Bern
«E-Games sind keine Konkurrenz»
Grösster Spielplatz der Schweiz hat seine Tore geöffnet
«Funkelnde Kinderaugen, viele Besucher und zufriedene Aussteller»: Das wünschte sich Peter Boeni vom Veranstalter Bernexpo AG gestern Mittwoch an der Eröffnung der 13. Suisse Toy. Bis am 7. Oktober stellen Spielwaren-Verkäufer und -Hersteller ihre neusten, aber auch altbewährten Spiele aus. Von Trottinetts und Slacklines über Gesellschaftsspiele und E-Games bis hin zu Modellflugzeugen und Bastelwaren, die ganze Spielpalette ist in Bern vertreten.
Beliebteste Spielsachen geehrt
Zum Auftakt der Ausstellung wurden durch den Spielwaren-Verband Schweiz gestern zum sechsten Mal die beliebtesten Spielsachen in sieben Kategorien mit dem Suisse Toy Award ausgezeichnet. Zu den Gewinnern gehörte ein Kickboard für 1-Jährige, ein Hotel von Playmobil und ein Ferrari-Gokart. Des wWeiteren gewannen auch der «Air Hogs Hoover Assault» – ein Helikopter, der fliegen, fahren, springen und schiessen kann – sowie der Roboterbausatz Robokit. In der Kategorie «Gesellschaftsspiele für jedes Alter» machte das Spiel «Indigo» das Rennen, bei «Electronics» behauptete sich die Spielkonsole «Super Mario 3-D Land Bundle». Als Jury wirkten bei der Auszeichnung rund 15 000 Kinder aus allen Landesteilen mit. Auf Bewertungskriterien wurde bewusst verzichtet.
Weltrekord mit Legos knacken
Ein weiterer Höhepunkt der Suisse Toy findet am Samstag statt. Dann soll ein neuer Weltrekord und somit ein Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft werden: Die kleinen und grossen Besucher sind eingeladen, auf 153 Quadratmetern mit rund zwei Millionen Legosteinen das grösste 3-D-Mosaik der Welt zu bauen, das die Schweiz mit ihren Kantonen darstellt. Die Aktion findet ihm Rahmen des 100-Jahr-Julbiläums von Pro Juventute statt.
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Herr Burri, wie geht es der Schweizer Spielwarenbranche?
Gut. Die Branche ist sehr stabil. Bei den Kindern wird als Letztes gespart.
Droht den klassischen, traditionellen Spielen keine Konkurrenz durch die E-Games und die neuen technologischen Möglichkeiten?
Ich würde nicht sagen, dass das eine Konkurrenz ist. Es ist vielmehr eine Chance, das klassische Spiel auf eine neue Ebene zu bringen. Viele bekannte Brettspiele werden wahrscheinlich in den nächsten zwei, drei Jahren medial ergänzt. So kann das breite Spektrum der Spielpalette besser genutzt werden. Das klassische Brettspiel als solches wird sicher nicht verschwinden. Es wird sich aber zeigen, wie stark die Verknüpfung von traditionellen Spielen mit Elektronik sein wird.
Ist es denkbar, dass in Zukunft Brettspiele nur noch mit Stromzufuhr oder Batteriebetrieb verkauft werden?
Nein, das glaube ich nicht. Es wird immer ganz normale taktische Brettspiele geben. Aber wir leben halt in einer digitalen Welt. Und diese wird auch den Spielwarenbereich immer mehr prägen. Man sieht es bei ferngesteuerten Autos oder Helikoptern, die Elektronik in Spielzeugen ist allgegenwärtig. Bei den Brettspielen war sie bis jetzt aussen vor. Künftig könnte sie aber auch dort ein Teil davon werden.
Wieso sind traditionelle Spielsachen wie Brettspiele bei den Konsumenten noch so hoch im Kurs?
Ich glaube, es braucht einen ersten Schritt, bis eine Familie oder eine Gruppe das Spielbrett auf den Tisch legt. Wenn dann aber gespielt wird, ist die Erholung spürbar. Man taucht in eine eigene Welt ein. Traditionelle Spiele haben ausserdem einen sozialen und gesellschaftlichen Aspekt: Während zweier, dreier, vielleicht vier Stunden sitzt man gemeinsam um das Spiel und verbringt eine schöne Zeit miteinander. Darum werden diese Spiele auch nicht an Attraktivität verlieren.
