Die Region hat «grossen Nachholbedarf»
Von Simon Wälti. Aktualisiert am 28.01.2012 8 Kommentare
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Während Belp in den letzten Jahren einen wahren Bauboom erlebte, zeigte die Entwicklung in anderen Agglomerationsgemeinden in die entgegengesetzte Richtung. Vielerorts sprach sich die Bevölkerung ganz oder teilweise gegen neue Bauzonen aus, so zum Beispiel in Worb, Münsingen, Ittigen, Bolligen oder Wohlen. Die Gemeindebehörden sind darum vorsichtig geworden mit der Schaffung neuer Baulandreserven – niemand erleidet gerne Schiffbruch an der Gemeindeversammlung oder bei der Urnenabstimmung.
In Ittigen geht Bauland zur Neige
Ittigen zum Beispiel konnte in der Vergangenheit viele Arbeitsplätze der Bundesverwaltung ansiedeln, in den nächsten Jahren baut die Swisscom ein weiteres Bürogebäude in der Ey. Für die Angestellten des Bundes oder der Swisscom gibt es aber kaum neuen Wohnraum in der Gemeinde. Ittigen zählt 11 000 Einwohner und 7000 Arbeitsplätze, verfügt aber nur über eine Fläche von 4 Quadratkilometer. Grünraum im Überfluss hat die Gemeinde nicht. Zum Vergleich: Die Fläche von Belp ist durch die Fusion mit Belpberg auf über 23 Quadratkilometer gestiegen.
Generell gibt es jetzt schon in zentralen, gut erschlossenen Gemeinden oft zu wenig Land für Wohnungsbau. In weiter weg liegenden Gemeinden besteht dagegen oft ein Überangebot. Dieser Trend führt zur Zersiedlung und ist auch im Kanton Bern und in der Region Bern-Mittelland sichtbar. «Wir haben vor allem in Agglomerationsgemeinden einen ziemlich grossen Nachholbedarf», sagt Arthur Stierli, Vorsteher der Abteilung Orts- und Regionalplanung im Amt für Gemeinden und Raumordnung des Kantons Bern. «Es wird nicht so viel Bauland eingezont, wie erlaubt wäre.»
Ein fiktives, aber nicht aus der Luft gegriffenes Beispiel: Der Kanton erlaubt 12 Hektaren, der Gemeinderat will «moderate» 6 Hektaren einzonen, und das Stimmvolk bewilligt, wenns hoch kommt, 3 Hektaren oder lehnt das Paket ganz ab. Die innere Verdichtung bestehender Quartiere kann diese Reduktion höchstens teilweise auffangen.
400 Hektaren neues Bauland
Nach den Vorgaben der Raumplanung sollte das Bauland für rund 15 Jahre ausreichen. Dabei werden, wie Arthur Stierli erklärt, das wahrscheinliche Bevölkerungswachstum und die Zunahme beim Bedarf an Wohnfläche pro Person einberechnet. Für den Kanton geht man bis 2030 von einem Bevölkerungswachstum von 4 Prozent, für die Region Bern-Mittelland von einem Wachstum von 6 Prozent aus. Die Zahl der Arbeitsplätze soll in diesem Zeitraum im Gebiet Bern-Mittelland sogar um 8 bis 9 Prozent ansteigen.
Unter dem Strich fällt die Bilanz gemäss den Szenarien negativ aus. Es fehlen bis 2030 rund 300 bis 400 Hektaren Land allein für den Wohnungsbau. «Es ist eine Schlüsselfrage für die Region Bern, ob wir die Bevölkerung für neue Wohnzonen gewinnen können», sagt Marco Rupp von der Regionalkonferenz Bern-Mittelland. Denn fehlendes Bauland führe zu einem tiefen Leerwohnungsbestand und damit zu höheren Preisen auf dem Wohnungsmarkt. (wal) (Der Bund)
Erstellt: 28.01.2012, 11:43 Uhr
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8 Kommentare
Die meisten Neinsager und Zonenplanverhinderer wohnen ja meist selber an bester Lage. Dafür gibt es sogar einen Fachausdruck: NYMBY "not in my backyard". Solche NYMBYs sind auf der ganzen Welt ein Phänomen und zeugen von einem riesigen Egoismus: ich darf ein schönes Häuschen haben, aber andere dürfen ja nicht in meiner Nähe bauen. Antworten
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