Bern

Die neuen Automaten sind nicht nur beliebt

Von Fiona Ziegler. Aktualisiert am 20.07.2010 5 Kommentare

In der ganzen Stadt Bern werden die alten Billettautomaten durch neue ersetzt. Die modernen Automaten verfügen über einen Touchscreen und bieten ein weites Angebot an Billett- und Streckenoptionen. Die Zwischenbilanz fällt durchzogen aus.

Ein Mann kauft sich beim neuen Billettautomaten von Bernmobil eine Fahrkarte. (Franziska Scheidegger)

Ein Mann kauft sich beim neuen Billettautomaten von Bernmobil eine Fahrkarte. (Franziska Scheidegger)

Stichworte

Neu können Bernmobil-Fahrgäste ihre Billette auf einer modernen Touchscreen-Benutzeroberfläche anwählen, mit Kleingeld oder Karte bezahlen – und in null Komma nichts ist das Ticket ausgedruckt und die Fahrt kann losgehen. Kundenfreundlich und einfach sei der Touchscreen, so Annegret Hewlett, Pressesprecherin von Bernmobil. Kundenfreundlich? Höchste Zeit, den neuen Automaten in Augenschein zu nehmen.

Ansichtssache

«Es ist eine Katastrophe» – eine alte Frau aus Sumiswald, die einmal jährlich nach Bern kommt, steht gestern Nachmittag kopfschüttelnd vor dem modernen Touchscreen beim Loeb-Egge und versucht vergeblich, Geld einzuwerfen. Bloss: Sie hat vergessen, das gelbe Feld «Kurzstrecken» anzuwählen. Sie komme ganz selten in die Stadt, meint sie entschuldigend und gibt zu verstehen, dass sie mit dem modernen Billettautomaten überfordert ist.

Der ältere Mann, der sich nach ihr zum Automaten drängelt, findet den modernen Screen zwar einfach und selbsterklärend, weist aber auf das Problem hin, dass man den Screen, wenn die Sonneneinstrahlung stark ist, kaum sieht. Auch Hewlett von Bernmobil weiss, dass dies ein dringendes Problem sei, für das eine Lösung gefunden werden müsse. So seien beispielsweise die Automaten bei der Haltestelle Schönegg und beim Kaufmännischen Verband direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt, was die Lesbarkeit der Screens erschwere, meint Hewlett. Im Allgemeinen fielen die Rückmeldungen zu den neuen Automaten aber durchaus positiv aus, so Hewlett weiter.

Die Hälfte der alten Billettautomaten seien mittlerweile durch neue ersetzt worden, so Hewlett. Mit der Installation der neuen Automaten werden alle Billettautomaten auf den Streckennetzen von RBS, BLS und Bermobil einheitlich, meint Hewlett weiter. Einheitlich deshalb, weil die RBS- und BLS-Bahnhöfe bereits über die modernen Touchscreen Billettautomaten verfügen. Diese Vereinheitlichung sei mitunter auch ein Vorteil für die Kunden, meint Hewlett. Mit der Installation der verbleibenden Neu-Automaten bis Ende September 2010 werden alle Automaten ersetzt und damit die Vereinheitlichung abgeschlossen sein.

Eine Zwischenbilanz

Positiv auf die neuen Billettautomaten reagiert werde an erster Stelle wegen der Einfachheit des Screens, sagt Hewlett. Auch werde das grosse Angebot an wählbaren Billettoptionen geschätzt. Schliesslich sei ein grosser Vorteil der neuen Automaten nicht zuletzt, dass man neu auch mit Karte zahlen könne – von der Postcard über Reka bis hin zur Visa-Kreditkarte. Und der Nachteil?

Ein Nachteil sei sicherlich, dass man nicht mit Noten bezahlen könne, meint Hewlett. Grund für dieses Manko sei das Platzverhältnis der Automaten und die Tatsache, dass jeder Automat mit Banknotenöffnung Mehrkosten von 10 000 Franken bedeutet hätte. Dass es ein Nachteil sei, nicht mit Banknoten zahlen zu können, findet auch eine in Bern wohnhafte Automatenbenutzerin: «Ich finde, ein neues Gerät sollte Noten annehmen», sagt die Frau bestimmt. So fällt dann auch ihre Bilanz über die neuen Automaten kritisch aus: Sie findet die neuen Billettautomaten mühsam und bedienungsunfreundlich. Und sie frage sich, wie bedienungsfreundlich die Automaten für Ausländer seien, wenn sie selber schon Schwierigkeiten mit den neuen Automaten habe.

Diese Frage zu beantworten scheint ein amerikanischer Tourist, der Hilfe suchend vor dem Automaten steht: «I don’t understand» – er verstehe es nicht, meint er und drückt hilflos auf dem Touchscreen von einer Option zur nächsten. Er wisse nicht, ob die Strecke vom Berner Bahnhof zum BEA-Expo-Gelände eine Kurzstrecke sei oder unter die Zone 1–2 falle. «It doesn’t make sense», meint er zunehmend verzweifelt. Schliesslich entschliesst er sich für Zone 1–2 und merkt, dass er zu wenig Kleingeld hat, da der Geldschlitz keine Euros akzeptiert, sondern ausschliesslich Schweizer Münzen.

Eine Sache der Gewohnheit

«Ein bisschen kompliziert» sei es schon, meint ein junger Mann. Vor allem für ältere Leute und jene, die neu nach Bern kämen. Wenn man aber wisse, wie es gehe, seien die neuen Automaten sehr einfach zu benutzen. Dieser Meinung ist auch ein in Bern wohnhafter Deutscher. Die neuen Automaten seien super und er sei sehr zufrieden damit. Doch auch er findet, dass es für Leute, die nicht in Bern leben, schwierig sei, sich mit dem Angebot der neuen Automaten zurechtzufinden. Dies sei aber nichts Aussergewöhnliches, meint Hewlett von Bernmobil. Es sei eine Tatsache, dass man sich neu orientieren müsse, wenn man an einen neuen Ort komme. Eine Frau schliesslich meint auf die Frage hin, ob sie denn die alten Billettautomaten bevorzugt habe: Es sei halt Gewohnheitssache – wie mit allem anderen auch. (Der Bund)

Erstellt: 20.07.2010, 08:59 Uhr

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5 Kommentare

Andreas Baumann

20.07.2010, 10:03 Uhr
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Auch als Berner bleibt mir bis heute unklar, bis wann ich Kurzstrecke fahren darf...?!? Antworten


Hans Nydegger

20.07.2010, 09:50 Uhr
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Ich hatte auch schon meine Mühe mit dem neuen Automaten. Er wollte einfach seinen Geldschlitz für meine Münzen nicht öffnen. Finde auch für die wenigen Optionen wären einfache Knöpfe wohl sehr viel einfacher als so ein Touchscreen. Wenn schon: Fände es besser mit Haltestellen Auswahl wie bei der SBB; wie soll man den Wissen welche Haltestelle in welcher Zone ist? Antworten



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