf RaBe Musik abseits der Hitparade hören. Und gerade auch um Anderssprachigen eine Stimme zu geben, sei der Sender nach wie vor wichtig: 20 der insgesamt 63 Sendungen sind fremd- oder mehrsprachig.

Im Moment laufe es sehr gut, sagt Willi Egloff. Die 30 000 Franken, die Rabe für den Kulturpreis erhält, könne das Radio aber gut gebrauchen – die technische Infrastruktur etwa sei zum Teil sehr alt. Und tatsächlich: Im Funkraum, aus dem das Radio seine Signale seit 15 Jahren auf den Bantiger sendet, stehen Computer, wie man sie sonst nur noch in Brockenhäusern sieht. Und hätte man etwas mehr Geld, sagt Willi Egloff, würde man wohl auch mehr Fixstellen schaffen, eine Kulturredaktion aufbauen. Aber über die Beiträge der Vereinsmitglieder – derzeit sind es 1041 – könne man nicht mehr Ausgaben decken als bisher, und die Stadt habe leider auch kein Geld übrig.

Pizza für alle

Willi Egloff ist bereits wieder weg, als Wilma Rall und Michael Spahr aus dem Studio kommen. Der 38-jährige Michael Spahr, der neben Rabe selbstständig als Filmemacher arbeitet, sagt, er sei froh, hier eine fixe Struktur zu haben – aber doch auch viel Eigenverantwortung und keinen Chef. Und er mag den freundschaftlichen Umgang im Team. Man esse zudem stets zusammen zu Mittag, es gebe einen Kochplan. Heute mag allerdings niemand kochen, und so bestellt Michael Spahr Pizza für alle.

Jetzt ist Mittag. Auf Rabe läuft das «Klangbecken», eine automatische Wiedergabe von Songs, zusammengestellt von Musikredaktor Tinu Schneider. Viele Titel hört man zum ersten Mal. (Der Bund)

Erstellt: 23.09.2011, 06:51 Uhr

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2 Kommentare

Mark Stenzler

23.09.2011, 10:26 Uhr
Melden 4 Empfehlung

RaBe ist sehr kreativ and unabhängig... Das beste Radio in Bern! Antworten


Chris Hall

23.09.2011, 13:36 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Die Musik auf RaBe ist, im Gegensatz zum weit verbreiteten armseligen Hitparaden-Bockmist im Äther, erfrischend und urban (zB. Black Sabbath mit "Planet caravan" und Marsimoto "Weedlingsrapper" um 08:00 Uhr früh - yeah!). Das einzige was mir nicht passt, sind die ideologisch befangenen "News"-Sendungen. Ich kriege Ausschläge, wenn ich das realitätsfremde Geplapper (SP=gut / SVP=böse) höre. Antworten



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