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Bern

«Die Dichte an Clubs ist beträchtlich»

Von Hanna Jordi, Christoph Lenz. Aktualisiert am 24.01.2012 18 Kommentare

Bern sei für Partyveranstalter und Clubbetreiber kein schlechtes Pflaster, stellt Gemeinderat Reto Nause fest. Jüngster Beweis: Im Fall des Kornhausforums hat die Gewerbepolizei eingelenkt.

«Tatsächlich eine schwierige Ausgangslage»: Gemeinderat Nause äussert sich zum Nachtleben.

«Tatsächlich eine schwierige Ausgangslage»: Gemeinderat Nause äussert sich zum Nachtleben.
Bild: Franziska Scheidegger

Herr Nause, in den letzten Wochen haben mit dem Sous-Soul und dem Kornhausforum gleich zwei Kulturveranstalter die Segel gestrichen. Ist es für Partyveranstalter und Clubbetreiber schwieriger geworden, in der Stadt Bern zu geschäften?
Diesen Eindruck habe ich nicht. Das Sous-Soul ging zwar zu, derweil sind aber auch neue Clubs entstanden, etwa im Bollwerk. Wer sich an einem Samstagabend in der Stadt bewegt, der registriert massenhaft Partygänger – Bern ist ein Publikumsmagnet in dieser Hinsicht. Die Dichte an Bars, Restaurants und Clubs ist beträchtlich für eine Stadt mit 138'000 Einwohnern.

Die Veranstalter sehen sich zum Teil aber mit grotesken Situationen konfrontiert, aktuell das Kornhausforum: Während die Gewerbepolizei ein Fumoir verlangt, untersagt es die städtische Liegenschaftsverwaltung.
Ich habe nichts dagegen, wenn man im Kornhausforum ein Fumoir einbaut. Häufig entstehen Nutzungskonflikte zwischen Anwohnern und Clubbetreibern dann, wenn sich ein Betrieb verändert: Was vielleicht früher eine Lounge mit Hintergrundmusik war, ist heute ein Club, der laute Musik spielt und eine Tanzfläche hat. Die Massnahmen, die das Regierungsstatthalteramt verfügt – etwa bauliche Anpassungen oder Lärmbegrenzungen – sind dazu da, die Nutzungskonflikte zu verringern.

Im Fall des Sous-Souls musste allerdings ein Club weichen, weil eine neu hinzugezogene Mieterin den Lärm beklagte. Besteht hier nicht ein Missverhältnis?
Das ist tatsächlich eine schwierige Ausgangssituation. Allerdings sind uns die Hände gebunden: Das Umweltrecht hält fest, dass jeder Anwohner ein Lärmbeschwerderecht hat. Ob er sich über Kirchenglocken beschwert oder zu laute Musik, spielt keine Rolle. Wird ein gewisser Lautstärkepegel überschritten, kommt es zu einem regulären Verfahren. Umgehen liesse sich dieser Ablauf nur, wenn im betreffenden Gebiet die Wohnzonen eliminiert würden. Aber dafür würde sich – gerade in der unteren Altstadt – wohl keine Mehrheit finden.

Muss, wer neben einen Club zieht, nicht mit Lärmemissionen rechnen?
Vielmehr muss ein Veranstalter in der Stadt Bern damit rechnen, dass ein Mieter klagt: Betriebe mit Überzeitbewilligung sind in der unteren Altstadt eigentlich zonenfremd – es handelt sich um eine gemischte Wohnzone der Lärmempfindlichkeitsstufe II. 2006 haben die Bernerinnen und Berner in der revidierten Bauordnung entschieden, dass die bestehenden Betriebe entgegen dem Zonenplan bleiben dürfen.

Im Fall des Bonsoirs ist der klagende Mieter ausgezogen – und trotzdem behandelte das Regierungsstatthalteramt die Lärmklage weiter. Stört Lärm auch dann, wenn niemand da ist, den es stört?
Nein, das würde ich nicht sagen. Aber die Stadt hat die Pflicht, den Beschwerden von Anwohnern nachzugehen. Die grosse Kunst am Nachtleben ist es, die verschiedenen Interessen aneinander vorbeizubringen.

Wie, glauben Sie, können Wohnen und Nachtleben in Einklang gebracht werden?
Es braucht eine gute Zusammenarbeit zwischen Clubbetreibern und Liegenschaftsverwaltung, Investitionen in die Infrastruktur, ein Securitykonzept und es gilt, das Vertrauen der Anwohner zu gewinnen. Fühlen sich die Nachbarn ernst genommen, sind die Probleme mit den Clubs meist minim.

Offenbar zieht der Gemeinderat eine neue Ausgehmeile nach dem Vorbild der Aarbergergasse in Erwägung. Wo könnte eine solche liegen?
Wir prüfen derzeit, ob es möglich ist, den Ausgang in Berns Stadtplanung einzubeziehen: Denkbar sind Gewerbezonen nach dem Vorbild des Bahnhofs oder des Wankdorfs, in denen Clubs relativ ungestört und wenig störend wirtschaften können. Bern hat da einiges Potenzial. Das liegt dann allerdings in der Kompetenz der Stadtplanung.

Auch in Partymeilen bleiben die Probleme nicht aus – im Gegenteil. Trägt das Sicherheitskonzept in der Aarbergergasse bereits Früchte?
Es ist natürlich noch zu früh, um eine verbindliche Aussage zu machen. Die Zusammenarbeit entwickelt sich aber vielversprechend: Die Clubbetreiber nehmen ihre Verantwortung wahr und sorgen dafür, dass die Gasse als Ganzes aufgewertet wird. Eine ähnliche Strategie liesse sich vermutlich auch in anderen Stadtteilen anwenden.

Der Gemeinderat will nun prüfen, ob die Kornhausforum-Betreiber doch noch ein Fumoir einbauen dürfen. Wie schätzen Sie die Chance ein?
Da gibt es Neues zu vermelden: Die Gewerbepolizei beharrt beim Kornhausforum nicht länger auf einem Fumoir – sofern die Veranstalter sicherstellen, dass die Security ab fünf Uhr morgens für Ruhe vor dem Haus sorgt.

Das heisst, die Partyreihe kann auch ohne Fumoir weiterhin stattfinden?
Ja, die Veranstalter wurden am Montagmorgen informiert. (Der Bund)

Erstellt: 24.01.2012, 07:14 Uhr

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18 Kommentare

Kurt Rohrer

24.01.2012, 09:59 Uhr
Melden 14 Empfehlung

"Gewerbezonen nach dem Vorbild des Bahnhofs oder des Wankdorfs" Also bitte. Wann versteht ihr endlich, dass nicht alle Menschen vorgefertigte, sterile Clubs ohne Charakter wollen, wo man wie am Laufband abgefertigt wird? Mit dem Sous-Sol wurde ein Ort für solche Leute gschlossen, was mir im Herzen sehr weh tat. Antworten


Matthias Lehner

24.01.2012, 10:22 Uhr
Melden 13 Empfehlung

Keinen Bezug zur Realität, unreflektierte Aussagen, ein Hang sich selbst (zu) sehr zu lieben... Nause was ist aus Ihnen geworden? Lesen Sie mehr Dossiers und geben Sie weniger Interviews, sprechen Sie wieder mit dem Volk auf der Strasse und passen Sie die Politik wieder dem Volk an. Sonst sind sie nicht mehr tragbar. Antworten



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