Was sind die aktuellsten Entwicklungen auf dem Markt?
Aus dem Stegreif kann ich keine Marken und Produkte nennen. Da müssten Sie durch die Messe gehen. Einen ganz offensichtlich neuen Trend gibt es bei Lego, im kreativen Bausatzbereich: Dort ist das Thema «Mädchen» wieder gefragt. Lego war lange Zeit ein klassisches Bubenspielzeug. Eine Veränderung gibt es auch bei Ravensburger mit «Tiptoi», einer multimedialen Verknüpfung von Stift, Buch und Spiel. Das ist eine eigene, kombinierte Spielwelt. Spielzeughersteller Mattel greift Trendthemen gut auf, beispielsweise mit «Monster High». Weitere Trends sind Autos, Sport- und Actiongeräte. Immer noch aktuell ist auch das Sammeln und Tauschen.
Wie werden diese Spiele entwickelt?
Bei den grossen Verlagen gibt es Trendforscher. Sie reisen in der ganzen Welt umher und versuchen, Trends aufzunehmen und daraus Spiele zu entwickeln. Dann gibt es aber auch viele kleine Firmen, die Spiele oder Produkte entwickeln, welche sie gar nicht auf den Markt bringen würden, wären da nicht die grossen Verlage.
Welche Rolle haben diese Verlage?
Die Verlage sagen: «Dieses Spiel ist gut, das nehmen wir ins Sortiment.» Unter Umständen verbessern oder ändern sie es noch ab, damit es massenmarkttauglich wird. Im Gesellschaftsspielbereich gibt es viele einzelne Autoren, die im Hauptleben einem normalen Beruf nachgehen und nebenbei ein Spiel entwickeln. Sehr oft passieren Innovationen im stillen Kämmerlein und werden dann durch grosse Marken gescoutet, adaptiert und auf den Markt gebracht.
Stiehlt man Kindern mit vorgefertigten Spielzeugen wie einem «Playmobil-Hotel» nicht die Fantasie?
Nein, im Gegenteil: Wenn Sie den Kindern zuschauen, wie sie in ihr Rollenspiel fallen, ist viel Kreativität und Fantasie mit im Spiel. Das Kind taucht in eine virtuelle Welt ein. Das Gleiche gilt auch für ein Ferrari-Tretfahrzeug. Das Kind wird persönlich zu Michael Schumacher. Die Produkte fördern Kinderfantasien. Das Produkt hat immer so viel Wert wie das, was das Kind daraus macht. Es ist auch nicht verboten, das Spielzeug zu zweckentfremden. Wenn das Kind das Tretfahrzeug als Flugzeugträger verwendet, soll es das. Ein Kind spielt, und diese Kreativität und Fantasie sollte man ihm offenlassen.
Wie kreativ und produktiv sind denn die Schweizer Spielemacher?
Im Massenmarkt gibt es wenige Schweizer Produkte. Diejenigen, die in der Schweiz produziert wurden, sind auf hohem Niveau und in höheren Preisklassen angesiedelt. Wenn die Schweizer Produzenten auf Qualität und Innovation achten, schaffen sie es durchaus im Markt. Sie haben einen guten Stellenwert in der Schweiz. Viele gibt es aber nicht mehr.
Wie sehen unsere Spielsachen in zehn Jahren aus?
Allgemein gehalten werden es immer Adaptionen der realen Welt sein, die man in die Spielwaren übernimmt. Das ist mit der Grund, warum ich sage, dass auch die Modelleisenbahn nie ganz verschwinden wird. Solange Züge fahren, wird es auch die Modelleisenbahn geben. Und solange es Flugzeuge gibt, werden diese auch in den Kinderzimmern fliegen. Die Spielwaren sind immer eine Abbildung der Realität. Was uns die Technik bringt, wird umgesetzt. Manchmal wohl schneller als in der Realität. Und wenn wir in 10 Jahren vielleicht mit GPS-gesteuerten Autos herumfahren, wird es sicher irgendwo ein Spielzeug geben, das im Garten mit GPS-Steuerung herumfährt. (Der Bund)
Erstellt: 04.10.2012, 09:43 Uhr
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