Bern

Die weniger spassigen Gummibootfahrten

Von Matthias Ryffel. Aktualisiert am 05.08.2012 4 Kommentare

Am Rande des Weltrekord-Events auf der Aare erinnerte Amnesty International an die Schicksale von Bootsflüchtlingen. 2011 seien im Mittelmeer über 1500 von ihnen ums Leben kommen.

1/5 Gummiböötler, die am Samstag die Auguetbrücke bei Muri passierten, wurden von einem Transparent zum Nachdenken eingeladen.
Bild: Sam Buchli (zvg)

   

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Amnesty-Kampagne gegen Migrationspolitik

Europaweit protestiert Amnesty International gegenwärtig mit verschiedenen Aktionen und Petitionen gegen die in ihren Augen «menschenrechtsfeindliche» europäische Migrationspolitik.

Die Organisation fordert, dass Bootsflüchtlinge als Menschen in einer prekären Notlage anerkannt und ihre grundlegenden Rechte geachtet werden. Namentlich die EU-Staaten hätten sich auf die Rettung dieser Menschen zu konzentrieren, statt sie mit viel Aufwand von den EU-Aussengrenzen fernzuhalten.

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Gummibootfahrten auf der Aare sind für viele Menschen eine sehr vergnügliche Angelegenheit – erst recht, wenn dabei wie am Samstag ein Weltrekord geknackt wird. Gummibootfahrten auf dem Mittelmeer hingegen sind für viele Menschen keine besonders vergnügliche Angelegenheit: Jährlich sterben zahlreiche Flüchtlinge beim Versuch, Europa über den Wasserweg zu erreichen.

Das Unternehmen Gonnado, das den Rekordversuch organisiert hat, positioniert sich als «Social-Shopping-Plattform» für Freizeitangebote. Eine Plattform schafft es mit den Events aber auch für Dritte.

«Aare: 1500 Menschen beim Weltrekord. Mittelmeer: 1500 Menschen ertrunken.» Diese Botschaft schwebte gestern auf Höhe der Auguetbrücke bei Muri über den Köpfen der Aare-Böötler. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International machte mit Transparenten auf die Situation der Bootsflüchtlinge im Mittelmeer aufmerksam.

Spassverderber?

Man habe mit dieser Aktion an einen anderen, traurigen Rekord erinnern wollen, schreibt Amnesty in einer Erklärung: Mehr als 1500 Menschen seien im Jahr 2011 im Mittelmeer ertrunken oder verdurstet, «weil sie mit der Überfahrt von Nordafrika nach Europa den letzten Ausweg aus ihrer verzweifelten Lage in ihren Heimatländern sahen.»

«Wir wollen den Leuten keineswegs den Spass verderben», wird Daniela Enzler, Aktivistin und Organisatorin der Aktion in der Mitteilung zitiert. Im Gegenteil, man drücke den AareböötlerInnen gar die Daumen, dass es zum Weltrekord reicht. Amnesty habe die Gelegenheit aber nutzen wollen, auf das Drama der Bootsflüchtlinge aufmerksam zu machen.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.08.2012, 10:38 Uhr

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4 Kommentare

Nadja Aeschi

05.08.2012, 12:31 Uhr
Melden 17 Empfehlung 0

@Hofer: Genau! Was soll uns das Leiden der Ärmsten, was sollen uns die menschenunwürdigen Bedingungen, unter denen viele zu Leben haben den Spass an unserem übermässigen Reichtum (den wir zum grössten Teil auf Kosten derer, die zum Beispiel per Schiff nach Europa zu fliehen versuchen) verderben?!? Lang lebe die Spassgesellschaft, lang lebe die blinde Konsumwut! Antworten


Ueli Hofer

05.08.2012, 11:07 Uhr
Melden 7 Empfehlung 0

Ich werde das zweite Transparent (Atleticum) beim nächsten Einkauf Berücksichtigen!
Amnesty hat bei diesen Anlass nichts zu suchen, gehen bei mir Leer aus!
Antworten



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