Bern

Die Migros prüft, welche Mieter im Westside bleiben dürfen

Von Adrian Sulc. Aktualisiert am 31.03.2012

Das Einkaufszentrum Westside tritt beim Umsatz an Ort. Ein möglicher Einzugskandidat in Brünnen ist der Discounter Denner.

Stockende Geschäfte: Vor allem wegen dem Deckeneinsturz im Bernaqua präsentieren sich die Zahlen im Westside nicht wie gewünscht.

Stockende Geschäfte: Vor allem wegen dem Deckeneinsturz im Bernaqua präsentieren sich die Zahlen im Westside nicht wie gewünscht.
Bild: Franziska Scheidegger (Archiv)

Für die Migros war es eine der unangenehmsten Schlagzeilen, die man sich denken kann: «Badenden fiel die Decke auf den Kopf». Am 12. April letzten Jahres stürzte im Bad Bernaqua im Berner Einkaufszentrum Westside ein Teil der Deckenkonstruktion ein. Seither ist das Bad geschlossen.

Für die Migros Aare hat dies als Besitzerin von Bad und Einkaufszentrum finanzielle Folgen: Rund 5 Millionen Franken betrugen die entgangenen Eintritte, wie Migros-Aare-Finanzchef Sydney Allanson an der gestrigen Jahrespressekonferenz sagte. Dazu kommen 5 Millionen Franken für den Einbau der neuen Decke. Und wie Migros-Aare-Chef Beat Zahnd sagte, ist bei einigen Mietern mit dem Ausbleiben des Badepublikums auch der Umsatz zurückgegangen. Details will Zahnd keine nennen, er bestätigt aber, dass vorwiegend der Gastrobereich davon betroffen ist, das Kino Pathé Westside hingegen überhaupt nicht.

26 Einkaufszentren betreibt die Migros Aare mittlerweile in ihrem Gebiet, also in den Kantonen Aargau, Bern und Solothurn. Viele der Anlagen sind gesichtslose Zweckbauten. Nicht so das Berner Westside: Die Migros setzte sich gegen Zweifler und Einsprecher durch und verwirklichte für mehr als eine halbe Milliarde Franken Daniel Libeskinds extravaganten Entwurf. Der Umsatz des gesamten Zentrums betrug 2009, im ersten ganzen Betriebsjahr, bereits 180 Millionen Franken. 2010 waren es 195 Millionen Franken.

Besucher geben 190 Millionen aus

Doch letzes Jahr erhielt die Wachstumskurve einen Knick: Der Umsatz des Einkaufszentrums sank auf 190 Millionen Franken. Neben den besagten 5 Millionen Franken an fehlenden Bernaqua-Eintritten und den damit verbundenen Umsatzrückgängen bei den Restaurants trugen auch Euro-bedingte Preissenkungen zum Rückgang bei.

Doch das Umsatzminus erstaunt trotzdem, befindet sich das Westside doch eigentlich noch in der Wachstumsphase. Zu den fünf oder sechs umsatzstärksten Shoppingcentern der Schweiz gehören, dieses Fernziel gab Westside-Chef Anton Gäumann 2009 im «Bund» bekannt. Hierzu müsste der Umsatz des Zentrums auf rund 280 Millionen Franken steigen – also um fast 50 Prozent im Vergleich zu heute.

Das Ziel sei weiterhin, «Jahr für Jahr zuzulegen», sagt Migros-Aare-Chef Zahnd dem «Bund». Muss die Migros hierzu das Konzept des Zentrums ändern? Man werde Ende Jahr den Mietermix prüfen, sagt Zahnd. Dabei würden die Umsätze jedes Ladens angeschaut und gegebenenfalls Massnahmen getroffen. Da sich die Mieten für die Läden wie üblich auch an den Umsätzen orientieren, wird die Migros schlecht laufende Läden zum Auszug auffordern.

Fünfjährige Mietverträge

Umgesetzt werden die Änderungen nach dem Ablauf der fünfjährigen Mietverträge Ende 2013/Anfang 2014. Vorher hat die Migros – mit wenigen Ausnahmen – keinen Mieter ausziehen lassen.

Dass sich der Mietermix in Richtung günstigere Ladenketten verschieben wird, will Zahnd nicht bestätigen – aber auch nicht dementieren. Es ist kein Geheimnis, dass nicht alle der Modeboutiquen mit ihrem Umsatz zufrieden sind. Gut möglich ist etwa, dass Navyboot, die sich als Nobelmarke zu positionieren versucht, das Westside verlassen wird. Anzunehmen ist auch, dass die Buchhandlung Orell Füssli nicht den erhofften Erfolg erzielt hat und ihren einzigen Laden in Bern redimensionieren oder gar schliessen wird.Wein, Bier und Spirituosen erhalten die Westside-Einkäufer heute nur im Globus. Dieser hat deshalb sein Alkoholangebot im unteren Segment etwas ausgebaut. Dies wird vielleicht bald nicht mehr nötig sein, da für Westside-Chef Gäumann auch eine Filiale des Discounters Denner kein Tabu mehr ist. Der mögliche Einzug der Migros-Tochter Denner «ist ein Thema», sagt Gäumann.

Bernaqua öffnet im April oder Mai

Nach wie vor stammen rund 40 Prozent der Westside-Besucher aus der Westschweiz – vor allem aus dem Kanton Freiburg. Die Migros Aare rührt entsprechend auch jenseits des Röstigrabens – auf dem Gebiet der Migros Neuchâtel-Fribourg – die Werbetrommel für ihr Berner Einkaufszentrum.

Die nächste Kampagne – sowohl auf Deutsch wie auch auf Französisch – steht bereits bevor: In den kommenden Wochen, spätestens im Mai, will Gäumann das sanierte Bernaqua wieder öffnen. (Der Bund)

Erstellt: 31.03.2012, 09:49 Uhr

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