Ein Kämpfer mit grossem Herz – für Schweizer
Von Dölf Barben. Aktualisiert am 20.01.2011 3 Kommentare
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Fadengerade. Klipp und klar. Solche Ausdrücke verwendet Adrian Amstutz häufig. Der 57-Jährige sagt von sich, er nehme kein Blatt vor den Mund. Wenn er, etwa als Zentralpräsident des Nutzfahrzeugverbands Astag, von Lastwagenfahrern spricht, klingt das so: Statt dafür gelobt zu werden, dass sie «praktisch alle Güter im Land verteilen, von Biomilch bis zu Solarpanels», erhielten sie den Tritt in den Allerwertesten. Nur sagt Amstutz nicht «Allerwertester».
Anfang November stand er in der Fernseh-«Arena» Simonetta Sommaruga gegenüber. Als sie ihm vorwarf, er habe einmal gesagt, er politisiere mit dem Zweihänder, widersprach er: «Sie erzählen einen Seich nach dem anderen, Frau Bundesrätin.» Amstutz hatte sich schon zuvor ungerechtfertigt angegriffen gefühlt, «weil sie mir fälschlicherweise und entgegen den Mehrheitsbeschlüssen von Bundesrat und Parlament vorgeworfen hat, mit der Initiative würden Menschen in Länder ausgeschafft, in denen ihnen Folter droht». Von Zweihänder-Politik hatte er in der Tat nie gesprochen. Wahrscheinlich meinte Sommaruga die Sache mit der Motorsäge. 2002 hatte Amstutz vor den Medien erklärt, die Kantonsfinanzen liessen sich nicht mehr mit der Nagelfeile in Ordnung bringen – es seien Korrekturen mit der Motorsäge nötig. Dieses Bild habe er mit Blick auf «den zu dicht gewachsenen Aufgabenwald» verwendet, betont er.
Schon in seiner Zeit als Grossrat (1998 bis 2003) und als Präsident des Verbandes Bernischer Gemeinden (2001 bis 2005) begründete Amstutz seinen Ruf als Kämpfer. «Er war immer fordernd», sagt Bernhard Antener, SP-Grossrat und Gemeindepräsident von Langnau. Für die Gemeinden habe er «sehr viel herausgeholt» und «schwere Kämpfe» geführt, auch gegen SVP-Regierungsräte. Ja, bestätigt Amstutz, damals habe der Kanton den Gemeinden Aufgaben aufbürden wollen, ohne ihnen entsprechende Mittel zu übertragen – «da fuhr ich mit allergrösster Vehemenz ein».
Auf den ersten Blick deutet nichts in seiner Biografie auf ein aussergewöhnliches Kämpferherz hin. Er ist seit 36 Jahren verheiratet. Er hat drei erwachsene Kinder, fünf Enkel. Zu Hause ist er in der Gemeinde Sigriswil. Hier arbeitet der gelernte Maurer, Hochbauzeichner und Hochbaupolier als Unternehmer und Mitinhaber eines Architektur- und Bauleitungsbüros. Hier begann er mit der Politik. Bevor er 1993 direkt als Gemeinderatspräsident gewählt wurde, hatte er sich gegen ein geplantes Asylzentrum aufgelehnt. «Es war absolut inakzeptabel, wie der Kanton mit der Gemeinde umgehen wollte.» Schon zuvor hatte er sich dafür eingesetzt, dass das Altersheim im Dorfzentrum «und nicht am Rand» gebaut wird – «weil alte Leute nicht allein von der schönen Aussicht leben können, sondern Kontakte brauchen». Auf diese Argumentation sei er «heute noch stolz».
Dann fällt doch etwas auf: Amstutz war Fallschirmgrenadier. Wichtiger als der Absprung ist bei diesen Elite-Soldaten der Einsatz hinter feindlichen Linien. «Beyond Enemy Lines»: So lautet der Titel eines Films, auf den Amstutz auf seiner Homepage hinweist. Darin gehen harte Männer, Schweizer Fallschirmaufklärer, hart zur Sache – mit einem Ziel: ihren Auftrag zu erfüllen. «Im Interesse des Landes», sagt Amstutz. 2007, nach der glänzenden Wiederwahl als Nationalrat, war er als Regierungsratskandidat im Gespräch. Damals sagte er, er würde nur dann antreten, wenn die Partei für die Kandidatur einen klaren Auftrag definieren würde. Einen Auftrag?
«Ein Einbruch ist ein Einbruch»
«Ich weiss, worauf Sie hinauswollen», sagt er: «mich als strammen, hirnlosen Soldaten darstellen.» Um einen Auftrag zu erfüllen, seien jedoch «Wissen, Flexibilität und Beharrlichkeit» gefragt. Auch in der Politik. Ausserdem präge er in seiner Position die Partei mit. Seit 2008 ist er Vizepräsident der SVP Schweiz. Gerade bei Wahlen gehe es um «einen klaren, gemeinsam mit der Partei formulierten Auftrag – damit die Wählerschaft weiss, was sie zu erwarten hat». Weil die SVP einen EU-Beitritt der Schweiz «verlässlich» ablehne, sei bei dieser Ersatzwahl eines klar: «Wer nicht in die EU will, wählt Amstutz.» Die EU-Frage sei dabei sehr wohl entscheidend, weil sie «eine Geisteshaltung, die Einstellung zum Land» zum Ausdruck bringe.
Welches aber ist seine ureigenste politische Haltung? Amstutz spricht von einem «gewissen Ideal»: «Ich habe ein grosses Herz für unser Land und unsere Bevölkerung – daran orientiere ich mich.» Dazu kommt ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn. Ein Weggefährte erinnert sich an eine Versammlung der SVP Schweiz. Als Christoph Blocher noch reden wollte, obschon die Rednerliste bereits geschlossen war, habe Amstutz energisch dagegen protestiert. Das wäre heute nicht anders, sagt er.
Und doch: Dass sein grosses Herz nicht bis ans Ende der Welt reicht und sein Gerechtigkeitssinn Grenzen kennt, wird in dem Moment klar, als sich das Gespräch, in dem er sehr gelöst und freundlich wirkt, nochmals um die Ausschaffungsinitiative dreht. Ob es denn richtig sei, lautet die Frage, dass ein junger Ausländer, der hier aufgewachsen ist, ausgeschafft wird, weil er mit zwei Schweizer Freunden einen Einbruch verübte – zum Beispiel in ein Pfadiheim? Amstutz findet das richtig: Bei einem Einbruch gehe es um Sachbeschädigung, um Hausfriedensbruch und Diebstahl. «Ein Einbruch ist ein Einbruch.»
Porträts Ständeratskandidaten. Bereits erschienen: Wyss, 14. 1.; Markwalder, 17. 1. (Der Bund)
Erstellt: 20.01.2011, 07:28 Uhr
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3 Kommentare
Amstutz stellt fest, dass die Haltung gegenüber der EU eine "Einstellung zum Land" zum Ausdruck bringe." Das lässt sich auch von der Umweltpolitik sagen. Nach dem Rating im "Bund" hat sich Amstutz nie für eine nachhaltige Entwicklung eingesetzt. Schweizerinnen und Schweizer, die ihr Land wirklich lieben, setzen sich für eine gesunde Umwelt ein. Antworten
Der Artikel freut mich sehr. Einerseits das klare und ehrliche Persönlichkeitsprofil das Herr Amstutz abgibt, anderersseits dass eine Zeitung aus der TA-Mediagruppe nicht abwertend über den Rechtspolitiker schreibt. Ich habe meine Stimme für Adrian Amstutz bereits abgegeben. Antworten
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