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Bern

Die Lehrerin war ein Mann und hiess Herr Hofmann

Von Walter Däpp. Aktualisiert am 22.08.2011 1 Kommentar

Hans Hofmann war der erste Berner Lehrer, der Erstklässler unterrichtete. Dann war er einer der Pioniere der Basisstufe im Muristalden.

Lange Ferien für Hans Hofmann – nach über 40 Lehrerjahren.

Lange Ferien für Hans Hofmann – nach über 40 Lehrerjahren.
Bild: Valérie Chételat

9000 Erstklässler

Letzte Woche haben im Kanton Bern 9000 Kinder mit dem Eintritt in die 1. Klasse ihre Schulzeit begonnen - betreut fast ausnahmslos von Lehrerinnen. Hans Hofmann bedauert, dass auch heute noch kaum Lehrer an der Unterstufe unterrichten. Während sich die Frauen längst auch an der Oberstufe emanzipiert hätten, seien die Männer an der Unterstufe noch nicht so weit. «Leider», sagt Hofmann, «denn gerade in diesem Alter fehlt den Kindern oft der Vater. Entweder ist er gar nicht da, oder er ist beruflich derart absorbiert, dass er auch kaum da ist.» In diesem Sinne sei er im Laufe der Jahre für viele Kinder «auch eine Art Vaterfigur» gewesen. «Und in späteren Jahren», lacht er, «halt eher eine Grossvaterfigur.»

Seinen Grosskindern wünscht er, dass sie auf Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen und Lehrer treffen, für die es wichtig ist, Beziehungen zu ihnen aufzubauen, denn: «Man weiss ja, dass die Kinder vor allem das Schulfach ihres liebsten Lehrers gernhaben. Mein Sohn bevorzugte deswegen lange das Schulfach Deutsch, dann wechselte er auf Englisch - weil er die Englischlehrerin ‹cool› fand.»

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«Meine Lehrerin heisst Herr Hofmann»: Dieser Titel im «Bund» vom 13. April 1983 betraf Hans Hofmann, Lehrer, damals 34-jährig. Nach dreizehn Unterrichtsjahren an der Oberstufe war er in der Berner Breitfeldschule eben dabei, eine Schar Erstklässler zu übernehmen. Speziell war das, weil Hofmann die bislang erste männliche Berner Erstklass-Lehrperson war. Nun ist er pensioniert.

Hofmann freute sich damals auf seine ersten Erstklässlerinnen und Erstklässler - sie hiessen Evelyne, Priska, Karin (zweimal), Nicole, Kathrin, Henriette, Sandra, Maria-Teresa, Thomas, Martin, Mischa, Nicholas, Paolo, Antonio, Patrick und Gianni. Er freute sich auf die Kontakte mit ihren Eltern. Und er hoffte, diese «grundlegende Umstellung» gut zu meistern und dabei von seinen Kolleginnen unterstützt zu werden, denn: «Es gibt Hunderte von Lehrerinnen, die ausgezeichnete Arbeit leisten. Ich werde mir Mühe geben, es so gut zu machen wie sie.»

«Faszinierende Zeit»

Als Grundidee seines Unterrichts, den er sich didaktisch noch zurechtlegen müsse, nannte er damals «Sehen, Greifen und Begreifen». Und hatte vor, «das Schulzimmer wie ein Wohnzimmer einrichten», ein gutes Lernumfeld schaffen und nicht nur Wissen vermitteln zu wollen: «Begriffe wie Gefühl, Herz, Körper, Kreativität und Verständnis sind ebenso wichtig.»

Seit einer Woche ist Hans Hofmann pensioniert und blickt «auf eine faszinierende Zeit» zurück - vor allem auch in den letzten Jahren, als er im Campus Muristalden den Schulversuch der Basisstufe (Zusammenführung von Kindergarten, 1. und 2. Klasse) aufbauen half. Es sei anspruchsvoll, aber auch befriedigend gewesen, «im Team Themen für vier- bis achtjährige Kinder» aufzubereiten.

Hans Hofmann glaubt nicht, dass die Kinder im Laufe der Jahre «schwieriger» geworden sind. Kinder, die Schwierigkeiten gehabt und Schwierigkeiten gemacht hätten, habe es immer gegeben, sagt er: «Früher waren es POS-Kinder. Dann waren es ADS-, später ADSH-Kinder. Heute redet man oft von Kindern mit dem Asperger-Syndrom.» Es sei eine anstrengende, oft zermürbende, aber befriedigende Aufgabe, als Lehrer gerade auch zu ihnen, zu den «schwierigen» Kindern, eine Beziehung aufzubauen.

Erwartungshaltung der Eltern ist gestiegen

Nicht die Kinder hätten sich im Laufe der Jahre also geändert - nur ihr Umfeld: «Die Erwartungshaltung vieler Eltern ist gestiegen. Sie drängen beispielsweise darauf, dass ihr Kind schon in drei Jahren so weit sein sollte wie sonst in vier Jahren.» Viele Kinder hätten heute auch mit einfachsten Alltagshandlungen Mühe: «Wenn es etwa darum geht, mit Bäseli und Schüfeli Papierfetzen am Boden aufzuwischen. Oder wenn sie zum Beispiel keine Ahnung haben, wie man Hörnli kocht. Da glaube ich, dass wir heute vieles neu fördern müssen, was früher für die Kinder selbstverständlich war.»

Handy, Computer, Internet - das sei für Hans Hofmann in der Schule nie ein Problem gewesen: «Wenn entsprechende Angebote da sind, ist es für die meisten Kinder nach wie vor spannender und attraktiver, gemeinsam mit anderen Kindern etwas zu tun, statt allein ein Computerspiel zu spielen. Der Computer hat im Schulzimmer aber seinen Platz.»

Kulturelle Unterschiede stets bereichernd

Schwierigkeiten mit Ausländerkindern hätten ihre Ursache meist in mangelhaften sprachlichen Fähigkeiten, sagt Hofmann: «Eine intensive Arbeit rund um den Schriftspracherwerb ist unabdingbar. Beginnen sollte dieses Bemühen nicht erst im Kindergarten, in der Basisstufe oder in der ersten Klasse.» Sprache sei ein sehr wichtiger Teil der Sozialisierung. Kulturelle Unterschiede habe er indessen im Schulunterricht stets als bereichernd empfunden.

Nun ist Hans Hofmann nach über vierzig Lehrerjahren also pensioniert. Sein Wissen und seine Erfahrung gibt er noch als Dozent in der Lehrerfortbildung weiter. Und seine drei Grosskinder dürfen sich auf noch mehr grossväterliche Zuwendung freuen. Livio geht seit einer Woche in die erste Klasse, Leandro in den Kindergarten. Und mit der eineinhalbjährigen Miyu will er diese Woche im Zirkus Knie einmal «d Elefante ga luege». (Der Bund)

Erstellt: 22.08.2011, 09:12 Uhr

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1 Kommentar

Jeannette + Arthur Flückiger

22.08.2011, 19:10 Uhr
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Wer die ersten 2 Jahre bei ihm verbringen durfte, konnte sich glücklich schätzen. Auch unsere Kinder Sarah und Ramon, heute 29 und 24, erinnern sich gerne daran, wie wir Eltern auch. Das war eine andere, viel kreativere Art, als wir es aus unserer Zeit gewohnt waren. Da wurde das Schulzimmer nicht "nur" zum Wohnzimmer, gelegentlich sogar zum Zoo (Hühner, Rennmäuse, Schlangen). Danke Herr Hofmann! Antworten



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