Bern

Die Könizer Seepferdchen

Von Renate Bühler. Aktualisiert am 09.09.2012

Ab dem nächsten Schuljahr lernen die Könizer Drittklässler auch schwimmen.

Bald tauchen auch die Könizer Drittklässler in die Geheimnisse des Schwimmsports ein.

Bald tauchen auch die Könizer Drittklässler in die Geheimnisse des Schwimmsports ein.
Bild: Reuters

«Le monstre de l’alphabet», das gefrässige Buchstabenmonster, prominente Figur des neuen Französischlehrmittels, kennen die heute neunjährigen Könizerinnen und Könizer schon ganz gut. Ihre Nachfolger werden im gleichen Alter dann auch mit Fröschli, Pinguin, Krebs und Seepferdchen bekannt gemacht: Ab dem Schuljahr 2013/2014 erhalten alle Könizer Drittklässler ein halbes Jahr Schwimmunterricht; das hat, auf Geheiss des Parlamentes, der Könizer Gemeinderat beschlossen.

Die regelmässige Sportstunde im kühlen Nass ist in Köniz ein Novum: «Mangels zeitlicher und örtlicher Gegebenheiten fand in Köniz auf der Volksschulstufe meist nur punktueller Schwimmunterricht statt», schreibt der Gemeinderat. Will heissen: Zwar verfügt Köniz über die grosszügige Freibadanlage in der Weiermatt mit ihrem 25 Meter langen Trainingsbecken für Nichtschwimmer und einem 50-Meter-Schwimmbecken. Leider erlaubt das Klima hierzulande aber nur eine beschränkte Anzahl Wochen das Baden im Freien – und ein beträchtlicher Teil dieser Zeit fällt auch noch in die langen Sommerferien. Und das einzige Indoor-Lehrschwimmbecken, jenes in Niederwangen, war lange Zeit in schlechtem Zustand; Köniz erhielt die Betriebsbewilligung jeweils nur noch, weil die Sanierung vorgesehen war. Darum kamen die meisten Kinder nur sporadisch in den Genuss von Badi-Besuchen mit der Schule.

Nach dem Umbau gehts los

Doch seit dem Parlamentsbeschluss vom Dezember 2011 steht fest, dass das Lehrschwimmbad in Niederwangen saniert wird; voraussichtlich im nächsten Frühling dürften die Arbeiten abgeschlossen sein. Somit steht der Gemeinde die nötige Infrastruktur für die Einführung eines obligatorischen Schwimmunterrichts in den Volksschulen ab kommendem Sommer zur Verfügung. Jährlich werden künftig rund 350 Kinder aus elf Könizer Schulen dort tauchen und planschen.

Die Organisation und Durchführung von Schwimmstunden an der Schule untersteht den Gemeinden. Weshalb hat sich Köniz vorgenommen, just die Drittklässler ins Wasser zu führen, die ja mit dem Frühfranzösisch bereits in ein neues Fach eintauchen müssen? Die Abteilung Bildung, soziale Einrichtungen und Sport habe das Konzept «Schwerpunkt Schwimmen» nach Absprache mit den Schulleitungen entwickelt, sagt Gemeinderat Ueli Studer (SVP) auf Anfrage. «Das Schwimmen findet während der Sportstunden statt; für die Kinder kommen also keine neuen Lektionen hinzu.»

Ursprünglich habe man die Schwimmeinheit ins erste Schuljahr legen wollen; dies wäre aber für die Basisstufenschulen schwierig geworden. «Man hat sich dann für die ‹Dritteler› entschieden, weil die Kinder in diesem Alter das Schwimmen besonders einfach lernen und weil die Eltern dann auch mit ihnen üben gehen.» Die Gemeinde geht nicht davon aus, dass die Schule für eine umfassende Schwimmausbildung die alleinige Verantwortung übernehmen muss. Sie will ihren Beitrag mit einem professionellen und qualitativ hochstehenden Schulunterricht leisten: Die Lektionen in der Schwimmhalle Niederwangen werden von ausgebildeten Schwimmlehrern durchgeführt. Der jährliche Kostenrahmen für den Schwimmunterricht liegt bei maximal 130'000 Franken für Lehrkräfte und Schülertransport.

In einer weitläufigen Gemeinde wie Köniz ist die Organisation des Schwimmunterrichts eine logistische Herausforderung: Damit die Stundenpläne der jeweiligen Schule eingehalten werden können, werden die Kinder mit einem Schulbus bei der Schule abgeholt und nach dem Schwimmen zurückgebracht. Die Transporte werden durch die Firma Peyer, Niederwangen, durchgeführt. Diese Variante «besticht auch dadurch, dass die Firma die Transporte mit einem geeigneten Elektrobus durchführen möchte, ein schweizweites Novum», schreibt der Gemeinderat. Das Fahrzeug verfüge über 30 Sitzplätze und verkehre «ohne Emissionen». Sowohl die Kapazität wie auch die Distanzen passten «ideal» zu diesem Fahrzeugtyp. (Der Bund)

Erstellt: 09.09.2012, 10:45 Uhr

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