Die FDP setzt auf Markwalder
Von Reto Wissmann. Aktualisiert am 04.11.2010 4 Kommentare
Mindestens drei Kandidaten
Am 13. Februar wird der Ständeratssitz von Simonetta Sommaruga neu besetzt. Zur Wahl treten neben der FDP-Kandidatin für die SP Nationalrätin und Fraktionschefin Ursula Wyss und für die SVP Nationalrat und Vizeparteichef Adrian Amstutz an. Weiter liebäugelt die EVP damit, Nationalrätin Marianne Streiff-Feller ins Rennen zu schicken. Die Grünen verzichten auf eine eigene Kandidatur und unterstützen Wyss. Bei dieser Ausgangslage kommt es fast sicher zu einem zweiten Wahlgang. Dieser fände am 6. März statt.
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Sie sind beides Skifahrerinnen. Corinne Schmidhauser hat es in den Achtzigerjahren bis an die Weltspitze geschafft, und Christa Markwalder hat es immerhin an die Spitze der parlamentarischen Skigruppe geschafft. Ins Ziel kam gestern Abend in Langenthal aber nur Christa Markwalder. Die Delegierten der FDP Kanton Bern nominierten sie zu später Stunde für die Ständeratsersatzwahlen vom 13. Februar. Sie erhielt 144 Stimmen, Herausforderin Schmidhauser kam auf lediglich 53 Stimmen. Damit haben sich die Liberalen für die erfahrene Nationalrätin und ihren nationalen Politstar entschieden.
«Wir brauchen vollen Einsatz, um den 2003 verlorenen Ständeratssitz zurückzuholen», sagte Markwalder nach Bekanntgabe des Resultats. «Die Herausforderung ist gross, und ich begegne ihr mit Respekt.» Schmidhauser zeigte sich als faire Verliererin: «Zum Sport wie zur Politik gehören Siegen und Verlieren», so Schmidhauser. «Ich akzeptiere die Niederlage und sichere Christa Markwalder meine volle Unterstützung zu.»
Lange war in der Diskussion nicht klar, wer das Rennen machen wird. «Christa Markwalder ist zwar in Bundesbern sehr gut vernetzt», sagte eine Delegierte aus Muri, «Corinne Schmidhauser spricht aber breitere Bevölkerungsschichten an.» Auch ein Delegierter aus dem Oberland zeigte sich überzeugt, dass Schmidhauser mehr Stimmen holen würde: «Die meisten Leute kennen sie noch als Spitzenskifahrerin.» Ausserdem werde eine Kandidatur an Markwalders Europafreundlichkeit scheitern: «Mit Christa Markwalder böten wir der SVP eine Steilvorlage.» Eine andere Delegierte sagte, man müsse die Europagegner zwar überzeugen, das könne die FDP aber nicht im Ständeratswahlkampf in einigen Wochen erreichen. Auch der Stadtberner Grossrat Philippe Müller warb für eine Kandidatur Schmidhausers: «Schmidhauser holt die bürgerlichen Stimmen besser ab.»
«Man darf noch Visionen haben»
Schliesslich gewann die Markwalder-Seite aber die Oberhand. Der Stadtberner Alt-Grossrat Adrian Haas warnte etwa davor, die Europafrage überzubewerten. Im Ständerat spiele diese Frage keine grosse Rolle, und ausserdem «darf man ja schliesslich noch Visionen haben». Auch der Jungfreisinn stellt sich geschlossen hinter Markwalder.
Schmidhauser meldete ihr Interesse erst an, nachdem die interne Bewerbungsfrist bereits abgelaufen war und die Partei Markwalder als einzige Kandidatin präsentiert hatte. Sie sei von verschiedenen Persönlichkeiten aufgefordert worden, zu kandidieren, begründete Schmidhauser. Eine Rolle dürfte dabei auch Regierungsrat Hans-Jürg Käser gespielt haben. Er setzte sich gestern als «Götti» für Schmidhauser ein, und auch da ging es um die unterschiedliche Haltung zur Europafrage.
Ovationen für den Bundesrat
Lange vor der Nomination von Christa Markwalder hatte Johann Schneider-Ammann seinen ersten Auftritt als Bundesrat vor der Berner FDP. Empfangen wurde er mit stehenden Ovationen – bald bildeten sich aber Sorgenfalten auf den Stirnen der Delegierten. «Es ist vielleicht gut, dass man im Voraus nicht alles weiss», sagte Schneider-Ammann nur Stunden nach seiner allerersten Bundesratssitzung. Er gab aber sogleich Entwarnung: «Ich bereue meinen Entscheid nicht, es war aber schon schwer, meine Firmen abzugeben.» Für das Bundesratskollegium und sein Departement war er jedoch des Lobes voll: «Viele würden staunen, wie ernsthaft im Bundesrat für die Sache und nicht gegeneinander gestritten wird», so Schneider-Ammann. Im Volkswirtschaftsdepartement habe er zudem «ein super Team» angetroffen, das enorm leistungswillig und gut organisiert sei. «Hier wird sogar noch effizienter gearbeitet als in meinen effizienten Unternehmen.» (Der Bund)
Erstellt: 04.11.2010, 07:00 Uhr
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4 Kommentare
Visionen? Sagen wir es doch mal richtig übersetzt. Nach aussen sagt die FDP, dass was viele Bürger hören wollen. Hinter verschlossenen Türen macht sie genau das Gegenteil davon, Politik eben. Ich betrachte die FDP mittlerweile eh nur als Anhängsel der SP. Antworten
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