Die Hauptsorgen der Tram-Kritiker
Von Renate Bühler, Lisa Stalder. Aktualisiert am 01.11.2011 1 Kommentar
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• Kosten bereiten Sorgen:
Im Vergleich mit anderen Schweizer Tramprojekten ist das Tram Region Bern nicht übermässig teuer, sondern befindet sich im Mittelfeld. Dennoch sind die Kosten in der Höhe von 550 Millionen Franken vielen ein Dorn im Auge. Von verschiedener Seite wird daher gefordert, dass das Projekt überarbeitet und entschlackt wird. Die Freisinnigen aller drei Gemeinden verlangen beispielsweise, auf «unnötigen Luxus» zu verzichten. In anderen Worten: auf die Aufwertung von Plätzen entlang der Tramlinie. Gemäss den Tramverantwortlichen will man sich bei der Umgestaltung der Plätze allerdings auf das Notwendige beschränken.
Damit die Kosten merklich gesenkt werden könnten, müsste auf wichtige Teile des Projekts verzichtet werden. In Ostermundigen würde das beispielsweise heissen, dass die Rüti nicht erschlossen würde oder aber auf den Ausbau der Bahnhofunterführung verzichtet wird. Letzterer ist aber sowieso nötig, weil gewisse Teile des Bahnhofs noch immer nicht behindertengerecht sind. Auf der Könizer Seite würde als Erstes der Ast nach Schliern fallen gelassen; für die über 4000 Bewohnerinnen und Bewohner, bisher vom 10er-Bus bestens und im Dreiminutentakt bedient, würde ein vergleichsweise bescheidener Shuttlebus eingerichtet.
• Protest gegen Kahlschlag:
Bewohnerinnen und Bewohner des Galgenfelds wehren sich dagegen, dass die gesamte Allee entlang der Ostermundigenstrasse gefällt werden müsste. Zwar würde jeder einzelne Baum ersetzt, doch bis die Jungbäume gross sind, dauert es Jahrzehnte. Die Verantwortlichen betonen allerdings, dass viele der Bäume entlang der Strasse alt und krank seien und ohnehin in den kommenden Jahren hätten ersetzt werden müssen.
• Zweite Achse in der Innenstadt:
In der Berner Innenstadt ist es eng. Aktuell fahren pro Stunde 52 Trams und Busse durch die Spital- und die Marktgasse. Tramskeptiker befürchten, dass es mit der Einführung des Trams Region Bern für Fussgänger wegen der «roten Wand» kaum noch möglich sein wird, die Gassen zu überqueren. Die Tramverantwortlichen halten dagegen, dass mit dem neuen Tram «nur» noch 46 Fahrzeuge pro Stunde durch die Hauptgassen fahren würden - vorausgesetzt, die Linie 12 wird aus den Hauptgassen auf die heutige Linienführung der Linie 10 verlegt. Das Überqueren der Gasse sei nach wie vor «gefahrenlos» möglich. Die von verschiedener Seite geforderte zweite Tramachse in der Innenstadt ist auch laut dem Berner Gemeinderat nötig. Bis im Sommer 2012 soll geklärt sein, wo sie durchführen könnte. Diese Route würde anschliessend beim Kanton und beim Bund als Projekt eingegeben. Die Verantwortlichen hoffen, in den Genuss einer zweiten Tranche des Agglomerationsprogramms zu kommen.
• Andere Verbindungen:
Aus Kreisen der Tramgegner wird betont, mit einem Ausbau der S-Bahn Bern-Schwarzenburg könnte auf das Tram verzichtet werden. Klar ist: Ein Ausbau der S-Bahn alleine würde die Buslinie 10 nicht ausreichend entlasten. Noch kühner mutet die Idee an, ganz auf die Bahn zu setzen: Statt mit Tram oder Bus sollten die Könizer per Super-S-Bahn nach Bern gelangen; der Könizer Bahnhof würde als Knotenpunkt die umliegenden Quartiere und Orte bedienen. Auch bei dieser Variante bliebe Schliern auf der Strecke. Unter dem Gesichtspunkt, dass jede Fahrt verlängert wird, wenn man umsteigen muss, ist diese Variante auch für Könizer und Liebefelder wenig komfortabel: Allein für den Besuch des Berner Märits müssten sie am Bahnhof Bern das Fahrzeug wechseln. Das Tram hingegen würde sie, wie heute der 10er-Bus, direkt zu Bundesplatz und Zytglogge bringen.
• Andere Fahrzeuge:
Der Einsatz von Doppelgelenkbussen, auch Megabusse genannt, könnte kurzfristig Linderung schaffen, zukunftstauglich wären diese Fahrzeuge aber nicht: Der Doppelgelenkbus weist nur eine um 1,5 Mal grössere Kapazität auf als der heutige Gelenkbus, während ein neues Tram 2,5 Mal mehr Personen befördern kann. In Spitzenzeiten müsste im Zweieinhalbminutentakt gefahren werden; dies ist gemäss den Planern nicht möglich. Auch die Städte Zürich und Genf setzen die Doppelgelenkbusse mehrheitlich als Übergangslösung ein, bis das Tram gebaut ist. Futuristisch-reizvoll ist die Vorstellung von einer durch Köniz-Liebefeld gleitenden Magnetschwebebahn auf dem Trassee der heutigen S 6, doch auch hier gilt: Schliern hätte nichts davon - und die Benutzer der heutigen Buslinie 10 müssten im Bahnhof Bern umsteigen. Völlig offen ist, was ein solches Projekt kosten würde. Älter ist die Idee, Köniz per U-Bahn mit Bern zu verbinden: Auch sie hat urban-futuristischen Charme, ihre Realisierung ist aus technischen Gründen aber nicht mehr möglich. (Der Bund)
Erstellt: 01.11.2011, 12:39 Uhr
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1 Kommentar
Sehr geehrte Frau Bühler, Frau Stalder: Wer sind die 'Gegner' - haben Sie die Gegner zu Wort kommen lasssen ? - Sie machen es wie die Befürworter und behandeln nur die Punkte die Ihnen 'gefallen' - Lesen Sie einmal das Gutachten der ETH kritisch und ohne Vorurteile durch - Sie werden sehen es gibt einie äusserst kritische Punkte im Tramprojekt. Antworten
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